Druckschrift 
5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
797
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

797

94. Farn. Oenotheräceae (Onagräceae). Nacht kerzengewäch se.

Meist 2= bis mehrjährige, selten 1 »jährige Kräuter und Stauden, seltener Halbsträucher,Sträucher oder Bäume. Wurzel bei 2=jährigen Arten bisweilen spindel» oder rübenförmig;die Primärwurzel bei den ausdauernden Arten durch Wurzelstockbildungen mit Adventiv»wurzeln ersetzt. Laubblätter meist gegen», seltener Wechsel» oder quirlständig, einfach undganzrandig oder gezähnt oder fiederspaltig. Nebenblätter klein, frühzeitig abfallend oderganz fehlend. Blüten einzeln in den Achseln der Laubblätter oder in Trauben oder Aehren,meist gross, weiss, rot, violett oder gelb, zwitterig, selten 1 »geschlechtig und vielehig, strahlig(Fig. 2191 e) oder zygomorph, meist 4», seltener 2», 3= oder 5=zählig. Blütenachse zu einem kelch»artigen, verlängerten, röhren» oder becherförmigen, am oberen Rande die Kelch», Krön» und Staub»blätter tragenden, zuletzt über dem Fruchtknoten sich zusammenschnürenden und mit demoberen Teile abfallenden Achsenbecher (Hypanthium) erweitert. Kelchblätter mit breitem Grundesitzend, zuweilen gefärbt, nach dem Oeffnen der Blüte in der Regel zurückgeschlagen, in derKnospenlage klappig. Kronblätter mit den Kelchblättern abwechselnd, meist gross, selten sehr kleinoder ganz fehlend, in der Knospenlage meist rechts gedreht und zusammengerollt. Staub»blätter gewöhnlich in der doppelten Anzahl der Kronblätter, selten nur 2 oder 1 ; die vorden Kronblättern stehenden oft kürzer, bisweilen zu Staminodien umgebildet oder ganzfehlend; Staubbeutel lineal oder ellipsoidisch, selten i kugelig, am Grunde oder in derMitte befestigt, mit längsspaltenden und nach innen sich öffnenden Fächern. Pollen einzelnoder in Tetraden, kugelig oder elliptisch, mit 3, seltener 2 Austrittswarzen. Fruchtknotenunterständig, vollkommen mit dem Blütenboden verwachsen, 2», 4» bis 6=fächerig, bisweilenmit unvollständigen Scheidewänden oder durch Verkümmerung l=fädierig. Samenanlagenmeist viele, selten nur 1 bis 4, zentralwinkelständig, aufsteigend, wagrecht stehend oderhängend, umgewendet. Griffel einfach; Narbe kopfig oder keulig, ungeteilt oder 2» bis4»lappig oder i langschenkelig. Frucht eine fachspaltige Kapsel, Nuss oder Beere. Samenklein, meist zahlreich, selten einzeln oder wenige, glatt, körnig oder warzig, nackt oder haut»randig, geflügelt, oder mit Haarschopf oder bauchiger Anschwellung, ohne Nährgewebe.

Die Familie umfasst rund 500 Arten, die zum grossen Teile in den gemässigten Zonen der NeuenWelt vorkommen, vorzugsweise im westlichen Nordamerika und in Mexiko. Eine fast rein brasilianische Ver«breitung besitzt die Gattung Jussieüa L. Der Westen Südamerikas bis zum Kap Hoorn ist durch die GattungF ü c h s i a L. gekennzeichnet, von der aber eine eigene Sektion auf Neuseeland auftritt. Nur wenige Gattungensind über die ganze Erde verbreitet, so besonders Epilöbium (etwa 180 bezw. 250 Arten umfassend und alseinzige Oenotheraceen-Gattung auch in Australien auftretend). In Afrika finden sich ausserdem Vertreter vonLudwigia, in Asien auch Circaea. und J us sieu a «Arten. In Europa sind nur Arten von Epilöbium,Ludwigia und Circaea heimisch, hingegen als Apophyten mehrere Oenoth6ra«Arten eingebürgert.Die meisten Oenotheraceen bewohnen feuchte, schattige Wälder und Gebüsche, Sümpfe und flache Wasser-becken, wobei die Helophyten häufig zur Bildung eines Aerenchyms befähigt sind. Sträucher und kleineBäume finden sich nur bei den Gattungen F u c h s i a (auch kletternde Arten) und H a ü y a Moc. et Sess6.Die übrigen Gattungen bestehen überwiegend aus 2» oder mehrjährigen, Polykarpen Gewächsen. Die Familieist gut abgegrenzt und kann als wirklich natürlich angesprochen werden. Die Verwandtschaft zu denLythraceen, von denen sich die Familie im wesentlichen nur durch den stets mit dem Achsenbecher voll«ständig verwachsenen Fruchtknoten und die hoch am Rande des Achsenbechers eingefügten Staubblätterunterscheidet, ist durch verschiedene Forscher auf serodiagnostischem Wege bestätigt worden. Kohz z. B.,der die Familie als Abkömmling der Lythraceen auffasst, weist darauf hin, dass es bei der phylogenetischenAbleitung nur der Annahme bedürfe, dass der bereits synkarpe, 1 «griffelige und vieleckige Fruditkoten mitder kelchartigen Blütenachse vollständig zur Verwachsung gelangte, dass dadurch die Ansatzstellen der Staubblätterbis zum Rande der Blütenachse hinaufrückten und dass die Grundzahl der Blütenquirle auf 4 im Typus ein«beschränkt wurde. Diese Vorgänge sind umso wahrscheinlicher, als sie der allgemeinen Entwicklungsrichtung derWyrtiflorae entsprechen. Dazu kommt, dass der häufig oberhalb des Fruchtknotens übrig bleibende und (z. B. bei