42
Apokryphen — Apollon.
solchem Zwecke 1 . Von ihnen wieder ging der Gebrauch zu den dem Islam unter-worfenen Ländern über und erhielt sich dort mit großer Beharrlichkeit; inKonstantinopel verzeichnet 1648 ein türkischer Chronist 100 Händler, und aufden Straßen und in den Basaren Kairos wird noch jetzt „Kühl, herrlicher!",d. i. feinstes Pulver von Spießglanz, von den Verkäufern ausgerufen 2 .
Die Schriften der Salernitaner sprechen öfters von Antimonium, sowohl ältere,wie die des „ Breslauer Kodex " 3 , als auch jüngere, z. B. die als „Alphita"bekannte umfangreiche Liste 4 , in der Stibi zu Stibeus wird. Autoren, die viel-fach auch aus salernitanischen Quellen schöpften, behielten den Ausdruck Anti-monium bei, so u. a. Petrocellus (12. Jahrh.), in dessen mittelenglischemRezeptbuch es zur Bereitung eines „Weihwassers" gegen Epilepsie dient 6 , undder etwas spätere mittelenglische Arzt Johannes de Burgundia 6 . Doch findetsich das Wort auch in anderen Handschriften, z. B. in dem oben erwähnten„Liber claritatis" 7 .
In späteren Zeiten geriet, wohl unter dem Einflüsse von Gegnern des Para-celstjs , das Mittel in Verdacht, ja galt sogar als giftig; so z. B. sagt Ben Jonson(1573—1637?) im „Volpone": „Er ist imstande, mit einem Quentchen Anti-monium . . . wöchentlich 20 Menschen wie nichts aus der Welt zu schaffen" 8 .
Das metallische Antimon, das durch Reduktion des Spießglanzes sehr leichtzu gewinnen ist, war schon vor der Zeit des babylonischen Königs Sargon I.(um 2850 v. Chr.) wohlbekannt; ein großer, aus diesem Metall angefertigter Napfist aus der Epoche des Königs Gudea (um 2600) erhalten 9 .
Apokryphen (neutestamentliche).
Von diesem, auch für die Entwicklung der Geheimwissenschaften u. dgl. sehrwichtigen Werke erschien eine neue, vielfach bereicherte Auflage, herausgegebenvon Hennecke 10 , auf deren Einzelheiten jedoch an dieser Stelle nicht eingegangenwerden kann.
Apollon.
Dieser Gott war ursprünglich ein solcher der Inselwelt, besonders der Kykladen(Delos) und Kretas, und erst später wurde sein Kult nach dem Parnaß übertragenund auch mit dem örtlicher Orakel-Gottheiten vereinigt; durch Identifikation mitGöttern der Lykier und Dorer erlangte er ferner die Bedeutung eines Herden-gottes, daher erhielt er u. a. den Steinpfahl zum Wahrzeichen, der die richtigenWege anzeigt 11 .
1 E. Wiedemann, „lippmann -Festschrift" 50.
2 Meyerhof , „Der Basar der Drogen und Wohlgerüche in Kairo" (Weimar 1918) 32;
208ff., 215. Littmann , „Islam" X, 220.
3 Hiersemann , „Diss." (Leipzig 1921) 10. — 4 Bd. Mowat (Oxford 1887) 175.
5 Thorndike I, 735.
6 Schöffler , „Beiträge zur mittelenglischen Medizinliteratur" (Halle 1919), 230;derselbe (München 1927), 7. — Was die in englischen Handschriften als „Stibi" erwähnte,schöne weiße, aber unbeständige, aus Bleiweiß und Zutaten(?) gewonnene Farbe war, steht
dahin; vgl. Singer , „M. A. G." (Brüssel 1930) II, 610.
7 „Arch." IX, 77 (1928). — 8 Übers. Gelbcke : „Die englische Bühne zu Shakespeares
Zeit" (Leipzig 1890) I, 243. — 9 Meissner , a. a. O. I, 265, 266, 347.
10 Tübingen 1924; vgl. „A. Rel." XXIV, 154 (1920).
11 Ed. Meyer , „Geschichte des Altertums" (Stuttgart 1928) II (1), 285.