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Astrologie.
Astrologie verliehen 1 . — Aus dem Arabischen wurde auch für König A lfons X.im Jahre 1259 das „ L ibro de las C ruces " übersetzt, das erste in spanischer(und wohl überhaupt in einer neueuropäischen) Sprache abgefaßte, sehr ausführ-liche Handbuch der Astrologie 2 .
Die Kirche bekämpfte zwar anfangs die Astrologie — T ertullianits (gest.220) lehrte, Gott habe sie nur bis zu Christi Geburt zugelassen 3 —, erkannte diesaber bald als fruchtlos und suchte sich daher mit ihr abzufinden: es zeigte sicheben als unmöglich, mit Erfolg einem Aberglauben entgegenzutreten, der alleVerhältnisse beherrschte, von den wichtigsten Staatsangelegenheiten an bis herabzum Schneiden von Haar, Bart und Nägeln 4 . Auch die Neuzeit brachte hierinzunächst keinen Wandel 5 ; L eo X. stellte an der päpstlichen Universität zu Romeinen Professor der Astrologie an, damit sie nicht hinter vielen anderen zurück-stehe, M elanchthon las über sie in Wittenberg (während L utheb sie verwarf),und äußert sich in der Vorrede zu seiner Ausgabe des „Tetrabiblos" von P tole-maios (1553) mit den sehr charakteristischen Worten: „Eines steht fest: wert-voll und wahrhaftig ist diese Wissenschaft der Astrologie, eine Krone desMenschengeschlechtes und durch ihre ganze ehrwürdige Weisheit ein ZeichenGottes." 6 K epler (1571—1631) glaubte unbedingt an sie, an die Macht derPlaneten und das Zutreffen der Horoskope, verteidigte sie „als Unparteiischer"gegenüber gewissen Angriffen 7 , verwarf aber ihre Auswüchse als „häßliche aber-gläubische Wahngebilde . . . von einfältiger Art. . . derer Sterngucker und Stern-deuter" 8 ; als eine gewisse Entschuldigung seiner einschlägigen Tätigkeit führt eran: „und sind sonderbar der Mathematicorum [= der Astronomen] Salaria [Ge-halte] so seltsam und gering, daß die Mutter Hunger leiden müßte, wann die Toch-ter nichts erwürbe" 9 . — Selbst für die Kurse der Amsterdamer Börse war im16. Jahrh. die Astrologie noch maßgebend 10 , ja sogar N ewton beantwortete beiseiner Immatrikulation in Cambridge (1660) die übliche Frage, was er zu studierenvorhabe, mit den Worten „Mathematik, denn ich plane eine scharfe Prüfungder Astrologie" 11 .
Nach einer Pause von über 2 Jahrhunderten begann seit etwa 1900, besondersaber seit dem Weltkriege, zugleich mit Mystik und Okkultismus auch die Astro-logie in einem Umfange wieder aufzuleben, den wohl niemand für denkbar er-achtet hätte. Abgesehen von zahlreichen kleineren Einzelschriften gibt es derzeiteine Flut von Lehrbüchern, Jahrbüchern, Kalendern usf. 12 , von „Blättern", „Mit-teilungen", ja ganzen „Bibliotheken" von 10 und mehr Bänden; nicht selten be-rufen sich die Verfasser, sehr mit Unrecht, auf rein wissenschaftliche Werke wie
I Ritter , „Islam" XV, 112 (1925); „Beihefte" V, 27, 50; 34. — 2 Perez , „Isis" XIV,
77 (1930).
3 Stemplinger „Antiker Aberglaube" (Leipzig 1922) 97. — Wohl mit Rücksicht aufden Stern von Bethlehem ( Ruska).
4 Hauber , „Planetenkinder und Sternbilder" (Straßburg 1916) 233; „H. D. A."
(Leipzig 1927) I, 105.— 5 Stemplinger , a. a. O. 98ff. — 6 Übers. Winkel (Berlin 1923)
II, Vorr. 9. — 7 „Harmonices Mundi" (Linz 1619). Auszugsweise Üb. von Harburger
(Leipzig 1925) 27, 156ff., 198ff., 311). Vgl. Herz , „Keplers Astrologie" (Wien 1895).
8 Harburger , a. a. O. 27, 190, 172. — 9 Ebenda 27.
10 Ehrenberg , „Zeitalter der Fugger" (Jena 1923) II, 15.
II Dampier-Whetham, „A history of seience" (Cambridge 1929) 163.
12 Vgl. z. B. „M. G. M." XXVI, 39 (1927).