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Quecksilber.
Um Beginn der Kaiserzeit war Quecksilber im römischen Reiche allerortenwohlbekannt, und P linius benennt es mit dem volkstümlichen Ausdrucke „argen-tum vivum", d. i. „lebendiges Silber", so wie er auch für magnetisiertes Eisen denVolksausdruck „ferrum vivum" (lebendiges Eisen) anführt 1 . Auch über die Ge-fährlichkeit des Metalles waren sich die Ärzte längst im klaren, und aus spät-lateinischen, die älteren griechischen vermittelnden Quellen schöpfte noch dieMönchsmedizin des 8. und 9. Jahrh. zu St. Gallen und Bamberg ihre Vorschriftenfür Gegenmittel, in denen es z. B. heißt: „Wer Quecksilber verschluckt hat, esseSpeck und trinke mit Raute und Stabwurz abgekochten Wein" 2 .
Der spätgriechischen Medizin oder der Persiens, das reich an Quecksilber ist,entnahmen auch die Araber ihre einschlägigen Lehren, so schon gegen Ende des9. und 10. Jahrh. AL -RÄzi (865—925) und A bu'l QX sim ( A bulkasis , gest. um1014 ?) 3 . Ersterer heilte u. a. einen an Darmverschluß leidenden Kranken durchEingeben von 2 Drachmen (etwa 8 g) Quecksilber 4 , was damals für eine unerhörteKühnheit galt; daß er für Quecksilber jene Namen gebraucht habe, die späterelateinische Übersetzungen durch „aqua permanens" (beständiges Wasser) wieder-geben, durch,,aqua vitae et mortis" (Wasser des Lebens und Todes), „lac virginis"(Jungfernmilch), „servus fugitivus" (flüchtiger Sklave) und „draco, qui se maritatipsum" (Drache, der sich mit sich selbst vermählt), ist durchaus ungewiß, da das„Buch von den Alaunen und Salzen", dem diese zum Teil alchemistischen Aus-drücke entnommen sind, für apokryph gilt, jedenfalls aber erst in einer vielfachumgearbeiteten und interpolierten Passung des 12. Jahrh. vorliegt 5 . Gegen ver-schiedene Hautkrankheiten verwandte Quecksilber und „giftige Präparate ausQuecksilber" bereits (als etwas sichtlich nicht mehr Neues) das „ B uch desS chatzes der M edizin ", das gegen 950 schon in Umlauf war, vielleicht abervon T habit I bn Q urba aus Harrän (835—901) herrührt und das Prototyp derin der Folgezeit „Pandekten der Medizin" genannten Kompilationen darstellt 6 ;gleichfalls zur Vertreibung von Hautkrankheiten, aber auch von Läusen, ver-schrieben Quecksilbersalben der aus Persien gebürtige Arzt I bn A l- T abari inden „Hippokratischen Behandlungen" von etwa 970 7 sowie I bn' A bu A l -M alikin seinem Kompendium von 1034 8 . Welche Mengen des kostbaren Metalles schonfrühzeitig zur Verfügung standen, erhellt aus der Tatsache, daß die Kalifen undihre hohen Beamten in Cordova, Bagdad und Kairo bereits gegen 900 mit Queck-silber gefüllte Teiche „bis zu 50 Ellen im Quadrat" anlegten, „um im Mondscheinauf dieser glitzernden Fläche angenehm zu schlafen" 9 ; über diese luxuriöse Modealter Zeiten berichtet noch A l- M akrlz I (gest. 1441) in der „Topographischen undgeschichtlichen Beschreibung Ägyptens" 10 und ist dabei der Meinung, die Ent-
1 R ommel , PW. XIV, 476.
2 Jörimann , „Frühmittelalterliche Rezeptarien" (Zürich u. Leipzig 1925). Stabwurzist Abrotanon. — 3 Bttsacca , „Arch." IV, 247 (1923). — 4 Browne , „Arabian Medicine"
(Cambridge 1921), 78. — 5 Steele , „Isis" XII, 23ff. (1929). — « Meyerhof , „Isis" XIV,
55 (1930).
? Rihab, „A. Med." XIX, 137, 139, 141 (1927). — 8 Stapleton u. Azo , „M. As . G."
(Calcutta 1905), 56.
9 Mez , „Renaissance des Islams" (Heidelberg 1922), 97. Wüstenfeld , „Die Statt-
halter von Ägypten zur Zeit der Kalifen" (Göttingen 1876), 37. — Nach Rtjska handelt es
sich wohl nur um Märchen?
10 Ubers. Boüriant u. Casanova (Paris 1895 u. 1906) III, 217, 218.