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2 (1931) Ein Lese- und Nachschlage-Buch
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177
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Queoksilber. 177

deckung des Quecksilbers sei durch einen mythischen altägyptischen König inQuft (= Koptos) erfolgt, der noch die Kunst verstand, aus ihm bergeshohe festeStatuen zu verfertigen 1 . Auch in übertragenem Sinne ist im 10. Jahrh. von Queck-silber schon die Rede, so z. B. sagt der Wesir I bn al-'Amid {gest. 971) von einemZeitgenossen:Sein Hals dreht sich wie auf einer Kugel und seine Augen rollenwie Quecksilber" 2 . Einzelne Fundstätten des Metalles waren damals über fastalle Länder des Kalifats verbreitet, u. a. gab es solche nach dem Werke des Geo-graphen Al-Bekri (verfaßt 1068) auch in Nordafrika, zwischen Tihest und dernahen Küste 3 ; die Hauptmenge aber kam aus dem arabischen Spanien, vor allemaus Almaden (al-ma c den = das Bergwerk), woselbst, wie Al-Idris! (Edrisi ) um1150 bestätigt, 10000 Mann arbeiteten, zum Teil an 500 Ellen tief in der Erde 4 .Daß der Zinnober mit dem Quecksilber in nahem Zusammenhange steht, wußtendie arabischen Alchemisten gewiß schon von Anfang an; immerhin teilt noch gegen1400 AL -lBSCHiHi in seinerAl-Mostatraf" genannten Sammlung von alten An-ekdoten, Wundergeschichten u.dgl. dieUmänderung (= Umwandlung) desQuecksilbers in Zinnober, von dem es abstammt", als eine Merkwürdigkeit mit 5 .

Aus den Kreisen der arabischen Medizin verbreitete sich die Verwendung derQuecksilberpräparate zunächst in die des südlichen Abendlandes. Schon dieCyrurgia" (Chirurgie) des Roger von Salerno , die vor 1200 verfaßt ist, heiltHautaffektionen des Gesichtes mit Quecksilbersalbe und bereitet dadurch jenenVorschriften die Bahn, mittelst derer die Salernitaner um 1200 zahlreiche Haut-krankheiten bekämpften 6 . Derlei Rezepte, die vielleicht schon um 11001150entstanden, enthält vereinzelt bereits der berühmte, zwischen 1160 und 1170niedergeschriebene salernitanische Breslauer Codex " 7 ; sehr häufig sind sieaber in den Schriften der Schule nach 1200 8 , die sich zuweilen auf die Über-setzungen aus dem Arabischen des Constantinus Africanus (gest. 1087) zu be-rufen scheinen 9 , und auch einige abergläubische Vorstellungen wiedergeben, z. B.daß Quecksilber, in einer Nußschale am Arme getragen, die Empfängnis derFrauen verhüte [wohl durch seineKälte"?]. Zur feinen Verteilung des Metallesdiente u. a. auch der Speichel, den z. B. schon dieCatholica" des sog. MagisterSalernus (gest. 1167) zumAblöschen" empfiehlt 10 .

Angesichts des so weitgehenden Einflusses der Salernitaner kann es nichtwundernehmen, daß um und nach 1250 auch viele andere südländische Gelehrteund Ärzte die heilsamen und die gefährlichen Wirkungen des Quecksilberskannten, so der bereits erwähnte Michael Scotus 11 , Agilon , dessenSummamedicinalis" (etwa 1250) ebenfalls dasAblöschen" mit Speichel empfiehlt 13 , und

I Ebenda II, 393, 685. 2 Mez , a. a. O. 97.

3Beschreibung des nördlichen Afrikas", übers, de Slane (Paris 1859), 165.

4 Mez , a. a. O. 417. 5 Übers. Rat (Paris 1899) II, 371.

6 Sudhoff ,Beiträge zur Geschichte der Chirurgie" (Leipzig 1914 u. 1919) I, 23; II,

241, 455.A. Med." XII, 133 (1920).

' Sudhoff,a . Med." xii, 133 (1920). Kilian ,Diss." (Leipzig 1920), 8. Schlen-

kermann ,Diss." (Leipzig 1921), 14.

8 de Renzi ,Collectio Salernitana" (Neapel 1852ff.) II, 189, 345, 368, 369, 450, 451,459, 610, 612, 614, 620, 621, 638; III, 319; IV, 31, 53, 71, 72.

9 Ebenda II, 368. Über die Bedeutung des Constantinus s. Sudhoff , A. Med." XXIII,

293 (1930). 10 Giacosa ,Magistri Salernitani nondum editi" (Turin 1901), 75.

ii Kantorowicz , a. a. O. 327. 12 Ed. Diepgen (Leipzig 1911), 57.

v. Lippmann, Alchemie. Band n. 12