Druckschrift 
5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
792
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Benützung namentlich der blühenden Pflanze bei Feiern kirchlicher und weltlicher Natur. Mit Lotos, Granat,blüten und dem weissen Blütenschmuck der Myrte umwanden die ägyptischen Schönen Haar und Gewandbei Festaufzügen, Festmälern, Musik und Tanz. In den grünen Zweigen, die auf Wandfliesen und VasenSängerinnen und Tänzerinnen tragen, glauben P i c k e r i n g und U n g e r Myrtenreiser zu erkennen. Gegenwärtigfristet der Strauch in Aegypten nur noch in verwilderten, sandigen Gärten des Niltales ein kümmerliches Dasein.Den alten Persern galt die Pflanze als heilig. Ihre Priester schürten die Opferfeuer mit Myrtenruten. Nacheiner altarabischen Ueberlieferung soll schon Adam einen Myrtenspross als Andenken an das paradiesischeGlück aus dem Garten Eden mitgenommen haben. Den Juden war die Myrte das Symbol des Friedens und auch dieToten erhielten Myrtenkränze. Zacharias soll bei seiner Vision den Engel, der ihm die WiederherstellungIsraels verkündete, inmitten von Myrtengebüsch gesehen haben. In den heiligen Büchern heisst es deshalb, dass dieMyrte eine immer grössere Ausbreitung gewann, um die Vision wahr zu machen. Seit der Rückkehr aus demExil wurde während des Laubhüttenfestes die quirlblätterige Form der var. Romana zu den gottesdienstlichen

Handlungen gemeinsam mit Palmenzweigen(Phoenix dactylifera), mit Ethrog>Zitronen (vgl.Bd.V, 1, pag. 65) und Tränenweidenzweigen (SälixBabylönica) verwendet. Die Zusammenstellungdieser Pflanzen bezeichnete man mit dem NamenArgang minim" und sah sie als Symbol derVereinigung von Gott mit der Kreatur an. DerCitronenbaum stellt dabei den Schöpfer selbst,die Palmenzweige (loollff) den geistigen Teilder Schöpfung, die 3-blätterige Myrte (Aboth)den Himmel und sein System und die Tränen,weide die Erde und ihre zahlreichen Bewohnervor. In der griechisch-römischen Mythologie er.scheint die Myrte als die heilige Pflanze der Aphro.dite oder Venus, die mit einem Myrtenkranze(Venus Mürtea) auf Münzen dargestellt wurdeund deren Tempel von Myrtensträuchern um.geben waren. Auch der Sohn der Göttin,Hymenaios als Gott der Ehe, und Erato, dieMuse der erotischen Poesie, wurden mit Myrtenbekränzt dargestellt. Weiter brachte man siemit Dionysos, Priapos, Apollo, Demeter undAthene in Beziehung, wie sie auch als Symbol

t . , . j t .. « ~ der Ceres und des Bacchus galt. Auch tragen

Fig. 2184. Myrtus communis L. in der Cistus-Macchie auf Corsika. °

Phot. Meta Lutz und Dr. G. Hegi, München. die eleusinischen Priester einen Myrtenkranz.

Die mit Wein übergossenen Beeren wurden alsmagenstärkendes Mittel benützt. Den Sagen zufolge soll die Myrte bald in Attika, bald zu Cythere (als Aphroditeden Meereswellen entstiegen war und keinen Schutz fand) oder auf Cypern (Verwandlung der schönen, jung,fraulichen Priesterin Myrrah durch Aphrodite in einen Myrtenbaum) entstanden sein. Aus der Myrtenrindewiederum lässt die griechische Sage den Adonis entstehen. Die Zweige und Blüten galten als das Symbolder Jugend und Schönheit, sowie der Jungfräulichkeit, worauf sich der noch bis auf den heutigen Taggepflogene Brauch zurückleitet, Myrten.Kränze am Hochzeitstage jungfräulicher Bräute zu verwenden. Auchbei anderen Festen war das Tragen von Myrtenkränzen vorgeschrieben. Warum für die Muse der lyrischenDichtkunst, Erato, die Myrte für den Lorbeer eintrat, weshalb der für den Bacchus übliche Efeukranz durcheinen solchen von Myrte ersetzt wurde, ist nach E. Goeze schwer zu ergründen. Ein eine Parallele zu denRosenwundern der Gottesmutter Maria darstellendes Myrtenwunder wird von dem um 200 n. Chr. inAlexandria und Rom lebenden Grammatiker Athenaios aus Naukratis in Aegypten mitgeteilt. Nachdiesem Berichte wurde H e r o s t r a t o s, ein im 7. Jahrhundert v. Chr. lebender Bürger von Naukratis, beiseiner Rückreise von Phaphos, wo er ein uraltes Bild der Aphrodite gekauft hatte, von einem furchtbarenSturm überrascht. In seiner Not wandte er sich hilfesuchend an die Göttin. Diese erhörte ihn und liessplötzlich auf dem Schiffe blühende Myrten erstehen. Gleichzeitig hörte der Sturm auf und Herostratoserreichte glücklich die afrikanische Küste, wo er der Göttin zum Danke ein Gastmahl gab, bei welchem jederGast einen aus Myrten geflochtenenNaukratidenkranz" erhielt. Der 550 bis 47S v. Chr. in Samos undAthen lebende ionische Dichter Anakreos spricht von mit Rosen durchflochtenen Myrtenkränzen, die manbereits zu seiner Zeit zu Ehren der Aphrodite trug. Die durchsichtigen Punkte in den Laubblättern erklärten