in Holland ohne Nachteil mit Orlean gefärbt), von Speisen, Fett (ähnlich Safran), Schokolade, Salben und Pflastern,seltener und immer mehr zurückgehend, da die künstlichen Ersatzstoffe billiger und haltbarer sind, auch zumFärben von Seide, Wolle, Baumwolle, Firnissen und Wachs sowie als nuancierender Zusatz von Wasser« undOelfarben. Vielerorts färben die Eingeborenen die Fingernägel mit dem Farbstoff oder bemalen — wie dieOrinoko«Indianer — ihren Körper mit einer Mischung von Orlean und Ricinusöl zum Schutze gegen Moskitos.In der Heimat des Baumes werden die Samen (Acafrao) auch arzneilich verwendet; ebenso die Blätter unddie Rinde, in denen ein nicht näher bekanntes Glykosid festgestellt wurde. Aus dem Baste der Rinde verfertigendie Eingeborenen starke Seile. Ueberall in den Tropen ist der Baum als Zier» oder Schattenbaum verbreitetin Heckenpflanzung kann er als Windschutz (.Windbrecher") oder am Rande von Kaffeeplantagen gegen dieHemileia dienen.
Die kleine, nur 5 Gattungen und 7 Arten umfassende Familie der Winteranäceae 1 ) oderCanelldceae') besteht aus Bäumen oder Sträuchern mit abwechselnden, ganzrandigen, schwach durchsichtigpunktierten Laubblättern und strahligen, einzelnstehenden oder zu achselständigen Trugdolden vereinigten Zwitter,bluten. Die letzteren besitzen 3 dachige Kelchblätter, 4 bis 12 freie oder röhrenförmig verwachsene Kronblätter, 4 bis12 Staubblätter und einen l.fächerigen, aus 2 bis 6 Fruchtblättern gebildeten Fruchtknoten. Die Frucht isteine kahle Beere, deren Samen ein öliges Nährgewebe und einen sehr kleinen Keimling mit dicken Keim-blättern enthalten. Das Vorkommen von ätherischem Oel in den Blattern und in der Rinde hat Veranlassunggegeben, früher die Familie in den Verwandtschaftskreis der Polycarpicae, besonders der Magnoliaceae(Drimys)'), Myristicaceae und Lauraceae einzuordnen; für die Parietales sprechen jedoch die wandständigenSamenanlagen. Von den 5 Gattungen bewohnen 3, nämlich Winterdnia 4 ), Cinnamod6ndron und P1 eo•d^ndron (P. macrdnthum in Portorico) das wärmere Amerika, die Gattung Warbürgia 6 ) (mit W.Stuhl«mdnni Engler) Ostafrika und Cinnamösma mit C. frdgrans Baill. Madagaskar. Von WinterdnaCandlla L. (= Candlla älba Murray), einem 16 m hohen, weissrindigen Baum von den Antillen, den Bahama.Inseln und dem südlichen Florida, stammt die stark nach Zimt und Muskat riechende Kanellrinde oder der WeisseZimt, früher in Europa (heute noch in England) unter der Bezeichnung Cörtex can6llae älbae, Cöstusdülcis, Costus corticösus als Stomachicum, Aromaticum, Stimulans und Tonicum offizinell, die in Amerikaals gewöhnliches Küchengewürz Verwendung findet. Sie enthält 0,72 bis 1,25% ätherisches Oel (es ist dasgleiche zyklische Sesquiterpen [Caryophyllen], das in den Gewürznelken enthalten ist) mit Pin6n, Eugenol(Benzoyleugenol), Cineol und Caryophyllen, 8°/o Harz, 8% Mannit („Canellin" oder Zimtzucker), 11,6% Stärke,16% Rohfaser, Pentosane usw. Die falsche Wintersrinde mit ähnlichen Bestandteilen kommt von Cinna.mod6ndron corticosum Miers. Beide sehr stark aromatisch riechende Rinden wurden ehedem vielfachmit der echten Wintersrinde von der Magnoliacee Drimys Winter! Forst., die den Canelo de Päramo oderMagelhaenschen Zimt (Cörtex Winteränus vdrus) liefert, verwechselt. Die gleichfalls sehr gewürzigeRinde (auf Kisuaheli Karambaki geheissen) von Warbürgia Stuhlmdnni Engler wird zum Räuchern ver«wendet, das Holz zur Anfertigung von Tischen, Rosenkränzen usw.
87. Fam. Violäccae"). Veilchengewächse.
Kräuter (im Gebiet ausschliesslich), Halbsträucher, Sträudier und Bäume mit in der Regelwechselständigen, selten gegenständigen, meist ungeteilten Laubblättern (Epidermis oft mitPapillen und Haaren). Nebenblätter gewöhnlich vorhanden. Blüten meist einzeln oder gepaart inden Blattadiseln, mit 2 Vorblättern an dem meist abgegliederten Blütenstiel, zwitterig, mit5=zähliger (Fig. 2047 a), in Kelch» und Krone geschiedener, meist dorsiventraler (seltener fastregelmässiger) Blütenhülle. Kelchblätter 5, frei, bis zur Fruchtreife bleibend. Kronblätter 5,
') Benannt nach dem Kapitän John Winter von der „Elisabeth", der die Rinde von Drimys 1578in der Magelhaenstrasse gegen Skorbut benützte.
') Canella (neulateinisch) vom spanischen Worte canela — Zimt; letzteres von lat. cdnna = Rohr;nach der Röhrenform der Handelsrinde.
*) Neuerdings trennt Hutchinson (Kew Bulletin, 1921) die Gattungen lllicium, Drimys, Zygogynumusw. von den Magnoliaceae ab und erhebt sie zu einer eigenen Familie.
4 ) Siehe Anm. 1.
6 ) Benannt nach dem Botaniker Otto War bürg (geb. 26. VII. 1859 in Hamburg), Professor an derUniversität und am Orientalischen Seminar in Berlin, Herausgeber des 3«bändigen Werkes „Die Pflanzenwelt"(Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut. 1913 bis 1923), der „Monsunia", des .Tropenpflanzers" usw.
6 ) Bearbeitet von H. Gams unter Benützung eines Manuskriptes und von Notizen von W.Becker.