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Bronze.
In Kreta sind zu mittelminoischer Zeit (2000—1600) bronzene Gefäße zumErsätze steinerner und auch schon vereinzelte Bronzegeräte (Beile) nachweisbar;der Stil der ersteren wird bereits durch die Keramik nachgebildet 1 . Die mykeni-schen Funde stammen hauptsächlich aus Kreta her und sind als Beutestückeanzusehen, die gelegentlich der Raubzüge nach dieser Insel heimgebracht wurden 2 .Während der spät-minoischen Periode (1600—1250) war Kreta jederzeit reichan Vasen, Bechern und Geräten, dagegen treten Waffen erst zuletzt in größererAnzahl auf 3 .
Den Indern scheint in vorgeschichtlicher Zeit Bronze unbekannt gewesen zusein 4 ; der „ Atharva -V eda " erwähnt neben Kupfer und Kupferschmieden auchErz und eherne Lanzen 5 , unter denen sehr wohl bronzene gemeint sein können.— Über das Alter der Bronze in China gehen die Ansichten auseinander; Fundein Honan förderten an 100 Gefäße aus der Zeit um 400—250 v. Chr. zutage 6 ,die früher dem 2. Jahrtausend v. Chr. zugeschriebenen Gegenstände erweisen sichaber nach Gußtechnik und charakteristischem Stil als den ersten Jahrhundertenn. Chr. angehörig und sind absichtlich mit altertümelnden Inschriften versehenworden 7 . Zur letzterwähnten Zeit war der Bronzeguß in China und auch inKorea sehr weit vorgeschritten; ein Koreaner soll 747 in Japan nach dreijährigerArbeit eine 16 m hohe und 50000 kg schwere Statue Buddhas aus verlötetenBronzeplatten hergestellt und auf das schönste schwer vergoldet haben 8 .
Erwähnenswert ist es, daß in Südamerika der Steinzeit eine reine Bronzezeitfolgte, zuerst wohl (schon vor der Herrschaft der Inkas) im südlichen Peru, späterauch im nördlichen; der Zinngehalt der Fundstücke erweist sich als sehr ver-schieden. Einige Forscher wollten die Selbständigkeit der Erfindung bezweifelnund Einflüsse von Asien oder Westafrika voraussetzen, vermochten aber keineBeweise hierfür zu erbringen 9 .
In Europa soll nach Schuchardt Bronze zuerst im Norden und in der Mittedes Erdteiles hergestellt und von da aus nach dem Osten gebracht worden sein 10 ,wobei für den Anfang vielleicht an die Verarbeitung zinnhaltiger Kupfererze zudenken wäre, z. B. in England 11 . Diese den bisherigen völlig widersprechendenAnsichten vermochten sich jedoch bisher nicht durchzusetzen, und da die Bronze-zeit in Mitteleuropa um 2400 beginnt und gegen 1200 ausklingt 12 , begegnet esauch großen Schwierigkeiten, daselbst sowie im Norden oder Nordwesten dieVorbedingungen einer metallurgischen Industrie anzunehmen. Kaum zu ver-einigen mit einer solchen Voraussetzung wäre u. a. auch die Tatsache, daß erheb-liche Gehalte an Blei (6—-14%) gerade die Erzeugnisse der jüngsten Bronzezeitkennzeichnen 13 , und daß in diesen mancherorts auch größere Zusätze von Antimonnachweisbar sind 14 .
1 Karo , PW. XI, 1758; 1791; 1759, 1780, 1782. — 2 Ebenda 1767. — 3 Ebenda 1771,
1788, 1790. — 4 Mitra , „Prehistoric India" (Caloutta 1927). — 5 Übers. Rückest 16,47.
8 Bishop , „Isis" XI, 507 (1928). — 7 J aekel (1921). — 8 Sarton , „Introduction to
the history of science" (Baltimore 1927) I, 515. — 9 N ordenskiöld im „Reichs-Anzeiger"vom 19. April 1921.
10 „Alteuropa" (Straßburg 1919) 345. — 11 Sebelien , a.a.O. — Das Vorkommen sol-
cher Erze ist bisher unerwiesen. — 12 Wieke, „M. G. M." XXII, 65 (1923); Mötefindt
„Geschichtsblätter" XI, 193 (1927). — 13 Kossinna , „Geschichtsblätter" III, 105 (1917).
— 14 Dcbekuil-Chamr.akdel , „La Touraine prehistorique" (Paris 1923).