206
Syrische Schriften über Alchemie — Tabula Smaragdina.
orthodoxen Elemente, sondern die heidnischen und halbheidnischen aramäischen,die sich nach Art der Ssäbier zu erhalten vermochten 1 . Zweifellos verbreitetenaber die Syrer schon frühzeitig auch persische und babylonische Gedanken inhellenistischen Kreisen 2 .
Einer erheblich späteren Zeit, nämlich der um 900 oder einer noch jüngeren,entsprang das wichtige „ Buch der Erkenntnis der Weisheit " 3 , auch „ Catjsacausarum " genannt (= Ursache der Ursachen), das Kayser übersetzte 4 .
Syrische Schriften über Alchemie.
Bereits E. Wiedemann erkannte das sehr zweifelhafte Alter der von Berthe-lot veröffentlichten Abhandlungen 5 , deren eine sogar eine arabische mit syrischenBuchstaben geschriebene sog. „Karschüni" ist, die nach Nöldeke nicht vor dem14. Jahrh. aufkamen und keine Gewähr für höheres Alter bieten. Vieles aus demInhalte scheint entlehnt aus dem Buche „Die glänzenden Edelsteine; über dieKunst der Elemente" des Al-Thugra i (1121?), u. a. die Betrachtung der unedlenMetalle als krank, aussätzig, paralytisch, die Beschreibung der farbigen Gläser,die Annahme einer Urzeugung aus verwesenden Stoffen 6 usf. Die französischeÜbersetzung durch Houdas enthält viele Lücken und ist von Mißverständnissen,Eehlern und Willkürlichkeiten erfüllt, die besonders auch die chemischen Gerätebetreffen.
Diese Mängel der Übersetzung bestätigt auch Ruska 7 . Er bemerkt ferner,daß auch ältere syrische Teile schon die Benutzung arabischer Quellen ver-muten lassen, und daß die jüngeren bis in das 16. Jahrh. hinein von den Ab-schreibern verändert und mit Zusätzen versehen worden sein mögen 8 . Wie weitüberhaupt dem Demokritos und Zosimos zugeschriebene Werke zugrunde liegen,bleibt noch zu prüfen 9 , für einige Stellen trjft die Abgabe aber zu.
T.
Tabula Smaragdina.
Der Brauch, wichtige Gesetze, Verordnungen, Berichte usf. auf „Tafeln" auf-zuzeichnen, und die Annahme, sie müßten in Gestalt solcher Aufzeichnungen vor-handen und durch sie beglaubigt sein, ist alt und weit verbreitet; von allgemeinbekannten Beispielen abgesehen, sei nur an die babylonischen Schicksalstafeln inNebukadnezabs Inschrift von Borsippa erinnert, an die „Tafeln des Zeugnisses"im „ Exodus " 10 , an die „Himmelstafeln" im späthellenistischen „ Buch der Jubi-läen " 11 und „ Buche Henoch " 12 , sowie an „Buch und Tafel der heiligen Weis-heit" bei Muhammed 13 . Auf Überlieferungen solcher Art fußt auch die demHermes 14 zugeschriebene „ Tabula Smaragdina " 15 , deren Beiname aber nichtbesagt, daß sie wirklich aus einem Smaragd bestand, dessen unmögliche Größe
1 „Tab. Smar." 38ff., 45. — 2 Ebenda 38ff.
3 Baumstark , „Geschichte der syrischen Literatur" (Bonn 1922). — 4 Straßburg 1893.
5 „Z. ang." 1921, 522. — 6 E. Wibdemann , „Naturwiss. Wschr." XV, 279 (1916).
7 „Arab. Alchemisten" I, mehrfach (Heidelberg 1924).
8 „Ber. Heidelb. Akad." 1923, 16. — 9 „Tab. Smar." 33, 39,40ff. Übersetzungsfehler:
33 u. mehrfach. — 19 XXXI, 18. — 11 V, 13; XVI, 9; XXXII, 21. — 12 XCIII, 2.
13 Horovitz , „Koranische Untersuchungen", 65 ff.
14 S. „Hermes Trismegistos". — 15 Ebenda.