*) Benannt nach P. Richer de Belleval.
das Lunge, Magen und Nieren reinigt, innere Hitze und Brand benimmt und gegen innere Krämpfe gut seinsoll. Das Kraut gilt auch als Nervenmittel, dient bei Verbrennungen, gegen Somnambulismus, Gelbsucht, Kopfweh,Gesichtsneuralgien, Blähungen, Bettnässen, führt zur Menstruation, benimmt Kolik, heilt Blattern im Mundeund vertreibt Würmer. Zum Teil gewinnt man das Heilmittel durch Einlegen der frischen Blüten in Speiseöl.Gegenwärtig ist die Pflanze nicht mehr offizineil. Früher dienten die Hörbe sive summitätes et flöresHyperici perforäti pharmazeutisch als Wurm« und Wundmittel, ferner gegen Hysterie, Asthma, Lungen»Schwindsucht, Blutandrang, Ischias und bei Menstruationsleiden. Ausser den oben erwähnten Stoffen findensich in der Pflanze eisengrünender Gerbstoff, ätherisches Oel, Pectinsäure und Gummi. Der blutrote Saft
(Hypericum.Rot) wird auch bisweilen zum Färben verwendet. Die ganzePflanze oder auch nur die Früchte finden seit langem als Tee«SurrogatBenützung. Ueber die medizinische Wirkung ist nur wenig bekannt.Anscheinend ruft die Tinktur in den verschiedenen Organen Blutandranghervor und beeinflusst den Stoffwechsel. Die Homöopathie verwendetsie daher innerlich bei Blasenkrampf, äusserlich zur Linderung von durchQuetschungen hervorgerufenen Schmerzen, auch als Wundmittel. BeiStuten ruft das Kraut nach Cornevin Krankheiten hervor. ZwischenKäse eingelegt soll es Maden fernhalten. Nach Konrad von Megen.berg kräftigt die Pflanze Herz und Leber, reinigt die Nieren, heiltGeschwüre und »zieht Gift an". In Norwegen führt die Pflanze heute denNamen Oelkong (Bierkönig), was vielleicht darauf hindeutet, dass sie alsWürze dem Bier zugesetzt worden ist. — Die Blüten sind homogamePollenblumen. Selbstbestäubung wird nach Möglichkeit dadurch ver.mieden, dass die auseinanderspreizenden Griffel zwischen den Staub«gefässbündeln stehen, so dass die nach oben aufspringenden, aber ingleicher Höhe stehenden Staubbeutel nicht berührt werden. Als Pollen»Überträger kommen Hummeln, Syrphiden, Bienen und Rhopaloceren inFrage, die jedoch bei ihren Besuchen auch Selbstbestäubung leichtausführen können. Auch durch das Zusammenziehen von Krön« undStaubblättern am Ende der Blütezeit kann nachträglich noch Selbst«bestäubung vollzogen werden. Hie und da, namentlich auf durchlässigen,sandigen Böden, treten an den Wurzeln Adventivsprosse auf. Bisweilenwerden 4«gliederige Kelche und Blütenkronen beobachtet. — KrankhafteBildungsabweichungen sind verlaubte Hoch« und Kelchblätter, vergrünteBlüten, in Kelchblätter umgewandelte Hochblätter und polyembryonaleSamen. Dasyneüra serötina Winn. verursacht nach H. Ross rot«gefärbte Aufblasungen und Verdickungen der obersten Laubblattpaare.Von parasitären Pilzen werden unter anderen Erysibe polygoni(DC.), Meldmpsora hypericörum (DC.) und Synchytriumaüreum Schroet. beobachtet. Zoocecidien werden durch Perri'sia.und Eriophyidärum«Arten, von Macroläbis M a r 161 i Kleff. undThecodiplösis Giardiäna Winn. hervorgerufen.
Fig. 2014. Hypericum Richeri Vill. a, aiHabitus, b Querschnitt durch ein Laubblatt(nach A. P ii n t e r). c Kelch, d Kronblatt.
1911. Hypericum Richeri 1 ) Vill. Alpen = Johanniskraut.
Fig. 2014.
Ausdauernde, 20 bis 60 cm hohe, kahle Pflanzemit ausdauernder, spindelförmiger, ästiger Wurzel, verholzterwagrecht kriechender, ästiger Grundachse und mit Niederblattschuppen versehenenSprossen (Fig. 2014 ai). Stengel zu mehreren, aufsteigend, seltener aufrecht, hohl, ober»wärts mit 2 Längsleisten, unterwärts stielrund, einfadi. Untere und mittlere Laubblättereiförmig bis lanzettlich, am Grunde abgerundet, die obersten herzeiförmig; alle kreuzweiseverteilt, halbstengelumfassend*sitzend, spitzlich oder stumpflich, am Rande unterseits schwarz»drüsig, knorpelig, nicht oder nur spärlich durchscheinend punktiert, oberseits dunkelgrün,unterseits bläulichgrün. Blüten einzeln oder zu zweien oder in (3=) 5= bis 10=blütigen, dichten,