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5,1 (1925) Dicotyledones : (III. Teil)
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nicht durch Anpassung an äussere Verhältnisse entstanden; sie sind früher angelegt als die chasmogamen,entwickeln sich dann aber langsamer, so dass sie erst nach den chasmogamen zum Vorschein kommen. DieEntwicklungshemmung betrifft vorzugsweise nur Blütenhüllen, lässt aber die Geschlechtsorgane noch bis zurFunktionsreife gelangen. W. Becker äussert sich hierüber folgendermassen: ,1. Mangelhafte Beleuchtungist der Bildung und Entfaltung der chasmogamen Blüten hinderlich. V. hirta und V. silvestris blühen anlichten Orten auffallend voller als im schattigen Walde. 2. V. mi'rabilis, an denselben lichten Orten (aufsteinigen Muschelkalkböden) in grosser Zahl angetroffen, zeigte äusserst wenige chasmogame grundständigeBlüten und diese nicht in völlig gesunder Form. Da sie im Verein mit zahlreichen V. silvestris auftrat undkeine Hybriden zu konstatieren waren, ist anzunehmen, dass seit einer Reihe von Jahren oder auch seit jeherdie Bildung und Entfaltung offener Blüten unterblieb. In diesem Falle mögen die ungünstigen Ernährungs»bedingungen die Bildung chasmogamer Blüten unterdrücken. 3. Wichtig ist Goebels zweiter Versuch mitV. odorata. Es ist anzunehmen, dass die Anlagen für die chasmogamen und kleistogamen Blüten ursprünglichdieselben sind und dieselben Entwicklungsmöglichkeiten besitzen. Die volle Entwicklung bis zur offenen Blütewird aber inhibiert, sobald die Entwicklung der vegetativen Organe eintritt. Für die Richtigkeit dieser Erklärungspricht auch das Auftreten von Miltelformen zwischen den beiden Extremen. An schattigen Orten kommtnur eine geringe Zahl von Blüten zur vollen Entwicklung oder offene Blüten fallen ganz aus, weil die Pflanzendort die vegetativen Organe in grösseren Dimensionen entwickeln. Dass Violenbastarde zuweilen nicht blühen,hängt vielleicht auch mit ihrer auffallenden vegetativen Ueppigkeit zusammen."

Nicht alle Violenbastarde zeichnen sich übrigens durch besonders üppige vegetative Vermehrungund Sterilität aus, sondern viele sind normal fruchtbar und daher meist fürnichthybride" oderirrelevante"Zwischenformen gehalten worden. Moderne genetische Untersuchungen liegen bisher nur vor über die nord-amerikanischen Veilchen von Ezra Brainerd (in Rhodora Bd. VI, 1904, ferner in Bull. 224 of the VermontAgricultural Experiment Station 1921), der 75 Arten und 89 Bastarde unterscheidet, sowie über V. tricolor(pag. 599) von Clausen und Kristofersson.

Die Verbreitung der Veilchen geschieht auf mannigfaltige Weise. Eigentliche Ausläufer bilden nurdie Acaules flagellatae (V. sepincola, V. alba, V. odorata) und Cordatae (V. palustris, V. uliginosa), Wurzelsprosseauch V. hirta und V. collina. Die Samen werden bei den meisten Arten auf mindestens zweifache Weise verbreitet.

Zunächst zeigen die Kapseln aller unserer Artenmit Ausnahme der Acaules eflagellatae und A.flagellatae einen hochentwickelten Schleuder«mechanismus, der von F. Hildebrand (DieSchleuderfrüchte und ihr im anatomischen Baubegründeter Mechanismus. Pringsheims Jahrb. fürwissenschaftl. Botanik. Bd. IX, 1S74) beschriebenworden ist. Die Fruchtklappen zeigen folgendenBau (Fig. 2049 a) s aussen 5 oder 6 Lagen(höchstens die Hälfte der Wanddicke einnehmend)etwas quergestreckter, dünnwandiger, chloro«plastenführender Parenchymzellen. An dieseSchicht legt sich nach innen am äusseren Teileder Flügel eine Schicht von mehreren Reihenlängsgestreckter, verdickter, geporter Zellen, aufwelche zuinnerst eine Lage gleicher, aber horx«zontal gestreckter Zellen folgt. Im mittleren,wulstigen Klappenteil liegen unter dem dünnenAssimilationsgewebe längliche, geporte Zellen,deren Längswände bogenförmig angeordnet sind.Zuinnerst befindet sich die aus ganz dünnwandigenZellen gebildete, etwas hervortretende Plazenta,deren Gewebe sich auch nach rechts und linksauf die Innenseite der Klappe erstrecken. Dieseszieht sich nun beim Eintrocknen der reifen Fruchtstark zusammen und verursacht in Verbindungmit den bogig angeordneten Zellen das Zusammen«klappen der Karpelle. Bevor sich diese durch 3 Längsrisse trennen, richtet sich die anfangs nickendeFrucht auf (vgl. über diese Postflorationsbewegungen K. Troll in Flora. Bd. CXV, 1922, pag. 353ff.).Hernach breiten sich die kahnförmig zusammengefalteten Fruchtklappen horizontal aus (Taf. 185, Fig. 5 a).

Fig. 2049. Querschnitt durch die Kapselwand a von einer Schleuder-früchtigen Viola (V. elatiorFries) und b von einer myrmekochorenArt (V. sepincola Jord«), jene mit stark entwickeltem, diese mit redu-ziertem mechanischem Gewebe (nach R. Sernander).