Apollonios von Tyana.
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Apollonios von Tyana (Baiinas).
Dieser um 90 n. Chr. verstorbene Schriftsteller, Philosoph und Weltverbessererin angeblich altpythagoreischem Sinne machte (vielleicht durch seine Persönlich-keit) bei der Mitwelt ungewöhnlichen Eindruck, der sich weiterhin noch steigerte,namentlich infolge der romanhaften Biographie, die Philostratos um 220 n. Chr.verfaßte; er galt damals schon für einen Wundertäter und Religionsstifter, undals solchen ehrte ihn Kaiser Severus Alexander (222—235), indem er seineStatue neben denen von Adam, Orpheus und Christus in einem Tempel auf-stellen ließ 1 .
An die Schrift des Philostratos knüpfte sich eine umfangreiche Literatur,namentlich im Orient 2 , in dem sich Apollonios unter dem Namen Bali n Äs einesfrühzeitigen und rasch zunehmenden Ansehens als Zauberer, Geisterbeschwörer,Magier, Herr der Talismane usf. erfreute 3 ; ein arabischer Text der „ TabulaSmaragdina" (s . diese), der bei Dschäbir (s . diesen) erhalten ist, beruft sichauf Balinäs 4 und läßt erkennen, daß ihm schon vor 800 magische und astro-logische Werke zugeschrieben wurden 5 , deren eines, die „ Talismane für syrischeStädte ", unverkennbar auf griechische Quellen zurückgeht 6 . Man rühmte ihnferner als Übersetzer des von Hermes herrührenden Buches „Ursachen derDinge" 7 , das in Wirklichkeit zwischen 500 und 750 entstanden sein dürfte 8 , underzählte, daß er es in einer Geheimkammer seines Grabes entdeckt habe 9 . Weiterederartige Berichte stammen aus der Zeit des Kalifen Al-Mu c tasim (833—842):damals fand er das von Hermes verfaßte und sorgfältig versteckte „Buch desSchatzes Alexanders des Großen" und übergab es dem Aristoteles 10 , ebensodas „Buch der Enthüllung der Wissenschaft des Kaf" [Käf = Buchstabe K: Kimijä,Alchemie], geschrieben in syrischer Sprache von Hermes , und übersetzt, zugleichmit der „ Tafel des Hermes ", der „ Tabula Smaragdina ", von dem weisenPriester SÄGiJÜsausNabulüs 11 . Bei Al-Th'älib !, der seine „Geschichte der persi-schen Könige" um 1010 abschloß, steht Balinäs zusammen mit den ersten grie-chischen Philosophen an der Leiche Alexanders des Grossen zu Babylon 12 , undder große persische Dichter Nizämi (gest. 1198) zählt ihn sogar unter den 7 Wei-sen auf 13 .
Mittelalterliche Erwähnungen des Balinas, Belinas, Balinus u . dgl., z. B. ineinem dem Albertus Magnus untergeschobenen Werke, gehen vielleicht auf diebei Al-RäzI zurück 14 , sowie auf die in den lateinischen Übersetzungen aus demArabischen.
1 Burckhardt , „Zeitalter Konstantins des Großen" (Leipzig 1898) 191.
2 Ruska , „Tabula Smaragdina" (Heidelberg 1926) 164, 166. — 3 Ebenda 107, 136, 165.
4 Ebenda 120ff. — 5 Belege, u. a. mit einem Anklänge an den Spruch „Die Natur
erfreut sich der Natur . . ebenda 121 ff., 123; noch aus dem „Steinbuche" des TIfäschi
(gest. 1253) sind solche nachzuweisen (ebenda 151). — 6 Ebenda 99ff.
7 Ebenda 125, 135, 147ff. — 8 Ebenda 166; die Abschrift einer Vorlage von 1001 be-
findet sich in Gotha (ebenda 127ff.). — 9 Ebenda 139. — 10 Ebenda 68ff., 75ff.
11 Ebenda 78, 109,113ff.; ein Manuskript von etwa 1200 befindet sich in Beirut (ebenda
Hl, 124). — 12 Übers. Zotenberg (Paris 1900) 450ff. — 13 Horn , „Geschichte der persischen
Literatur" (Leipzig 1909) 186.
14 Wellmann , „Physiologos" (Leipzig 1930) 20,103. Auch Ibn Al-Baitär (gest. 1248)
gedenkt des Balinäs in seinem Werke über die Drogen.