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Babylonischer Turm.
Nach Langdon 1 und Woolley 2 steht es den neuesten Ausgrabungen gemäßunzweifelhaft fest, daß die beiden ältesten Reiche, das Nördliche der (semitischen)Akkader mit der Hauptstadt Kisch und das Südliche der (nichtsemitischen)Sumerer mit der Hauptstadt Erech, schon vor 4000 bestanden, daß also die erstenDynastien in das 5. Jahrtausend hinaufreichen. Wie die Funde auf den Fried-höfen zu Ur bezeugen, hatten z. B. die sumerische Töpfer- und Goldschmiede-kunst bereits um 3500 ganz außerordentliche Vollendung erreicht 3 , auch ist geo-metrische Töpferei schon vor 3750, Gebrauch der Schrift um 3750, und Benutzungzylindrischer Siegel 3488 nachgewiesen 4 .
Nach Ed. Meyers „Die älteste Chronologie Babyloniens, Assyriens und Ägyp-tens" 5 regierte Sargon I. 2652—2597 (anderen zufolge frühestens 2772—2717),die Erzählung von seiner Eroberung des Zinnlandes A-na-azagki (gesprochenAnaku?) ist aber erst eine weit spätere Legende 6 ; der „König" Gudea war keinselbständiger Herrscher, sondern um 2450 Patesi (wohl eine Art Priesterfürst)zu Tello (Lagasch) 7 ; das vereinigte Reich von Sumer-Akkad begründete dersumerische König Ur-Engur, 2298—2281 (frühestens 2418—2401 ) 8 ; König Ham-murapi regierte 1947—1905 (frühestens 2067—2025) 9 .
Nach Meyer gibt es über 3000 oder 3100 hinaus kein unbedingt gesichertesbabylonisches Denkmal, und die babylonische Kultur ist jünger und primitiverals die beginnende ägyptische 10 ; Woolley ist auf Grund der letzten Funde andererAnsicht und nimmt auch eine entschiedene Beeinflussung Ägyptens zur Zeitder ersten Dynastien (um 3300) durch die sumerische Kultur an 11 .
Über Religion und Literatur vgl. Ungnads „Religion der Babylonier undAssyrier" 12 und Meissners „Die babylonisch-assyrische Literatur" 13 ; ferner auchJeremias ' „Handbuch der altorientalischen Geisteskultur", 2. Aufl. 14 Betreffs dersog. Realien s. das von Ebeling und Meissner herausgegebene „Real-Lexiconder Assyriologie" 15 .
Babylonischer Turm.
Die Deutung der Tempeltürme (Zikkurat) als künstlicher Berge, die den Thronder Gottheit darstellen, z. B. den des Sonnengottes, der den Himmelsschlüssel inder Rechten hält, ist nach Herzeeld fraglich 16 , wenngleich sie sich bis in späteZeit erhielt, wie denn z. B. noch Iosephus (gegen 100 n. Chr.) die Erzählungwiedergibt, die Anlage nächst dem Palaste Nebukadnezars (605—561) sei „mitBäumen bepflanzt und vom Ansehen natürlicher Berge gewesen" 17 . Ein Tempel-turm bestand schon vor Sargon I., zu Beginn des 3. Jahrtausends, und um dessenMitte erbaute Gudea ein „Haus der 7 Zonen, das in die Höhe hinaufragt" 18 .Auch der sog. babylonische Turm hatte 7 Stockwerke 19 , aber allgemein war dieseZahl nicht; so z. B. gab es einen 5stufigen „Weltenberg" des GewittergottesHadad , auf den noch diemithrischeKlimax zurückgehen soll 20 . Die älteste Form
1 „Isis" V, 263 (1923); „M. G. M." XXII, 269 (1923).
2 a. a. 0. 21 ff.: chronologische Tabellen. — 3 Woolley , a. a. O. 29, 34, 109ff.
4 Langdon , a. a. O. — 6 Stuttgart 1925. — 6 Ebenda 23, 33. — 7 Ebenda 32.
8 Ebenda 30; Langdon nimmt 2474 als Jahr der Reichsgründung an (a. a. 0.).
9 Ed. Meyer , a. a. 0. 25. — 10 Ebenda 35, 39. — 11 Woolley , a. a. O. 110.
12 Jena 1921. — 13 Potsdam 1927. — 14 Berlin 1929. — 15 Berlin 1929ff.
16 „Islam" XII, 241. — 17 „Streitschrift gegen Apion" 1,19. ■ — 18 Meissner , „Babylonien
und Assyrien" I, 25. — 19 Ebenda I, 310ff. — 20 Eisler , „Weltenmantel" 61, 300.