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Zur Förderung des Weinbaues und der Kellerwirtschaft, zur Untersuchung und Bekämpfung derKrankheiten, zur Veredelung, zur Beschaffung von billigen Bekämpfungsmitteln usw. gibt es eine grosse Zahlvon staatlichen wissenschaftlichen Versuchsstationen, denen vielerorts auch Unterrichtsanstalten angeschlossensind, so in Deutschland in Geisenheim a. Rh., Ahrweiler, Oberlahnstein, Bernkastel»Cues, Trier, Kreuznach,Naumburg a. d. S., Veitshöchheim, Thüngersheim und Miltenberg in Franken, Oppenheim a. Rh. in Hessen.Neustadt a. d. H. in der Pfalz, Weinsberg in Württemberg, Augustenberg in Baden, im Elsass in Colmar, inOesterreich in Klosterneuburg und Marburg a. Drau, in der Schweiz in Wädenswil, Lausanne und Auvernier,in Südtirol in San Michele, in Istrien in Parenzo, in Ungarn in Ofenpest, in Frankreich in Nimes, Montpellier,Beaune, Toulouse, Bordeaux usw. Ein Deutsches Weinbau»Museum wird zurzeit in Freiburg i. Br. eingerichtet.Zur Belehrung und Wahrung wirtschaftlicher Interessen dienen die zahlreichen Weinbau« oder Winzervereine,ebenso verschiedene Fachzeitschriften wie die Deutsche Weinzeitung (Mainz), die Allgemeine Weinzeitung(Wien), »Weinbau und Kellerwirtschaft" (Freiburg i. Br.), „Wein und Rebe" (Illustrierte Monatshefte), Weinfach«kalender (Mainz), Weinbau.Kalender (Klosterneuburg), Schweizer. Zeitschrift für Obst« und Weinbau u. a.
Wie keine andere Pflanze wird die Rebe, die Winzerarbeit, der Rebensaft von Dichtern besungenund von Malern seit Jahrhunderten verehrt. Bereits im alten Aegypten finden wir auf den Wandgemäldender Totenstadt Beni-Hassan bei Theben eine gute Wiedergabe der ganzen Weinbereitung. Auf einem anderenBild werden die sinnlos betrunkenen Herren nach einem Gelage von ihren Dienern — an Kopf und Füssen gefasst— nach Hause getragen. Auch die Wandgemälde zu Pompeji zeigen ähnliche Darstellungen. Ueber die Trinklustder Griechen unterrichten uns die homerischen Gesänge. Horaz preist in seinen Gedichlen den Falernerweinvom äger Falernus im westlichen Campanien. Aus der klassischen Zeit der deutschen Dichtung habenL es sing (vgl. Lieder und Sinngedichte), Goethe (Der Sänger, Elegien, Faust I. Szenen in Auerbachs Keller,Ergo bibamus), Schi 11 er (Punschlied), Theodor Körner (Trinklied vor der Schlacht, Weinlied), Uhland (DieBildsäule des Bacchus, Die Geisterkelter), Max von Schenkendorf, Platen (Trinklied), Justinus Kerner(Im Herbst, Freude aus Schmerz, Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein), Viktor Scheffel (Dasgrosse Fass zu Heidelberg, Trompeter von Säckingen), E. M. A r n d t (Bringt mir Blut der edeln Reben),Matthias Claudius (Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben. Bekränzt mit Laub), Ferdinand Frei«ligrath, F. Rückert, Heinrich Heine den Wein besungen, dann aber auch ein Rudolf Baumb ach (NeuerWein, Weinher, Die Lindenwirtin: Keinen Tropfen im Becher mehr), E. Geibel (Kein Tröpflein mehr imBecher), Weichselbaum er (Im Pokale klaren Wein), Frida Schanz (Wie glüht er im Glase), Friedrich v. Boden»stedt (besingt die Kaukasusweine), H. Stieglitz (Wenn das atlantische Meer lauter Champagner war), K. Haltaus(Aus der Traube in die Tonne), Carl Müc hl er (Rheinweinzecher), W. Bus ch (Rotwein ist für alte Knaben eine von denbesten Gabenl), Felix Dahn, den Pfälzer Hüll, Hölty, Joh., Trojan (pag.381), Fr. Hornfeck,E. Rittershaus,Th. Harszewinkel, Ludw. Eichrodt und viele andere Haus« und Gelegenheitspoeten, so in der SchweizMolzin Biel, J. J. Leuthy, daneben aber auch Gottfried Keller, Adolf Frey und Arnold Ott. Von bekannten Ge«mälden (abgesehen von Bacchus« und Dionysos.Gestalten) mögen etwa genannt sein „Der trunkene Silen" und „Satyrmit Trauben" von P. P. Rubens, „Der Schlesische Zecher und der Teufel" und der „Feinschmecker" von Ed.Grützner, „Bacchusfest" von Arthur Fitger (im Rathauskeller zu Bremen, dann aus dem 16. Jahrhundertzur Darstellung der Transsubstantiation „Christus in der Weinkelter". Ein prachtvoller Gobelin aus dem An«fange des 17. Jahrhunderts zeigt die Weinlese in Landshut. Weinstode und Rosenstock schmücken das Portalder Elisabeth.Kirche in Marburg aus dem 13. Jahrhundert, ein Weinstöcke beschneidender Bauersmann (dasherkömmliche Monatsbild des März) die Fensterrosette der Kathedrale in Lausanne. — Erinnert sei auch andie bekannte Tiersage „Fuchs und Traube" mit dem Sprichwort „Die Trauben hängen ihm zu hoch".
Eine grosse Zahl von Orts», Flur« und Geschlechtsnamen slehen nachweislich in Verbindung mit derRebe bezw. mit dem Weinbau (einzelne sind bereits schon als Zeugen einstiger Weinkultur genannt worden).Brandstetter führt für die deutsche Schweiz gegen 30 Orts» und Flurnamen an, denen noch Rebstein,Weinstein und Schloss Weinburg bei Thal im St. Galler Reintal, Weinfelden und Weingarten im KantonThurgau, ebenso das nordzürcherische Weinland hinzuzufügen wären. Der Hof „Weinberg" an der Tiroler»Schweizer Grenze bei Finstermünz steht jedoch zur Rebe kaum in Beziehung (allerdings wurde ehedem imUnterengadin Wein gebaut), sondern ist eine missverstandene Verhochdeutschung von wimberg, das sith vomalthochdeutschen wimi.Quelle ableitet. Ebenso soll sich nach v.Schwerin der Ortsname Weinheim bei Bingennicht wie Weinheim bei Alzey von Wein, sondern aus Wigenheim (Wige soll ein persischer Name sein), Weinheim beiLorsch aus Winenheim (vom Personennamen Wino) und Weinheim bei Kreuznach aus Wihenheim (wih.heilig, geweiht)ableiten. Aus der Oberpfalz möge die Oertlichkeit Weinberg bei Eschenbach genannt sein, aus Franken Wein»zierlein, Weingarts, Weinsfeld, Weingardsreut, Weinleite. Scharfetter (Beiträge zur Geschichte der Pflanzen»decke Kärntens seit der Eiszeit, 1906) nennt als auf Wein bezügliche Orte (an denen übrigens heute keineRebkulturen mehr bestehen) Weinberg, Weindorf, Weinzierl, Stöckelweingarten am Ossiachersee, Vince (Ge«meinde Viktring), Zavince (Gemeinde Sittersdorf), Vinare, Vinögrad (= Weingarten), Nögrad und Vinogradi.