Druckschrift 
5,1 (1925) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
521
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

521

etwa 30 bis 40 (60), gleich lang wie die Kronblätter oder wenig kürzer als der Fruchtknoten.Frucht eiförmig bis schmal=eiförmig, spitz, etwa doppelt so lang wie der Kelch, mit strich»förmigen Drüsenleisten. Samen ziemlich zahlreich, zylindrisch, 0,8 bis 1,1 mm lang und 0,3 mmbreit, dunkelbraun, feinwarzig. VII bis VIII (IX).

Verbreitet und meist häufig auf ± feuchten Unterlagen aller Art: auf Waldwiesen,in Ufergebüschen, an Gräben, Bächen, quelligen Orten, in Flachmooren, an Seeufern, infeuchten Hecken, Weinbergen, auf Gänseangern. Von der Ebene bis in die untere montaneStufe: im Jura bis 750 m, in den Bayerischen Alpen bis 810 m, in Tirol im Oberinntal bis1050 m, im Val Blegno bis 900 m, im Wallis bis etwa 1300 m 1 ).

In Deutschland meist nicht selten, aber in den höheren Mittelgebirgen, im Jura und am Nieder,rhein meist nur sehr zerstreut, auf den Nordsee=Inseln ganz fehlend, aber z. B. in Schleswig»Holstein nichtselten. In Oesterreich verbreitet in Salzburg, Ober« undNiederösterreich, Böhmen, Steiermark und Krain, zerstreut inMähren, Schlesien, in Vorarlberg und Kärnten, in Tirol ziemlichzerstreut und stellenweise ganz fehlend, so im Lechgebiet, imBezirk Kitzbühel und im Pustertal. In der Schweiz im Mittellandund im Jura verbreitet, in den Alpentälern ziemlich zerstreut.

Allgemeine Verbreitung: Europa; Sibirien,

Vorderasien; Nordwest«Afrika.

Aendert wenig ab: f. h ü m i 1 e Boenningh. Stengel kaum20 cm hodi, wenig geflügelt, nur im oberen Teile kurzästig. AufLehmboden. Aus Westfalen angegeben. f. pätulum Boen«ningh. Stengel von unten auf langästig. Laubblätter elliptisch.

Blüten wenig dicht stehend. In Gebüschen. Aus Westfalenangegeben. Nach Fröhlich ist auch die Breite und die Deut»lidikeit der Netznervatur der Laubblätter, die Breite der Kelch«blätter, die Zahl der schwarzen Randdrüsen an denselben unddie Stärke der Ausbildung der Leisten an den Fruchtwändengrossen Schwankungen unterworfen.

Hypericum acutum ist ein europäisch« mediterranesElement. Am häufigsten tritt die Pflanze in feuchten, von Erlenund Pappeln durchsetzten Weidengebüschen auf, zusammen mitCaltha palustris, Cicuta virosa, Peucedanum palustre, Angelicasilvestris, Filipendula Ulmaria, Lythrum Salicaria, Epilobium hir»sutum und E. palustre, Scrophularia nodosa, Solanum Dulcamara,

Lysimachia vulgaris, Symphytum officinale usw. In norddeutschenWaldheiden mischt sie sich mit Aspidium montanum, Blechnumspicant, Platanthera bifolia, Trifolium medium, Scrophularia nodosa,

Bidens tripartitus, Centaurea Jacea, Origanum vulgare u. a. undbevorzugt dabei buschige Stellen. In Molinia«Beständen erscheintsie im Schanfigg (Kt. Graubünden) z. B. gemeinsam mit Festucaarundinacea, Juncus glaucus und J. articulatus, Epilobium parvi«florum, Eupatorium cannabinum, GaliumMollugo subsp. elatum, G.verum, Convolvulus sepium, Rhinanthus minor, Crepis paludosa,

Helleborine palustris usw. Auf den Alluvionen grösserer Flüssestellt sie sich am Saume von Erlenwäldern zusammen mit Equi»setum limosum, Sparganium erectum, Glyceria plicata, Montiarivularis, Stellaria uliginosa und S. aquatica, Caltha palustris,

Nasturtium officinale, Cardamine amara, Veronica Beccabunga u. a.feuchtigkeitsliebenden Pflanzen ein. Die Samen keimen nachKinzel nur im Lichte und nach langer Ruhezeit. Die Blüten verhalten sich blütenbiologisch wie diejenigen vonH. perforatum. Nach Kirchner ist aber an offenen Blüten eine freiwillige Selbstbestäubung unmöglich. AlsUeberträger der Pollen wurden Nitiduliden, Fliegen und Syrphiden festgestellt. Stöcke mit tetramerem Kelch

Fig. 2006. Hypericum acutum Moench. a Habi-tus. b Stengelausschnitt, c Laubblatt, d Kelchblatt.e Kelch. / Kronblatt.

*) Auf einer Verwechslung beruht wohl die Angabe von Murith von Planards im Wallis bei 1930 m.