Druckschrift 
5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
807
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

807

zerstreut oder gegenständig oder zu dreien (selten zu vieren) wirtelig, ganzrandig oder gezähnt,flach oder seltener am Rande leicht umgebogen. Blüten regelmässig oder zygomorph, in denAchseln von Laub» oder Tragblättern, in endständigen Blütentrauben. Achsenbecher über denFruchtknoten verlängert, kurz trichterförmig. Kelchblätter 4, oft gefärbt. Kronblätter 4, purpur»rot bis rosa, seltener weisslich oder gelb. Staubblätter 8, die episepalen länger und höher eingefügtals die epipetalen. Griffel aufrecht oder nach abwärts gekrümmt. Narbe kopfig, keulig, 4=furchigoder 4=teilig. Früchte lang, lineal, schotenähnlich, 4=kantig, 4=fächerig, durch Mittelteilung derFachwände mit 4 meist nacht aussen sich biegenden Klappen sich öffnend. Samen zahlreich,glatt oder fein, warzig, mit weissem, oft kurz gestieltem Haarschopf.

Die Gattung enthält nach Heinrich KarlHaussknecht(Monographie derGattung Epilobium. Jenal884)rund 180, nadi H. Leveillö (Iconographle du genre Epilobium. Le Mans, 1910) etwa 250 Arten, wobei allerdingszu bemerken ist, dass der letztgenannte Monograph in der Aufstellung neuer Arten ziemlich weit geht. DasVerbreitungsgebiet der Gattung umfasst ganz Europa, Asien (mit Ausnahme der tropischen Halbinseln undInseln), den Norden, Osten und Süden von Afrika, ganz Amerika, das kontinentale Australien, Tasmanienund Neuseeland. Die reichste Verbreitung fällt auf die nördliche Erdhälfte zwischen den 35.° und 60.° Breitengrad)doch gehen einige Arten auf Nowaja Semlja bis zum 75.° nördl. Breite vor. Innerhalb des Gesamtverbreitungs«gebietes besitzt das arktische Gebiet (nach Haussknecht) 4 endemische Arten, zu denen nach G. Samuelsson(Botaniska Notiser. Lund, 1922) als weitereE. Arcticum Sam. und E. tundrärumSam. gehören, das Beringische Gebiet6 endemische Arten, das japanische Gebietderen 27, der Himalaya und Tibet 36, daskaspisch=anatolische Gebiet 12, Abessinien(i. weit. Sinne) 4 (dazu das in der ganzenAlten Welt verbreitete E. hirsutum), Süd.afrika 15 (davon 3 nur auf Madagaskar),

Nordamerika 44, Südamerika 24, das ozea.nische Gebiet 40 und das mitteleuropäischeund mediterran.atlantische Gebiet (d.h. ganzMittel., Süd» und Westeuropa zusammen)

9 Endemismen. Im letztgenannten Gebietist die Gesamtzahl der Epilobium.Arten 20.

In ganz Europa finden sich 26 Arten, davonim behandelten Gebiete 20, während6 weitere im nördlichen Fennoscandinavien,bezw. in Nordrussland auftreten und eineArt (E. Tourneförtii Michal.) auf dasMittelmeergebiet beschränkt ist. Zu den Bewohnern von Mitteleuropa dürfte in kurzer Zeit auch das ausNordamerika stammende und von Haussknecht für Europa noch nicht erwähnte E. adenocaulon zustellen sein, das sich in grossen Mengen bereits in Polen, Lettland und Litauen angesiedelt und eingebürgerthat (s. u.). Die Arten lieben im allgemeinen ein gewisses Mass von Feuchtigkeit. Niederungen oder Gebirgs»la gen sagen ihnen am meisten zu ; doch kommen einzelne Arten auch auf trockenen Böden vor. In den eigent«liehen Tropen fehlen sie, treten aber daselbst in den höheren Gebirgen auf. Im Himalaya steigen sie bis etwa1000 m abwärts und bis 4500 m aufwärts.

Als Adventivpflanze wurde E. bor edle Hausskn. in einer Kiesgrube bei Erfurt (1910) festgestellt.In Gärten wird bisweilen von ausländischen Arten das in den westamerikanischen Gebirgen heimischeE. obeordätum A. Gray, sowie das völlig am Boden kriechende, neuseeländische E. microphyllumLess. et A. Rieh, gezogen. Letzteres fand sich auch verwildert in der alpinen Anlage des Botanischen Gartenszu Nymphenburg.München (1924), sowie (wahrscheinlich aus der Gärtnerei Sün der m ann.Lindau eingeschleppt)im Alpinum von Dr. Keidel in Rathen a. d. Elbe (1923, Begerl)- In Ostdeutschland ist als Wanderpflanzezu erwarten: E. adenocaulon Hausskn. (= E. Graebneri Rubner). Fig. 2194. 20 bis 50 cm hohe Pflanze mitzur Blütezeit unterirdisch entstehenden und später ergrünend zur Erdoberfläche gelangenden, kleinen, fastsitzenden Rosetten (Fig. 2194 a). Stengel aufrecht oder bogig aufsteigend, einfach oder ästig, mit 2 oder 4 herab«laufenden Linien (dadurch i kantig), unten kahl, oben etwas angedrückt behaart, im Blütenstande zudem mite ingestreuten Drüsenhaaren, der Gipfel vor der Blütezeit übergeneigt. Laubblätter i eiförmig, unregelmässig