Druckschrift 
5,1 (1925) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
586
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

frei, hypogyn, ungleich; das vordere meist grösser und von den anderen verschieden, amGrunde ausgesackt oder gespornt. Staubblätter 5, mit den Kronblättern abwechselnd, um denFruchtknoten einen Zylinder bildend. Staubfäden sehr kurz; Antheren aufrecht, auf derInnenseite mit zwei Längsrissen aufspringend, mit schuppenförmig verlängertem Konnektiv.Fruchtknoten 1 »fächerig, sitzend, kugelig oder ellipsoidisch, in der Regel aus 3 (seltener aus 2bezw. 4 bis 5) Fruchtblättern gebildet, mit wandständigen Plazenten und meist zahlreichen,anatropen Samenanlagen. Griffel endständig, oberwärts oft verdickt und S=förmig gekrümmt;Narbe einfach, sehr verschieden gestaltet. Frucht eine häutige, lederartige, seltener holzige,fachspaltig mit 3 Klappen elastisch aufspringende Kapsel, seltener eine Beere (Hymenanthera,Gloeospermum, Leönia). Samen sitzend oder mit kurzem Funikulus; Nährgewebe gewöhnlichreichlich fetthaltig.

Die Familie der Violaceae, die mit den rein tropischen Flacourtiaceae und den Cistaceae nächstverwandt ist, hat ihre Hauptverbreitung auf den Gebirgen von Süd. und Mittelamerika. Linni. (1753) kanntenur 19, Willdenow (1797) 39, Persoon (1805) 55 und Roemer und Schuhes, die als erste eine weitereGattung von Viola abtrennten (1S19), 143 Arten. Etwa die Hälfte der 15 bis IS heute unterschiedenen Gattungenund mehr als die Hälfte der über 600 Arten sind auf die südamerikanischen Kordilleren beschränkt. Nur dieGattung Viola, die fast */s aller Arten umfasst, reicht von den Kordilleren, auf denen sie auch durch z. T.sehr abweichende Rosettenstauden vertreten ist, bis nach Nordamerika, Nordasien und Europa. Die beidenGattungen Hybänthus Jacq. (= Jonidium Vent.) und Rinörea Aubl., auf die die grosse Mehrheit allerübrigen Arten entfällt, sind über die Tropen beider Hemisphären verbreitet, wogegen von den anderenGattungen je 1 in Kamerun, auf den Sandwichinseln, auf Neukaledonien und den Fidschiinseln und 1 aufNeuseeland und in Australien endemisch sind. Die meisten tropischen Gattungen umfassen vorwiegend Sträucher,audi einzelne Lianen und Bäume. Hybänthus (Jonidium) Ipecacuänha (L.) Taubert (Weisse Brechwurzel,Rädix Ipecacuänhae älbae s. flava s. lignösa), Anchi^tia salutärisSt. Hfl. und Nois <£11ia orchidlflöra(Rudge) Ging, dienen wie die echte Ipecacuanha (die Rubiacee Uragöga [Cephaelis] Ipecacuänha Baill.) alsBrechmittel (die erstgenannte brasilianische Art und Viola Itoübou werden auch als Ersatz oder Verfälschungdieser gebraucht), wogegen einige gleich diesen Arten in Südamerika beheimatete Rinörea. Arten (besondersR. Cüspa [H. B. et Kth.] O. Kuntze) als Fiebermittel und Gemüse Verwendung finden. Die Brechen undAbführen erregende Wirkung der Grundachsen und Sprosse der genannten amerikanischen Pflanzen und auchvieler Viola.Arten beruht wohl hauptsächlich auf dem Gehalt an Salizylsäure in glykosidischer Bindung, ausder durch Enzymwirkung Salizylsäuremethylester abgespalten wird; ob auch Emetin vorhanden, ist scheint nachneueren Untersuchungen zweifelhaft. Mehrere Hybänthus«Arten enthalten Inulin. Für alpine Anlagenkommt Hymenanthera crassifölia Hook. f. in Betracht, ein starrer, aufrechter oder niederliegenderStrauch aus Neuseeland mit lederartigen Laubblättern und kleinen, in den Blattachseln gebüschelten, im zeitigenFrühjahr sich entwickelnden, gelblichweissen Blüten und erbsengrossen, weissen oder i violett überlaufenenBeeren. In Warmhäusern wird gelegentlich Amphirrhox longifölia Spreng., ein Strauch aus Brasilienmit achselständigen Blütentrauben, gezogen.

CCCCLXXIX. Viola 1 ) L. Veilchen, Veiel, Stiefmütterchen. Franz.: Violette,pensee; engl.: Violet, pansy; ital.: Viola; rätorom.: Viola, violina, violetta;

ladin. (Groden): Faidl, faigl.

Das Wort Veilchen ist eine Entlehnung aus dem latein. viola. Die Verkleinerungsform (Diminutiv)bürgert sich im Schriftdeutschen erst im 17. Jahrhundert ein (vgl. mittelhochdeutsch viel, veiel). Von denzahlreichen mundartlichen Formen (die besonders im Schweizerischen oft weitgehend entstellt sind) seien nurgenannt! Vijöle, Fiölke, Vijölken, Fijäuleken (plattdeutsch), Viul (Niederrhein), Folk (Nord»böhmen), Veigerl (bayerisch.österreichisch), Vi öle (schwäbisch), Veilote (Baden), Vijeli, Viöndli(Schweiz), Hofenöli, Gufenöli (Thurgau). Nicht selten (besonders bei V. hirta) tritt der Zusatz von

') Das lateinische Viola (z. B. bei Vergil, Columella, Plinius) ist wohl ein Diminutiv desgriechischen 'iov [ion], ursprünglich SLov [vion], das schon bei P i n d a r und Homer vorkommt und im Alter,tum mit der mythologischen Io in Verbindung gebracht worden ist. ionXoxog [iöplokos] oder ionXoxciuos[ioplökamos] = veilchengeflochten, werden dunkelgelockte Frauen genannt und loate^auos [iostephanos] =