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Bis zum Jahre 1900 waren von der Familie nur 4 Unterfamilien (Aquilarioideae,Phalerioideae,Thymelaeoideae und Drapetoideae) bekannt und die dadurch sdiarf umgrenzte Familie wurde vonGilg, Engler, Hyata usw. einerseits in nahe Beziehungen zu der Reihe der Myrtales, andererseits auchzu der Reihe der Parietales, insbesondere zu den Passifloraceen, gebracht. Letztere Ansicht wurde nament«lieh dadurch gestützt, dass die Thymelaeaceen und die Passifloraceen im Bau des Fruchtknotens und imBesitze eines mit Ausstülpungen versehenen Achsenbechers übereinstimmen. Als dann später (19C0) Gilgdie bis dahin bei den Flacourtiaceen oder Tiliaceen unsicher untergebrachte Gattung O c t o 1 e p i s (Unter,familie der Octolepidoideae) den Thymelaeaceen zuwies, 1905 auch die Gattung Micros£mma (Unterfamilieder Microsemmoideae) herübernahm und 1915 als neu die Gattung Synandroddphne (Unterfamilie derSynandrodaphnoideae) beschrieb, wurde der Umfang der Thymelaeaceen auf 7 Unterfamilien erweitert. Dadurchhat die Familie zwar ihre bisher angenommene scharfe Umgrenzung verloren, gestattet aber einen Einblickin ihre allmähliche phylogenetische Entwicklung. Dabei ergibt sich, dass der Achsenbecher nicht von denPassifloraceen übernommen sein kann, eine Feststellung, die durch die sero.diagnostischen Untersuchungenvon Kohz völlig bestätigt worden ist und diesen Autor veranlasst hat, die Thymelaeaceen zwischen dieSaxifragaceen und Myrtaceen zu stellen, d. h. sie als Zwischenglied der Saxifragales» und Myrticales-Stufeaufzufassen. Ueber den Verlauf der Entwicklung, der zur Entstehung dieser ersten Myrticales führte, vgl.K. Kohz (Botanisches Archiv. Bd. III, 1923).
Die ursprünglichsten Unterfamilien sind die Microsemmatoideae (mit der 4 Arten umfassendenGattung Micros6mma Oliv, auf Neu.Kaledonien) und die Octolepidoideae (mit der durch 5 bis 6Arten im tropischen Westafrika vertretenen Gattung O c t o 1 e p i s Oliv.), die beide keinerlei wirtschaftlicheBedeutung besitzen. Die Aquilarioideae mit napf«, krug., glockenförmigem oder lang zylindrischemAchsenbecher, 5 Kelchblättern, 5 ansehnlichen, einfachen oder bis zum Grunde geteilten, am Grunde oft ±hoch seitlich zu einem Ringe verwachsenen Kronblättern, mit 2 (3) Fruchtblättern und bikollateralen Leit»bündeln umfassen 4 Gattungen im indo.malayischen Gebiete und auf Neu.Guinea. Hervorzuheben ist dieGattung Aquildria L., bis 40 m hohe Bäume mit lederigen Laubblättern, von denen das wertvolle, wohl,riechende, schwere Adler«, Aloe, oder Paradiesholz, Eaglewood, Agarwood, Calämbac, Garo de Malacca,(Lignum Aloes s. agallöchi) stammt, das wahrscheinlich schon im Altertum unter dem Namen Tarum (beiPlinius) von den Sabäern aus dem Osten geholt wurde und zu Räucherzwecken, zur Herstellung vonSchmuckkästen, Schnitzereien bis zum heutigen Tage gern verwendet wird. Es soll n erster Linie von derA. Malacc^nsis Lamk. in Hinterindien und dem Malayischen Archipel, sowie von der A. Moszköwskiiin Sumatra stammen, vielleicht auch von der dem östlichen Himalaya angehörenden A. agallöcha. Zur Ver.arbeitung kommen namentlich verharzte Stöcke, die bis zu 240 kg wiegen sollen und schwarz, schwarz undgelb gestreift oder gelb gefärbt sind. Im Orient wird das Holz von altersher ausserordentlich hoch eingeschätztund mit Gold aufgewogen. Im Mittelalter gehörte es zu den kostbarsten indisch-europäischen Handelsartikelnund ist auch heute noch für den allgemeinen Gebrauch viel zu teuer. Napoleon I. liess es vielfach zur Aus.schmückung seiner Paläste verwenden. Das Aufsuchen der Stämme und ihr Fällen gilt bei den Eingeborenenfür gefährlich, da die Bäume als Sitz böser Geister gelten. — Die beiden anschliessenden Unterfamilien, diePhalerioideae (ähnlich wie die Aquilarioideae verbreitet, aber auch im südlichen und tropischen Afrikavertreten) mit den Gattungen Phal^ria Jack, und Peddi^a Harv. und die Synandrodaphnoideae(mit der in Westafrika heimischen, monotypischen Gattung Synandroddphne Gilg) spielen wirtschaftlichwiederum keine Rolle.
Die Unterfamilie der Thymelaeoideae stellt den Höhepunkt der ganzen Familie dar und istdurch etwa 500, sich auf mehr als 50 Gattungen verteilende Arten vertreten und über die ganze Erde ver.breitet. Ihre Blüten besitzen folgenden Bau s Achsenbecher stets deutlich, krug. oder becherförmig oder langzylindrisch, mit dem unteren Teile häufig am Aufbau der Frucht beteiligt. Kelchblätter 4 bis 5. Kronblättervorhanden und in verschiedener Weise ausgebildet oder stark zurückgebildet und häufig nur als kleineSchüppchen oder Höcker entwickelt oder aber oft ganz fehlend; Staubblätter meist in doppelter Zahl derKelchblätter und in 2 oder seltener in 1 Kreise, mitunter nur in gleicher oder in der halben Anzahl derKelchblätter. Fruchtblätter in der Einzahl. Leitbündel bikollateral, daneben in einzelnen Gattungen auchLeptomgruppen im Holzkörper. Die Unterfamilie zerfällt in 6 Tribus, von denen die Gnidi^ae meistBlüten mit Kronblältern besitzen, sowie Früchte, deren Exokarp dünnhäutig und von dem unteren Teile desdurch einen Querriss abfallenden, gegliederten Achsenbechers umgeben ist. Hierher gehören die beiden, zumgrössten Teile auf der südlichen Halbkugel lebenden Gattungen Gnidia L. (vgl. Fig. 2123) und StruthiolaL., erstere mit etwa 90 Arten von ihrem Massenzentrum Südafrika nach Madagaskar, dem tropischen AfrikaAbessinien und bis nach Ostindien und Ceylon ausstrahlend, letztere mit etwa 25 Arten nur auf Südafrikabeschränkt. Beide Gattungen umfassen Sträucher oder Halbsträucher von meist erieoider Tracht, Gnidiaauch Bäume mit lederartigen, breiten Laubblättern. Die Blüten sind weiss, rot oder gelb gefärbt, bei Gnidia