Pythagoreer — Quecksilber.
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Pythagoreer.
Die Pythagoreer, deren um 400 beginnender und alsbald rasch zunehmenderEinfluß auf das gesamte griechische Denken schon weiter oben hervorgehobenwurde (s. unter Platon ), standen, entgegen früheren Ansichten, in keinerlei Zu-sammenhang mit Ägypten 1 , besaßen hingegen vielerlei Berührungspunkte mit denOrphikern, so daß sie schon Creixzer als „reformierte Orphiker" kennzeichnete 2 .Tatsächlich verstand das beginnende 4. Jahrh. unter „Pythagoreern" Mitgliedereiner religiösen Gemeinschaft nach Art der Orphiker, die insbesondere auch an dieSeelenwanderung glaubte 3 ; maßgebend waren sie u. a. auch für das Aufkommender allegorischen Auslegung Homers und anderer älterer Schriftsteller „durchHineindeuten der modernen dynamischen Naturphilosophie" 4 . Ihre Lehre erloschnie völlig, bestand vielmehr in Unteritalien und in Alexandria noch im 2. Jahrh.v. Chr. fort 5 und erlangte in der Umgestaltung zum „Neu-Pythagoreismus" hoheBedeutung für die Entfaltung der Mystik und weiterhin auch für die der Magikund Alchemie; aus den Werken der ihnen zugehörigen Ärzte, vor allem des Alk-Maion von K rotOiV , schöpfte auch die hippokratische Medizin mancherlei Wich-tiges 8 . Noch bei Aristoteles findet sich keine scharfe Trennung zwischenPythagoreern und Piatonikern 7 .
Q.
Quart.
Über das erste Vorkommen dieses Wortes als Bezeichnung eines Flüssigkeits-maßes besteht auch jetzt noch keine Gewißheit; quarta im Sinne von 1 / 4 tauchtanscheinend nicht vor 100 n. Chr. in der juristischen Literatur auf, und zwar imSinne eines Pflichtteiles von 25%, gemäß der „lex Falcidia" auch „quarta Fal-cidia" genannt 8 .
Quecksilber.
Der Glaube, in das Ohr gegossenes Quecksilber wirke tödlich, der auf derMeinung beruht, das Ohr stehe in unmittelbarer Verbindung mit dem Gehirn unddurch dieses mit der Seele, findet sich schon um 200 v. Chr. bei Bolos von Mende(Bolos Demokritos ) 9 und erhält sich seither mit größter Beständigkeit: wirbegegnen ihm ebensowohl in der „Widerlegung aller Ketzereien" des Hippolytos(gest.230n.Chr.) 10 wie bei Michael Scotus (gegen 1245?) — bei dem Taubheitdie mindeste Folge ist 11 -—, in Marlowes „Eduard II." (1586?) 12 und in Shake-speares „Hamlet" (erste Fassung vor 1598?), in dem der alte König auf solcheWeise im Schlafe ermordet wird 13 .
1 Elbern , „A. Bei." XXI, 445 (1923).
2 „Symbolik . . (Leipzig 1836ff.) II, 590. — 3 Frank 68, 357. — 4 Ebenda 73,
87ff. 5 Wellmann , „Die Georgika des Demokritos" („Ber. Berl. Akad." 1921), 34.
6 Wellmann, „A. Med." XXII, 293, 302, 304 (1930); Senn , ebenda 285, 291, 311.
7 Frank 260.
8 Steinwenteb, PW. XII, 2351. — 9 Wellmann , „Bolos . . ." (Berlin 1928; Sonder-
abdruck), 59. — 10 Ed. Dttncker u. Schneidewin (Göttingen 1859), 95. — 11 Kantoro-
Wicz , a. a. o. 327.
12 Übers. Gelboke in „Die englische Bühne zu Shakespeares Zeit" (Leipzig 1890) I,
193. — 13 Akt I, Szene 5.