Druckschrift 
2 (1931) Ein Lese- und Nachschlage-Buch
Entstehung
Seite
152
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

152

Naphtha.

dem hohen Ansehen der Götter 1 , doch am liebsten und angenehmsten sind ihnenihre ursprünglichen, oft barbarisch klingenden Namen, die daher durch Über-setzung in fremde Sprachen stark an Wirksamkeit und Zwangsgewalt verlieren 2 .Gerade diese ihre Eigenschaften gebieten aber Vorsicht bei der Anwendung undveranlassen noch in später Zeitdie Furcht vor dem Aussprechen wahrer Gottes-namen" 3 .

In der hellenistischen, für die Entwicklung der Alchemie maßgebenden Epochegilt der Priester als Inkarnation der Gottheit, erscheint in ihrer Kleidung undMaske und übt ihre sakralen und zauberischen Wirkungen aus 4 . Nur er kenntdiegroßen Geheimnisse", die sich allein vom Vater auf den Sohn vererben,nämlich die richtigen und wirksamen Worte, Formeln, Gebete, Zaubersprücheund Namen, die rechte Art ihrer Aussprache, die bewährten Zitate aus geoffen-barten Schriften und Werken göttlich inspirierter Verfasser,die aber genauestensund ohne die geringste Veränderung vorgetragen werden müssen", und endlichdie hierurgischen Riten, Kult- und Zauberhandlungen, die TtQögig (Praxis) 5 .Diese letztere ist völlig unentbehrlich, denn soll irgendeine magische Handlunggelingen, so nützen alle Einsichten, Bitten, Beschwörungen usf. gar nichts, wennman nicht auch versteht, sie in der rechten, erfolgbringenden Weise ins Werkzu setzen.

Für die Anschauungen der Araber erweisen sich hellenistische Einflüsse alsmaßgebend, daneben aber auch mancherlei andere; auch für sie steht es jeden-falls fest,daß der Name eine Macht ist, die alles bewirkt" 6 .

Über die meisten der oben erwähnten Vorstellungen äußert sich u. a. schonrecht eingehend der Kirchenschriftsteller O rigenes (185254), besonders auchwas dieKraft" der ursprünglichen Namen in ihrerrichtigen" (barbarischen)Aussprache, sowie ihre in dieser Gestaltzwingende Macht" gegenüber Götternwie Dämonen betrifft 7 . Manche jener Gedanken wirken noch lange in religiösenKreisen nach, so z. B. wenn die mittelalterlichen Scholastiker betonen,daßGott die Menschen ins Leben gerufen hat", oder auf die Bedeutung des Spruchesverweisen:Ich habe dich erwählt, ich habe dich bei deinem Namen gerufen,du bist mein".

Naphtha.

Das im B uche der M akkabäer " 8 erwähnte Wunder erklärt sich nachE isler aus dem Begießen der vermutlich aus gebranntem Kalk bestehendengrößeren Steine" mit etwas Wasser und dann mit Naphtha 9 ; das Wunder inder hl. Grabeskirche zu Jerusalem, das auf Fortleitung einer außerhalb des Ge-bäudes entzündeten Flamme an einem dünnen, mit Naphtha bestrichenen Drahtebis zur hl. Lampe bestand, wird bereits im 8. oder 9. Jahrh. erwähnt 10 . Immerhinwar um diese Zeit die Naphtha im Westen noch wenig bekannt, erzählt dochz. B. I bn K hordädhbeh 846, daß sich die Stadt Herakleia bei der Belagerung

1 So noch bei Philon (übers. Heinemann V, 38). 2 Ed. Meter ,Christ." II, 360.

Thorndike I, 311, 450ff. 3 Meyerhof ,Islam" VII, 327 ff. (1917).

4 Pfister , PW. XI, 2135. 5 Ebenda 2133, 2155, 2157, 2164.

6 Winkler ,Siegel und Charaktere in der muhammedanischen Zauberei" (Berlin

1930) 9ff. 7Gegen Kelsos" I, 24, 25; V, 45, 46. Üb. Kohlhofer II, 65ff.; III, 88ff.

8 II (1), 22, 31. 9Orph.-Dion." 135.

10 Ebenda.