775
Mittelmeerländern an und bildet durch ihr Auftreten im Westen der nördlichen gemässigten Zone das Gegenstückzu der in Japan ebenfalls weit nordwärts vorgeschobenen Rhodomyrtus tomentösa (Ait.) Wight.Der Alten und der Neuen Welt sind nur die beiden Gattungen Eugenia und Myrtus gemeinsam. Zuden grössten Gattungen der Familie gehören vor allem Eugenia mit etwa 750 Arten, Myrcia DC.,Eucalyptus L. mit 160 Arten, Syzygium Gaertn. mit 140 Arten, Psidium L. und Melaleüca L.mit je 100 Arten. Fossil kann man die Familie bis in die untere Kreide zu rück verfolgen. Ferner findet sie sichdann in den Tertiärformationen von Europa, in denen der Arktisdien Gebiete von Nordasien, sowie in denen vonNord- und Südamerika. Die Fossilien werden teils zu rezenten, teils zu neugebildeten (ausschliesslich fossilen)Gattungen gestellt. Am besten belegt ist das Vorkommen von Eucalyptus aus der mittleren Kreide vonBöhmen, Mähren und Grönland. Laubblätter von Myrtus communis und einer nahestehenden Art,M. V^neris Gaud., sind aus den quarternären Ablagerungen von Südfrankreich, Italien und Madeira bekanntgeworden. Andere Laubblätter werden als Myrtophyllum Heer bezeichnet. Unter den Fruchtrestenaus der böhmischen Kreide werden einige zu Leptospermum Forsl. gestellt, andere aus dem französischenOligozän als Tristanites Sap. und aus dem niederrheinischen Miozän als LeptospermocärpumMenz. bezeichnet.
Die Zahl der wirtschaftlich wertvollen Gattungen ist ziemlich bedeutend, wenn auch die Verwendungz. T. nur auf engere Gebiete beschränkt ist. Die Linterfamilie der Myrtoideae umfasst, wie bereits oben aus»geführt wurde, Arten mit beeren«, seltener steinfruchtartigen Früchten. Ihre Laubblatter sind stets gegenständig.Zu ihnen zählen als einzige Tribus die in 4 Subtribus zerfallenden Myrteae. Davon besitzt die durch inder Knospenlage gerade und sich beim Aufblühen plötzlich streckende Staubblätter, sowie geraden Keimlingausgezeichnete Subtribus der Orthostemöniae einzig die monotypische Gattung Orthöstemon Berg inSüdbrasilien und Uruguay, deren Vertreter ein kleiner Baum oder Strauch mit elliptisch»eiförmigen Laubblätternist und dessen ornithophile Blüten die oben angeführten 4 schneeweissen, nach Marzepan schmedeenden Krön«blätter aufweisen. — Die übrigen 3 Subtribus zeigen als gemeinsame Merkmale, fast endgültige Länge derfast stets einwärts gebogenen Staubblätter in der Knospenlage und meist gekrümmte Keimlinge. Zu denMyrtinae mit hufeisenförmig oder spiralig eingerolltem Keimling und im Verhältnis zu den in der Regelkleinen Keimblättern viel umfangreicheren Stämmchen zählen neben der Gattung Myrtus L. (vgl. pag. 789)18 Gattungen, von denen einige besonders als Beerenobst gewisse Bedeutung besitzen. Ügni 1 ) Turcz., einemyrtenähnliche Gattung der Anden bis Mexiko, mit 5 bereits in der Knospe zurückgeschlagenen Kelchblättern,5 kreisrunden Kronblättern und einfach gefächerten Beeren, besitzt als wichtigste und häufig angepflanzte ArtU. M o 1 i n a e 2 j Turcz., die „Uni" oder „Murtello" der Chilenen, die durch ihre kirschgrossen, dunkelroten,sehr wohlschmeckenden Beeren die besten Wildfrüchte des Landes hervorbringt. Auch ein magenstärkenderWein wird daraus bereitet. Die Laubblätter dieses im chilenischen Regenwalde auftretenden Strauches dienen alsTee=Ersatz (Ugni»Tee). — Auch die moosbeerenartigen Früchte zweier My r t i. o 1 a»Arten — die eine (M.microphylla [Humb., Bonpl. et Kth.] Berg) in den Anden von Chile und Peru, die andere (M. nummu»ria [Poir.] Berg) an der Magelhaenstrasse heimisch — sind essbar. Die Laubblätter der erstgenannten Artdienen wiederum als Tee=Ersatz. — Wichtiger ist die Gattung Psidium 3 ) L. Sträucher von myrtenartigerTracht. Achsenbecher meist gestreckt und mit dem Fruchtknoten verbunden. Kelchblätter verwachsen, beimAufblühen meist bis zum Staminaldiskus in einzelne Abschnitte oder unregelmässig zerreissend. Frudit«blätter (2) 4 bis 5 (7), mit parietalen Samenleisten, ohne falsche Scheidewände. Die Gattung umfasst etwa100 von Uruguay bis Westindien und Mexiko verbreitete Arten, von denen einige zu den beliebtesten tropischenObstpflanzen gehören. Am verbreitetsten ist P. Guayäva 4 ) Raddi, die Guajava, Guayabo, Goajavier, Aracpäguaeü, in Indien peyara, peru, perala, am oder amrut, in Ostafrika pera, in Westafrika goa geheissen, ein bis 8 mhoher, in den Tropen (auch im Capland) vielfach kultivierter Strauch mit buchenartigen, unterseits haarigenund starknervigen Laubblättern und roten oder gelblichweissen, birnförmigen (f. pyriferum [L.]) oder apfel«ähnlichen (f. pomiferum [L.]) Früchten. Die vollfrüchtigen Sorten sollen die besten sein. Wegen der zahl»reichen, kleinen Samen ist die Frucht roh nicht angenehm zu essen, ergibt aber gekocht zubereitet ein sehrgeschätztes Fruchtmus (Guayava=Marmelade, Guava»Gel6e), das in Blechdosen eingekocht (Guava jelly oderConserva de Guayava) nach Europa in den Handel kommt. Die Knospen, Wurzeln und Laubblätter werden
') Einheimischer Name der Gattung in Südamerika.
2 ) Benannt nach Juan Ignazio Molina, einem 1740 zu Talca in Chile geborenen Jesuiten, der alsMissionar in seiner Heimat Pflanzen sammelte und 1829 zu Bologna starb. Ruiz und Pavon benannten ihm2 u Ehren eine Galtung Molina, Schrank eine andere Molfnia Bd. I, pag. 276.
®) Griech. [psidion], ein Pflanzenname unbekannter Zugehörigkeit, der als Granatapfelschale
verdeutscht worden ist 5 die Rinde der P si d i u m = Arten hat damit gewisse Aehnlichkeit.
*) Der einheimische, im Spanischen in guyabo übergegangene Name.