Druckschrift 
5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
777
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

777

Heimisch in Mexiko, im zentralen und nördlichen Südamerika und in Westindien, wird der Baum in vielenTropengebieten, namentlich in Ostindien, angebaut. Die grössten Pflanzungen finden sich auf Jamaika undBarbados, wo sie bis gegen 2000 m hoch steigen. Die Bäume sind sehr anspruchslos. Ihre Samen werden durchVögel in solchen Mengen verbreitet, dass eben erst für Piment=Pflanzungen urbar gemachtes Land sich inkürzester Zeit mit dem Jungwuchs von Pimenta officinalis überzieht. Die Droge kam 1601 nach Europa.Clusius erhielt sie durch den Drogisten Garret aus London. Dennoch bürgerte sie sich sehr langsam einund gehörte noch im 18. Jahrhundert zu den Seltenheiten. In einer alten, von V alentini (1704) überliefertenVorschrift über die Zubereitung der Schokolade wird das Piment unter der Bezeichnung Tavascen.Pfefferals Zusatz mitgenannt. Auch gegenwärtig ist der Verbrauch nicht bedeutend, so dass man dazu übergegangenist, die Pflanzungen wieder eingehen zu lassen oder die Zweige zu Spazierstöcken zu verarbeiten. Verfälschungender Droge sind nicht selten; namentlich kommen die kleineren Beeren vom Baybaum P. äcris Wight (Krön»Piment") mit 5-teiligen Kelchresten oder die grösseren dickschaligeren und weniger würzigen Beeren einerVarietät Tabäsco (= Eugenia Tabäsco G. Don.) dafür in Frage. Von der letztgenannten Sippe, demBayöl»bäume", dessen Hauptanbaugebiet auf Portoriko und auf der kleinen Insel St. John liegt, der auch in BotanischenGärten anzutreffen ist, stammen dieEchten Bay»Blätter", in denen das ätherische Bayöl, 2 bis 2,5°/o OleumMyrciae (Essence de Myrica, Oil of Bay) mit Eugenol, Myrcen, Phellandren, Chavicol, Methyl.Eugenol,Methyl-Chavicol und Citrol vorkommen. Das nelkenartige, scharf schmedeende Oel, das zumeist in St. Thomaszur Destillation kommt, findet teilweise zur Herstellung von Parfümen Verwendung, häufiger noch zurBereitung des unter dem NamenBayrum" bekannten und viel benutzten Haarstärke« und erfrischendenWaschmittels oder aber zur Verfertigung des vornehmlich als Medikament dienenden Bay=Rums. Dieser istin frischem Zustande in der Regel farblos und erhält die beliebte braune Farbe erst beim Lagern in Fässern,indem er aus deren Holze die färbenden Bestandteile aufnimmt. Die Gesamtproduktion des Bay.Rums beläuftsich jährlich auf etwa 60000 Hektoliter. Die Subtribus der Myrcfinae, mit knitterig zusammengefaltetemKeimstengelchen und ebensolchen Keimblättern, die so lang sind wie das Stämmchen, umfasst 5 wirtschaftlich wenigbedeutungsvolle Gattungen. In allen finden sich Arten mit essbaren Früchten, in der Gattung Myrceug6niaBerg z. B. die bisweilen auch in Botanischen Gärten anzutreffende M. apiculäta (DC.) Niedenzu, vonder Gattung Myrcia DC. M. Oitchi Berg, M. cuculldta Berg, M. bombyeina Kiaersk., M. ovätaCamb. und M. rubi. 11 a Camb., von der Gattung Mar 1 i6rea Camb. M. tomentösa Camb. und M. edü 1 isNiedenzu, von Calypthränthes Swartz z. B. C. variabilis Berg und C. obscüra DC., von GomiddsiaBerg G. nitida Niedenzu und G. Sellowiäna Berg. Ferner ist besonders das Holz mancher Myrceugenia»Arten seiner Festigkeit wegen zu Stellmachcreizwecken sehr geeignet. Die Rinde der westindischen Myrciacortäria (Vahl) DC. dient zum Gerben, das Holz zum Färben und die nach Zitronen duftenden Laubblätterzu Heilzwecken. Calypthränthes aromatica St. Hil. liefert in ihren Blütenknospen (Craveiro da terra)ein minderwertiges Ersatzmittel für Gewürznelken. Die Früchte dieses Baumes kommen, ebenso wie die vonC. paniculäta Ruiz et Pav. als Kronpiment in den Handel.

Von der Subtribus der Eugeniinae mit dickfleischigen Keimblättern und sehr kurzem Keimlings»stämmchen sind als bedeutungsvoller hervorzuheben: Eugenia 1 ) L. Hohe Bäume oder Sträucher mit derbenLaubblättern. Achsenbecher meist eirund bis kugelig, nicht oder nur wenig über den Fruchtknoten verlängert.Kelchblätter frei. Fruchtknoten in der Mitte des Achsenbechers, 2», sehr selten 3.fächerig. Frucht eineBeere. Diese gegenwärtig durch etwa 750 Arten bekannte Gattung bewohnt vorwiegend Südamerika undzahlreich auch Südasien, während sie in Afrika nur mit wenigen Arten vertreten ist. Als Bestandteil des Süd»asiatischen Regenwaldes spielt sie besonders in der unteren Bergstufe eine oft bedeutende Rolle underscheint dort z. T. in Gestalt mächtiger Bäume oder wie z. B. E. andina Berg als dichtes, strauchiges Unterholz.Die wichtigste ihrer Arten ist E. ca r y o p h y 11 ä t a s ) Thunb. (= E. aromatica Baill., = Jambösa Caryophyllus[Sprengl.] Niedenzu), der bekannte Gewürznelkenbaum. Fig. 217S. Bis 12 m hoher, immergrüner Baum mit dichterKrone. Blüten mit 2 schuppenförmigen Vorblättern, in endständigen, fast regelmässig 3»teiligen Schirmrispen.Achsenbecher röhrenförmig, 10 bis 14 mm lang, rot. Kelchblätter 4, 3»eckig, dick. Kronblätter 4, rundlich,weiss. Staubblätter zahlreich. Der nach Rumphius auf den Molukken, insbesondere auf der InselMatchian, ursprünglich heimische Baum gehört zu den uralten Kulturgewächsen. Er war bereits den Chinesen

*) Benannt nach dem Prinzen Eugen von Savoyen (1663 bis 1736), dem berühmten Feldherrnlr n spanischen Erbfolgekriege, der ein eifriger Förderer der Botanik war.

s ) Die Ableitung des Namens caryophyllon in der zuerst von Plinius versuchten Weise xaqiov[kärion] Nuss und (pvXXov [phyllon] = Blatt wird vielfach angezweifelt und eine Verbindung mit demIndischen gesucht, in der Annahme, dass caryophyllon ein gräcisiertes und umgedeutetes Fremdwort sei.Allerdings ist es bisher nicht gelungen, in diesem Sinne eine eindeutige und befriedigende Erklärung zu finden.Näheres vgl. A. Tschirch (Handbuch der Pharmakognosie, Bd. 1,2, pag. 1222).