1978. Epilobium hypericifölhim Tausch. Hartheu = Weidenröschen. Fig. 2214.
Der vorangehenden Art sehr nahe stehend. Innovationssprosse wie bei E. montanum.Stengel 30 bis 80 cm hoch, rund, weichflaumig, im oberen Teile mit eingestreuten Drüsenhaaren, oftrot überlaufen. Mittlere Stengelblätter eiförmig, zugespitzt, die der Blütenregion elliptischdanzettlich,alle kurz gestielt, am Rande und auf den Nerven feinflaumig, völlig ganzrandig, ausnahmsweise zu3 quirlständig. Blüten klein, nur 5 bis 6 mm lang, im Knospenzustande etwas nickend, wiedie Staubbeutel zuerst weiss, dann fleischfarben. Narbe 4=teilig. Kapsel 5 bis 6 cm lang, abstehenddrüsen= und einfach kraushaarig. Samen eilänglich, nicht warzig. — VII bis IX.
Truppweise (bisweilen unbeständig) in Berglaubwäldern, auf Waldlichtungen, anWaldrändern. Sehr selten und bisher nur im Elbsandsteingebirge am Tetschner Schneeberg
gestielt und gezähnt. Blüten über 12 mm gross. Pflanzen der höheren Gebirgslagen, besonders der Alpen,aber auch im Schwarzwald, ausserdem vereinzelt in die Ebene hinabsteigend. — var. glaucöscens Hausskn.Stengel und Laubblätter bläulichgrün, steif. Blüten klein (nicht mit E. collinum zu verwechseln!). Nur aufvulkanischem Boden im Rheintale. — var. dübium L6vl. Stengel häufig schwach kantig. Laubblätter langgestielt, scharf gezähnt, am Grunde ± abgerundet. Blüten häufig blassrosa (dadurch an den Bastard E. mon.tanum x E. roseum erinnernd). So in feuchten Wäldern (besonders im Schweizer Mittellande, aber auch imSchwarzwald), bisweilen auch verschleppt (z. B. Bahnhof Buchs) oder auf Gartenland (Zürich).
Epilobium montanum zählt zum europäisch.sibirischen Elemente. Die in vielen Laub« und Laub.
Nadelmischwäldern anzutreffende, mesophile Art gehört zu den konstant wiederkehrenden Gliedern des
Buchenwaldes (vgl. Bd. III, pag. 99). Im oberen herzynischen Fichtenwald findet sie sich gemeinsam mit Pirola
uniflora, Epipactis latifolia, Geranium silvaticum, Melampyrum silvaticum, Senecio nemorensis subsp. Fuchsii
usw. Die grossblütige var. Thellungianum, die vorwiegend in der subalpinen Stufe verbreitet ist, ist eine
bezeichnende Art der Hochstaudenfluren (Karfluren, feuchtschattige Waldstellen). Wiederholt schon wurde die
Art als Gelegenheitsepiphyt (so auf Salix alba usw.) beob«
achtet. Nach Aug. S c h u 11 z ist E.montanum homogam ; Selbst»
befruchtung erfolgt durch nachträgliche Verlängerung der
kurzen Staubblätter bis zur Höhe der Narbe. Ueber die
Keimung der Samen und die Verschiedenheit der Samen.
cnd Innovationspflanzen vgl. pag. 210 u. f., bezw. Fig. 2199.
Die Stockknospen können sich, wenn ihnen Hindernisse
(Steinchen, Laub u. a.) im Wege stehen, bis zu 4 cm ver«
längern, worauf schon Schultz 1857 hingewiesen hat;
sie gleichen dann den unterirdischen Stodcsprossen von
E. alsinifolium. Solche Exemplare hat B o r e a u als E. sil»
vaticum behandelt) Rouy und Camus haben sie als
„sous.espece" behandelt und auf eine Stufe mit E. collinum
und E. lanceolatum gesetzt. Dass dieses Vorgehen nicht
berechtigt ist, hat K. Rubner durch den Fund eines
typischen E. montanum.Exemplars nachweisen können,
dass neben den normalen Stocksprossen auch solche von
2 bis 3 cm Länge entwickelt hatte (näheres bei Rubner, K.
Die bayerischen Epilobienarten, «bastarde und .formen,
Denkschriften der kgl. Botan. Gesellschaft zu Regensburg,
1908). Ueber die Verschiedenheit der Entwicklung der
Samen« bezw. «Innovationspflanzen vgl. Fig. 2199. Als
forstlicher Standortszeiger besitzt die Pflanze insofern
einige Bedeutung, als sie eine normale, gute Humuszer»
Setzung in Laub« und Nadelwäldern angibt. Apophytisch
auf Gartenland ist sie bisweilen mit E. roseum anzutreffen.
Als Epiphyt wurde sie auf Rotbuchen, Weiden und Berg«
ahorn beobachtet. Auf den Laubblättern wurden die Fig ' 2213 - Epilobium montanum L., fruchtend.
„ ,, , Phot. Dr. G. Hegi, München.
Ascomyceten Mycosphaerella micröpSila (Berk, et
Br.), Sphaerothdca hümuli (DC.) und Ventüria maculiförmis (Desm.) festgestellt. Gallen werdendurch Aphis Epilöbii Kalt, und Mömpha decortilla S teph. hervorgerufen.