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Das alte Ägypten kennt zwar seit jeher gewisse Verbindungen zwischen Ge-stirnen und Gottheiten, nicht aber eigentlich astrologische Gedanken, die viel-mehr erst in hellenistischer Zeit Eingang finden 1 ; sehr viel jüngeren Datums, alsman noch vor kurzem annahm, sind auch die Beeinflussungen Chinas und Indiens,wo mehrere der ausführlichen Werke erst zu später, mittelalterlicher Epocheniedergeschrieben wurden 2 .
Durch Vermittelung der Hettiter gelangten die babylonischen Lehren von denSternen, Sternbildern und ihrer Bedeutung zu den Griechen 3 , bei denen sie aber,solange echt griechischer Sinn waltete, stets eine ausgesprochen „fremde Pflanze"blieben 4 . Wirkliche Bedeutung, die rasch zunahm und schließlich allgemeinwurde, erlangte sie erst nach dem Tode Alexanders des Grossen infolge dergeradezu endlosen Kriege der Diadochen, die einen furchtbaren politischen undwirtschaftlichen Niedergang herbeiführten. Die andauernde entsetzliche Not destäglichen Daseins bewirkte die Auferstehung jener alten orphischen Lehre, dergemäß der Körper der Strafaufenthalt der Seele für früheren Sündenfall ist; seineMaterie, die v'/.i] (Hyle), verschmolz mit dem y.ay.öv [kakön], dem Schlechten,der moralischen Schuld, und so zeitigte sie hoffnungslose Resignation und mitihr den Glauben, die Geschicke des Menschen seien durch das starre Gesetz derHoimarmcne oder Anänke, der eisernen Notwendigkeit, ebenso bestimmt und un-vermeidbar festgelegt wie die Bewegungen der Gestirne und ihre Stellungen amFirmament. Hierdurch wurde der Ruf nach Erlösung von diesem unerbittlichenund unentrinnbaren Zwange zur treibenden Kraft der hellenistischen Religions-entwicklung 5 , und diese Verhältnisse mußten natürlich die Uberzeugung von denEinflüssen der Sterne und das Bestreben, diese im einzelnen zu ermitteln und zuverfolgen, in hohem Grade festigen und begünstigen. Hieraus erklärt sich dieEntstehung einer spätgriechischen astrologischen Literatur von kaum glaublichemUmfange: die bloße Beschreibung der bis auf uns gekommenen Handschriftenfüllt bereits 11 Bände des seit 1898 erscheinenden ausgezeichneten Sammelwerkes„Catalogtts codicum astrlogicorum graecorttm" 6 .
In den Ländern des Islams gehen die astrologischen Ideen und Darstellungenvorwiegend auf das babylonische Altertum zurück, treten aber zumeist in helle-nistischer Umbildung auf, die die Araber zuerst durch persische Vermittelungkennengelernt haben dürften 7 . Verbreitung und Einfluß waren auch bei diesenVölkern allgemein und machen sich in allen Kreisen bemerklich; erinnert sei z. B.an den persischen Dichter Nizämi (gest. 1198), dessen „Heft Peikar" die astro-logische Bedeutung der 7 Klimate, Legenden, Schlösser, Frauen, Kleidungen usf.ausführlich auseinandersetzt 8 und von einer Prinzessin sagt: „Venus hat sie mitmerkurischer Milch gesäugt", d. h. ihr Schönheit sowie Kenntnis der Magie und
1 E kmah u. R anke , a. a. O. 397; A. W iedemann , a. a. 0. 409.
2 N egelein , „Indische Mantik", im „A. Rel." XXVI, 241 (1928).
3 U ngnad , „Zeitschr. d. Deutschen Morgenländischen Ges." 1923, 81.
4 Heibebg , „Geschichte der Medizin und Naturwissenschaft im Altertum" (München
1925) 63 ff.
5 L atte , „A. Rel." XX, 289, 291, 297 (1922). Vgl. E isler , „Weltenmantel" 502.
6 Brüssel 1898ff. — ' R uska, „A. Nat." XI, 264 (1919), H ekzfeld , „Islam" XI, 154
(1921).
8 Vgl. H onigmakst , „Die sieben Klimata" (Heidelberg 1929): Absatz über antike undmittelalterliche Astrologie.