kann die Mistel nach den Versuchen von K. v. Tubeuf auf der Rebe wie auf Parthenocissus quinquefolia nichtgedeihen ; die sich ablösende Ringelborke ist für die Besiedelung nicht geeignet. Die (mehr als 300 Jahre) altenAngaben von Brasavola aus Italien, ebenso von Cordus und Matthioli (1586), wonach man Mistel»büsche auf Weinstöcken aufgefunden habe, sind deshalb zu streichen.
Teratologische Bildungsabweichungen sind, wie im Voranstehenden bereits mehrfach angedeutet wurde,nicht selten und bieten z. T. eine wichtige Stütze zur Erklärung des morphologischen Sprossaufbaues derRebe. Hierzu gehört vor allem das bisweilen zu beobachtende Erstarken der Ranken und deren Umbildung zubeblätterten Sprossen, andererseits der nicht seltene Fall, dass der Sprossgipfel durch eine Ranke abgeschlossenwird, lieber die umfangreiche sich damit befassende Literatur vgl. die Zusammenstellung bei O. Pen zig(Pflanz en«Teratologie). Verbänderang der Stengel scheint selten zu sein, hingegen die der Infloreszenzachse,der Rhachis und der Blütenstiele häufig. Moteley beschreibt eine Gabelung der Zweige, die nach oben zuwieder verwachsen war. Verwachsene Beeren besitzen bisweilen die Gestalt kleiner Tomaten. Jäger undPollini bilden eigenartige Trauben ab, bei denen die Blüten abortiert und durch eine grosse Menge vonSchuppenblättern ersetzt sind und die Traubenachse selbst und die Blütenstiele sehr dick sind, so dass derganze Blütenstand an den des Blumenkohls erinnert. Die Laubblätter weisen Gabelungen, Verwachsungen,Ascidienbildungen (Fig. 1947 b) usw. auf. Die Pentamerie (Fünfzähligkeit) der Blüten ist ge.wissen Schwankungen unterworfen und kann bis zur typischen Tetra» und Trimerie führen.
Gefüllte Blüten werden von U. Dammer erwähnt. Auf den Wechsel der Geschlechts.
Verhältnisse wurde bereits aufmerksam gemacht. Auch Vergrünungen sind nicht selten.
Eine sehr auffällige Abweichung vom normalen Beerenbau stellte Schlechtendal fest,indem er an Stelle der weichen Beeren trockene, holzige, mit 2 bezw. 3 Klappen auf»springende Früchte fand. Parthenokarpe Früchte (mit tauben Samen oder ohne jedeSamenanlage) sind bei den griechischen und orientalischen Rosinentrauben weit ver-breitet. An den Keimpflanzen sind die Kotyledonen nicht selten gabelig gestellt, wobei3 oder auch 4 Blättchen Zustandekommen. Auch Verwachsungen der Keimblätter sind be»obachtet worden. An älterem Rebenholz, das im Schatten bei sehr feuchter Luft, z. B.unter Glas oder an Spalieren wächst, in Italien nach Vannuccini und Rasetti auchbei gewöhnlichen Weinbergsreben nach sehr feuchten Frühjahren, entstehen bisweilenLuftwurzeln.
Zu den durch äussere Verhältnisse bedingten Krankheiten gehört die durchErnährungsstörungen (stauende Nässe, Sauerstoffmangel, Anhäufung von Stoffwechsel«
Produkten, reichliche Düngung mit stickstoffhaltigen Substanzen) bedingte Gelb« oderBleichsucht (Chlorose) der Rebe, bei welcher die Laubblätter gelbgrün bis gelblichweissund an den schwächlichen neuen Trieben immer kleiner werden, während die Wurzelnzu faulen beginnen. Derartige Stöcke gehen im Ertrag zurück oder erzeugen überhauptkeine Trauben mehr. Ein ähnliches Krankheitsbild stellt sich be der Kalkchlorose anungeeigneten Sorten auf Böden mit hohem Kalk» bezw. Magnesiagehalt ein. Ehren,b e r g führt die Chlorose auf eine zu geringe Kaliaufnahme zurück, bedingt durch denKalküberschuss im Boden. Auch durch schlechte Pfropfung des Edelreises auf die Unter«läge kann die Krankheit entstehen. Unter gewissen Umständen kann sie erblich werdenund lässt sich dann durch Stecklinge vermehren („heriditäre Chlorose"). Einzelne Sorten(z. B. Trollinger) sind gegen die Chlorose sehr widerstandsfähig, weshalb sie in Hessenals Pfropfunterlage verwendet werden. Amerikaner werden von ihr auch betroffen.
Gegen die Krankheit wird Drainage, gut verrotteter Stallmist (dieser hält die Feuchtigkeitnicht allzusehr fest), sauer reagierende Düngemittel wie Superphosphate (um die Alkalitätdes Bodens zu mindern), eventuell auch Kalidüngung empfohlen. Bei Treibhauspflanzenäussert sich die Krankheit öfters durch Ausbildung von bis gegen 30 cm langen „Luft»wurzeln" an den älteren Teilen. — Der sogen. „Grind", „Räude" oder „Mauke" ist auf Frosteinwirkungzurückzuführen. Dicht über dem Boden zeigen sich am Stamme krebsartige Wucherungen und maserige Wülste,welche die Saftstromleitung beeinträchtigen. — Ein „Braten" oder Verbrennen der Beeren (auf der Sonnen«sejte) kann eintreten, wenn im Sommer nach lange andauernder kühler Witterung plötzlich recht warme,sonnige Tage folgen. Eigenartig ist die nach L. Linsbauer (in Jahresbericht. Ver. angew. Botanik.VII, 1909) durch ausserordentliche Trockenheit während des Winters bedingte D r o a h . Krankheit, bei derdie Triebspitzen ± steif aufgerichtet empor „gedreht" sind. Die Reben zeigen einen sehr reichen Blüten«ansatz, „aber die Blüten reisen total aus" und geben keinen Beerenertrag. In schlechten Jahren bleiben dieStöcke klein, die Laubblätter bräunen sich und sterben ab. Hingegen werden die Geizen sehr üppig. In denBlütenständen finden sich oft in überwiegender Zahl „intermediäre" Blüten (vgl. unter Morphologie).
Fig. 1947. aPartheno-cissus VeitchiiGraebn. mit Früchten.b Vitis vinifera L.Tutenförinig verwach-senes Laubblatt.