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23% des Trockengewichts. Daneben ist aber auch Carotin reichlich vorhanden. Der violette Farbstoff, dasViolanin, ist ein ähnliches Glukosid des Delphinidins, das sich auch in den Blütenfarbstoffen von Delphinium,Petunia, Malva, Althaea usw. und in den Fruchtfarbstoffen von Vitis, Vaccinium u. a. vorfindet. Nach R.Willstätter und J. Weil (Annalen der Chemie. Bd. CCCCXII, 1916) macht es bis zu '/ a des Trocken»gewichts der Krone dunkelblaublühender Gartenstiefmütterchen (Sorten Mohrenkönig und Othello) aus. Dasätherische Oel der Veilchenblüten soll grösstenteils aus Salicylmethylester bestehen, der eigentliche Veilchen»geruch hingegen auf gewissen Ketonen beruhen, wahrscheinlich a» und ß«Iron (CnHiiO) und «. und /Monon,die aber bisher nicht aus Veilchenblüten, sondern nur aus der „Veilchenwurzel" von Iris Florentina undI. pallida und auf synthetischem Weg aus Citral dargestellt worden sind. In Südfrankreich (besonders umGrasse, dem Flauptsitz der Parfümfabrikation) und an der Riviera kultiviert man die Veilchen im Grossen undzwar eine zartblaue, gefüllte Abart von Viola odorata, das sog. .Parmaveilchen", zur Bereitung des Veilchen«parfüms und der Veilchenpomade. Da die Blüten zu dieser Verwendung nicht nass sein dürfen, werden sieerst nach dem Verschwinden des Taues, doch bevor die Sonne stärker einwirkt, gepflückt. Hierauf kommensie sofort (wenigstens beim .Mazerationsverfahren") in die Fabrik, wo sie in sehr gut gereinigtes, auf 40 bis50° C erwärmtes und flüssig gehaltenes Fett geschüttet werden. Nach einigen Stunden wird das Fett vonden Veilchenblüten abfiltriert und mit frischen Blüten bis zur erforderlichen Sättigung versetzt. DieserVeilchenpomade kann dann der Duft durch Weingeist oder durch sehr gut gereinigten, geruchlosen Korn,branntwein vermittelst Durchschütteln entzogen werden. Daneben wendet man für die Gewinnung des Riechstoffesauch das kalte Verfahren oder die Extraktion mittelst Petroläther an. Das künstlich erzeugte „Ionon" bedarfzu seiner vollen Entfaltung stets einen Zusatz des natürlichen Produktes. Das nach Veilchen duftende.Veilchenholz" der südaustralischen Acäcia homalophylla (Victoria Myall), ebenso der .Veilchenstein"(Trentepöhlia [= Chrool^pus] iolithus) und die „Veilchenwurzel" von Iris Florentina und I. pallida haben mitden Veilchen nur den Duft gemeinsam.
Die Blütenstiele entsprechen wahrscheinlich ursprünglich Blütenständen, die beiden, meist starkrückgebildeten Vorblätter den paarweise verschmolzenen Nebenblättern zweier Laubblätter (Glück), vondenen ausnahmsweise auch Spreitenteile gebildet werden, in seltenen Fällen sogar zu Blüten auswachsendeAchselknospen. Die Nervatur der Kronblätter lässt sich nach Glück auf diejenige der Laubblätter zurück»führen. — Das Nicken der Blüten ist geotropisch bedingt (Vöchting). Die Entwicklung des Pollens unddes Embryosackes, den Befruchtungsvorgang und die Embryobildung hat Mary C. Bliss (in Annais of Bot.Bd. XXVI, 1912) bei V. odorata, V. cucullata und anderen amerikanischen Arten untersucht. Der Pollen istim allgemeinen „quercoid", d. h. die Mikrosporen sind denen von Quercus sehr ähnlich. — Die Blüten»einrichtung ist nach den Untergattungen und Sektionen verschieden. Bei Melanium scheinen nur chasmogameBlüten vorzukommen, die für kleistogam gehaltenen mancher tricolor.Formen weichen nach W i 11 r o c k u. a.lediglich durch die reduzierte Krone von den normalen ab. Schon Kern er beobachtete bei den Melanium»Arten nyktinastische Krümmungen des Blütenstiels, und nach W i 11 r o c k führen auch die Kronblätter währendder ersten Nächte der Anthese Vorwärts« und Einwärtsbewegungen aus. Kern er u. a. wollten darin einenSchutz gegen Wärmestrahlung sehen. — Der sehr eigenartige, vom Fruchtknoten durch eine Art Gelenkabgesetzte Narbenkopf (Styluskopf, Röhrennarbe) ist vielfach unrichtig beschrieben worden. Die Narbenöffnungist ungewöhnlich weit und von Schleim erfüllt, der bei Druckwirkung austritt und Pollen aufnehmen kann.Die bei den Melanium»Arten unter der Oeffnung sitzende „Lippe" (nach Goebel der Rest einer verkümmerteneigentlichen Narbe, als Labeilum schon von G i n gi n s beschrieben) ist nach W i 11 r o c k und Goebel (Organo»graphie 2. Aufl. Bd. III, pag. 1642) nicht, wie Hildebrand, H. Müller u. a. geglaubt hatten, eine bewegliche,sich bei Insektenbesuch vor die Narbenöffnung legende und so Selbstbestäubung verhindernde Klappe, sondernein fächerförmiges, ziemlich starres Büschel von Epidermispapillen. R. L a n g e (Ber. Deutsch. Botan. Gesellschaft.Bd. XXXI, 1913, pag. 268/273) hat die Entwicklungsgeschichte der Lippe von V. tricolor untersucht und dieAngabe von C o r r e n s bestätigt, dass die Lippe Pollenkörner von Insektenrüsseln abstreifen kann und ihnendurch Verschleimung einiger der stark kutinisierten Papillen ein Keimbett bietet. — Ebenfalls durch langeEpidermispapillen werden auch bei vielen Melanium» und Nomimium«Arten teils nur auf dem Spornblatt, teilsauch auf den seitlichen Kronblättern bürstenförmige Besätze gebildet. Bei den Melanium«Arten bilden sie aufdem Spornblatt eine offene oder i geschlossene „Pollenkammer", die den Pollen aufnimmt und den Besuchernvon unten darbietet. Wo sie ganz fehlt, wie bei den meisten Nomimium«Arten und der ganz kahlen Krone vonV. biflora, wird der Pollen nur direkt aus den Antheren ausgestreut. Die Staubbeutel werden durch ineinandergreifende Haarbildungen mit ziemlich festen Nähten verbunden, weshalb L i n n 6 zunächst die Gattung in seine19. Klasse (Syngenesia) gestellt hat (vgl. Falck, K. in Svensk. Botan. Tidskrift 1910). Der Bürstenbesatz derbeiden seitlichen Kronblätter wirkt als Pollendach und Anflugplatz. Der Zugang zum Sporn wird durch einenbei den Melanium«Arten meist gelben, bei den Nomimium«Arten weissen Honigfleck am Grunde des Spornblattesund ausserdem auch meist durch ± violette bis schwärzliche Honigstriche auf diesem und den beiden seitlichen