Druckschrift 
5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
681
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

681

abstehende Höcker in grosser Zahl die Flächen der Glieder. Es kann aber auch der Fall eintreten, dass sicham Grunde der Warzen und zwar auf deren Oberseite ein sekundärer Vegetationskegel ausbildet (Fig. 2107 b),welche Stellen dann alsAxillen" bezeichnet werden. Die Blüten gehen und zwar fast stets in der Einzahl (beiRhipsalis bis 9) aus der Mitte der Areolen oder aus deren oberen Teilen hervor, stehen also auf dem Scheitelder Warzen. Nur bei den Neomammillarien, wo sie den Axillen entstammen, sitzen sie am Gruncjfe, gewisser«massen zwischen den an der Spitze bestachelten Warzen. Die Stacheln, die in Farbe, Zahl, Grösse undForm sich ausserordentlich verschieden verhalten (öfters lassen sich 1 oder mehrere stärkere Mittelstacheln undmehrere kleinere Randstacheln unterscheiden), werden heute gewöhnlich als umgewandelte Laubblätter an«gesprochen und dementsprechend alsDornen" bezeichnet. Bei den Peireskien sitzen diese letzteren auf Kurz«trieben (Fig. 2107 c). Viele Kakteen werfen im Alter ihre Stacheln ab, so besonders viele Opuntien. Die Wider»hakenstacheln oder Glochiden, die aber nur den Opuntioideae zukommen, sind in dichten Büscheln vorhandenund finden sich gewöhnlich in Begleitung von glatten Stacheln (Fig. 2107 d). Das sind zarte, einzellige (alsoTrichome), aber ausserordentlich stark verdickte und mit nach rückwärts gerichteten Auswüchsen verseheneGebilde, die sich bei Berührung durch eine wenig verdickte, basale Trennungszone von der Unterlage leichtloslösen, in die Haut eindringen, sehr schmerzen und sogar kleine Geschwüre zu erzeugen vermögen. Ausdiesem Grunde müssen dieKaktusfeigen" vor dem Genüsse stets geschält werden. Neben den 'einzelligenweissen Filzhaaren gibt es auch kräftigere, mehr«zellige Haare, sowie lange, pferdehaarähnliche Bor.sten. Bei den Gattungen Melocactus und Cephalo«cereuskann es durch Verflachen der Rippen und Ver.grösserung der Areolen zur Ausbildung einer Woll«kappe (Cephälium), die den Eindruck einer Sammet«bürste macht, kommen. Bei anderen,greisen.haupt»artigen" Kakteen (Fig.21 IS) entsteht der gipfelständigeWollschopf dadurch, dass die lange Filzhaare tragen«den Areolen einander stark genähert sind. EinzelneArten der Gattungen Neomammillaria und Echino«cactus besitzen netzartig verzweigte Milchsaft»

Schläuche, während andere in diesen (Anhalöniumusw.) giftige Alkaloide und Glykoside enthalten.

Die meisten Wurzeln gehen nur wenig in die Tiefe,breiten sich aber unterhalb der Oberfläche nachallen Seiten flach aus. Bei eintretendem Regenfallsind diese oberflächlich streichenden Wurzeln in derLage, die Feuchtigkeit sogleich aufzunehmen undder Pflanze in kurzer Zeit zuzuführen. Dicke, rüben.förmige Wurzeln besitzen Arten der GattungenAnhalönium, Neomammillaria sowie Pterocactustuberosus (Pfeiffer) aus Argentinien (Mendoza).

Bei verschiedenen Opuntien schwellen die Seiten»wurzeln stark an. Epiphytische Formen erzeugen zahlreiche Luftwurzeln. Stecklinge (auch abgetrennte Warzen)erzeugen bekanntlich sehr leicht und rasch Adventivwurzeln. Die Bestäubung der sehr ansehnlichen, mit ge»ringen Ausnahmen zwitterigen, meist angenehm duftenden, nektarhaltigen, proterandrischen Blüten geschiehtdurch Tag» und Nachtfalter, in einzelnen Fällen (vornehmlich in der Kultur) auch durch Bienen und Fliegen,ebenso durch Vögel (Kolibris), die wahrscheinlich durch kleine in den Blüten sitzende Insekten angelockt werdendürften. Viele Arten besitzen reizbare Staubblätter, die, wie bereits Koelreuter beobachtete, sich beiBerührung nach dem Griffel hin bewegen, ohne jedoch die Narbe zu berühren. Selbstbestäubung dürfte beiverschiedenen kleinblütigen Echinocactus.Arten in Betracht kommen. Durch künstliche Bestäubung (Ueber«tragen von Pollen mittelst eines I insels auf die Narbe) hat man zahlreichekünstliche" Art-Bastarde besondersinnerhalb der Gattungen Phyllocactus und Cereus erzielt, die zu beliebten Zierpflanzen geworden sind. Aufdiesem Wege ist es auch möglich geworden, einzelneGattungsbastarde" zu erhalten, so Heliocereus specio«sus l )X Phyllocactus crenatus, Cereus (Aporocactus) flagelliformis x Phyllocactus phyllanthoides, Epiphyllum trun«catum x Selenicereus grandiflorus. Dagegen war es bis jetzt nicht möglich, Echinopsis=Arten mit Phyllocactus»

') Bekanntlich stehen diese beiden Gattungen verwandtschaftlich einander sehr nahe, weshalbGoebel eine Zusammenziehung derselben in Vorschlag brachte. Die Keimpflanzen der beiden Gattungenstimmen äusserlich fast vollständig überein

Fig. 2105. Carnegiea (Cereus) gigantea (Englm.) Britton etRose (in der Mitte) und Opuntiacylindrica (Lam.) DC. (links),kultiviert an der Riviera (la Mortola). Phot. Dr. G. Hegi, München.