bis 30 cm hoch, vom Habitus des E. parviflorumHausskn. Blüten weiss. Selten.
Epilobium hirsutum ist eine durch die Höhe ihres Stengels und die Grösse ihrer Blüten gut kennt«liehe Art, die vielfach als Helophyt in Rohrsümpfen mit Phragmites communis, Scirpus paluster, Typha»Arten,Glyceria aquatica, Iris Pseudacorus, Ranunculus Lingua, Lysimachia thyrsiflora, Lythrum Salicaria, Senecio pa«ludosus usw. erscheint und bisweilen in dieser Gesellschaft dank ihrer kräftigen, kriechenden Stocksprosse reineHerden bildet. An Dorfteichen und an Gräben tritt sie auch apophytisch unter echten Ruderalpflanzen auf.In Norddeutschland wächst sie bisweilen in Menge in den Erica Tetralix.Heiden mit Salix repens, Juncus squar»rosus, Genista Anglica, Pedicularis silvatica. Hegi stellte sie im Isartal bei Degerndorf (Fig. 2209) gemein»sam mit Juncus effusus, Lysimachia vulgaris und Cirsium palustre fest. Blütenbiologisch ist die Pflanzesehr veränderlich. Die bisweilen zygomorphen Blüten sind nach Aug. Schultz proterandrisch in allenAbstufungen mit Ausschluss der spontanen Selbstbestäubung. Die(unregelmässig) aktinomorphen Blüten hingegen sind entweder prote«randrisch oder fast homogam. Kleinblumige Formen sollen homogamund selbst proterogyn sein, wobei bei günstiger Griffellänge Selbst»bestäubung möglich wird. Abgesehen von den nicht selten anzutreffen«den subapetalen Formen sind aber die letzteren wohl alleprotogyn. Beiihnen ragt die empfängnisfähige Narbe weit aus der Krone heraus.
Solche Blüten können auch verkümmerte Staubblätter enthalten,sodass sie funktionell weiblich sind. Infolge des schützendenHaarkranzes um den Griffelgrund ist E. hirsutum auch bei regne«rischem Wetter befähigt, die Blüten offen zu halten, währendalle übrigen Arten dieselben neigen und schliessen. — Der wirt»schaftliche Wert der Pflanze ist unbedeutend. Bisweilen wirdsie in Parkanlagen und in Bauerngärten kultiviert, verwildertgelegentlich auch daraus. Möglicherweise stehen die Standortebei Innsbruck damit in Verbindung. Auch auf Helgoland trittdie Pflanze als Gartenflüchtling auf. Die Laubblätter werdengleich denen von E. angustifolium als Tee.Ersatz verwendet. AlsStreuepflanze kommt sie kaum in Betracht, kann aber auf Riedwiesenbisweilen durch ihr herdenweises Auftreten zu einen Unkraut werden,dessen Bekämpfung schwierig ist. Vom Weidevieh wird sie nichtberührt, vielleicht deshalb, weil ihre Drüsenhaare einen ätzendenSaft und die Laubblätter in ihren Geweben Raphiden eingebettet ent«halten. Mit einer Form mit schmalen, verkümmerten, grünlichrotenKronblättern hat sich De Vries (Mutationstheorie. Bd. II), sowieTh. J. Stomps (Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft.
Bd. XXXI, 1913) beschäftigt und gezeigt, dass diese Sepalodie zeigende„cruciate" Pflanze (= f. cruciätum [De Vries] konstant ist. DieZahl der auf E. hirsutum angetroffenen, schmarotzenden Krypto»gamen ist ziemlich bedeutend. Genannt seien Didym6lla Fudceliäna(Pers.), Leptospheeria vagabünda Sacc. f. caülmm Sacc., Mollisiaminütella (Sacc.), Synchytrium aüreum Schroet. Zoocecidien werdendurch Mömpha decor^lla Steph., Perrisia Epilöbii F. Low und eineEriophyidarum.Art hervorgerufen.
1976. Epilobium parviflorum Sdireber (= E. hirsutumL. var. L., = E. villösum Curt., = E. mölle Lam., = E.pubescens Roth, = E. rivuläre Hegetschw.)*). B a ch =
Weidenröschen. Fig. 2210 und Fig. 2211.
Samenpflanze mit einfacher Wurzel; Innovationspflanze mit verlängertem, kriechen»dem, reichfaserigem Rhizom, am Wurzelhals zur Blütezeit (bisweilen auch später) anfangs
') Die Art scheint das erste Mal von Lonicerus 1557 als Lysimachia purpurea secunda abgebildetworden zu sein. In Carrichter's Kreuterbuch 1673 wird sie als das „Weibchen von E. hirsutum* genannt,»welches man an den Wassern findet, hal weisse Blümlein, ist nicht so hoch, an den Blättern kleiner und schmäler."
Fig. 2210. Epilobium parviflorumSchreber. a , ai Habitus. b Innovations-pllanze. c Laubblatt, d Frucht, e, { Samen.