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besonders konstruierten Zerstäubern oder Blasebälgen mehrmals (einmal schon vor der Blüte) auf den Rebstockgebracht wird j das Schwefeln muss an trockenen und windstillen Tagen geschehen. Die Wirkung des Schwefelsist nicht genau bekannt; früher nahm man an, der Schwefel wirke rein mechanisch durch Bedecken der Oberhaut (Cuti.cula); später machte man die entstehenden Gase, vor allem die schwefelige Säure und den Schwefelwasserstoff, ver.antwortlich, neuerdings (Muth) Elektronen.Ausstrahlungen. Neben dem pulverisierten Schwefel wird dieserauch in gespritzter, kolloidaler oder in Gasform (mittels Wasserdampf) angewendet. Ausserdem sind Mischungenvon Schwefel (Natriumthiosulfat, Schwefelkalium) mit Kupferkalkbrühe empfohlen worden, die gleichzeitig mitdem Mehltau auch die Peronospora abtöten sollen. Derartige Mittel können aber höchstens als Ergänzungder Kupferkalkbespritzung angesehen werden, niemals aber als vielwertiger Ersatz. Auf dem Mehltaupilzschmarotzt wiederum ein Pilz (Cincinnöbolus Cesäti de Bary), der aber praktisch ohne Bedeutung ist.
Der Schwarze Brenner (Anthraknose, Charbon, Schwindpocke, Brand, Pech, Fleck) wird durchden Pilz Gloeospörium (= Sphacelöma) ampelöphagum (Pass.) Sacc. hervorgerufen. Dieser erzeugtim Frühling an den jungen Teilen dunkelbraune, später schwarze Punkte und Flecken; die ganze Rebe bekommt einpockennarbiges Aussehen. Die befallenen Blätter werden blasig, rollen sich ein und fallen zuletzt ab (vgl. Rathay,Emerich. Der Blackrot. Klosterneuburg 1891). — Der Rote B r e n n e r, auch Laubrausch, Seng« oder Rauschbrandbenannt, der mit Vorliebe die Blätter der Rotweinstöcke (vor allem des Blauen Burgunders) befällt, färbt die Blätterfrühzeitig rot (bei den Weissweinsorten bleiben die Flecken gelb); später verdorren dieselben und fallen bereitsim Juli ab. Als Ursache der Krankheit erkannte 1903 Müll e r «T h ur g a u den Pilz P s eu d o peziz a trachei.phila. In trockenen und heissen Sommern, dann an Stellen, wo die Wurzeln leicht unter Trockenheit leiden,entwickelt sich der Pilz besonders gut. Genügende Bodenfeuchtigkeit dient als vorbeugende Massnahme. —Nicht überall und nicht regelmässig erscheint der Wurzelschimmel, hervorgerufen durch Rosellinianecatrix (Hartig) Berlese und andere Pilze (in Ungarn durch Dematöphora glomeräta). Der Pilz lebt aufden Wurzeln (genauer zwischen Rinde und Holzteil) und überzieht dieselben mit weissen, vielfach verzweigtenFäden und Strängen. Den Wurzeln wird er erst gefährlich, wenn diese unter ungünstigen Verhältnissen (nasseoder undurchlässige Böden) wachsen oder durch Insekten (Reblaus, Engerlinge, besonders des Rebfallkäfers)beschädigt worden sind. Uebrigens findet sich dieser Wurzelschimmel, Blanc des racines, Champignon blanc,Pourridit* de la vigne, Morbo bianco, Root»rot), auch an anderen im Rebberg wachsenden Pflanzen (Pfirsich,Mandeln, Birnen, Runkelrübe, Kartoffel, Luzerne usw.). Er ist altweltlichen Ursprunges und 1877 durch Hartigerkannt worden. Zur Bekämpfung dient gute Drainage, reichliche Durchlüftung des Bodens, anorganische Düngungmit Eisenvitriol oder saurem schwefligsaurem Kalk. — Der Pilz Septöria amp^lina Berk, et Curt. bildet auf denBlättern braune oder schwarze Flecken (.Melanose"); wiederholt ist er aus Amerika nach Europa übertragen worden.Die „Weissfäule" (Rot livide, Coitre, maladie de la grele), erzeugt durch Coniothyrium dipl od i 611 a Sacc.,erscheint nach M. Staehelin stets im Gefolge von Hagelwetter. Die „Schwarzfäule" (Black rot), bedingt durch denPilz Guignärdia Bidw^llii Viala et Rav., stammt ebenfalls aus Amerika und wird in Frankreich seit 1875beobachtet. Die Beeren werden trocken und schwarz. Ohne grössere Bedeutung ist das CladospöriumRoesl^rii Catt., das mitunter in regnerischen Jahren gegen den Herbst zu an der Pflanze schwarze Fleckenerzeugt. Der beim Sauerwurm und bei der Edelfäule (pag. 399) bereits erwähnte Grauschimmel (Botrytiscinerea Pers.) kann die Ursache der sog. „Stielfäule" werden, wodurch die Trauben vom Stocke fallen.Auf kränkelnden Reben siedelt sich gerne der Hallimasch (Armilläria [Agaricus] m^llea [Vahl] Quälet.) mitseiner schwarzen Rhizomorpha an, die als „Erdkrebs" bezeichnet wird. Ausserdem ist in den Weinbergenan der Mosel, am Rhein und in der Schweiz (z. B. bei Regensberg) eine Rhizomorpha von blendend weissemAussehen festgestellt worden, die von P.Magnus (Berichte der Deutschen Botan. Gesellschaft. Bd. XXIV, 1906),als zu Collybia platyphylla Fr. (= Agaricus grammoc6phalus Bull.) gehörend erkannt wurde. DieserPilz befällt vor allem die Holzpfähle, von wo er dann auf die Wurzeln der Reben übergeht. Andere rhizomor«phoide Pilzstränge stammen von den Basidiomyceten Ithyphdllus impüdicus (L.) Fr., Pöria sp.,Collybia velutipes (Curt.) Fr. und Maräsmius rameälis (Bull.) Fr. Von weiteren Schädlingen, dieaber geringere Bedeutung besitzen, seien von Ascomyceten genannt: Molli'sia lignicola Phill., Myco-sphaerella Vitis Fuck., Patelläriaviticola (Pers.), Physalöspora ampelina Haszl., Rosselliniahörrida Haszl., Tympdnis viticola (Schwein.), Vdlsa vitis (Schwein.) usw.; auf der Wildrebewurde Metasphaeria Slavönica Schulz, et Sacc. festgestellt. Zoocecidien werden durch Aureo»basidium Vitis Viala et Boy und Sphaeroth6ca Hümuli (DC.) hervorgerufen. Als phanerogameSchädlinge sind festgestellt worden die beiden C ü s c u t a. Arten C. lupuliförmis Krock. (namentlich in Südfrank,reich und im Kaukasus, vielleicht auch in Mitteleuropa; vgl. Wahl, v. C. und Müller, K. in Bericht der Ver»suchsanstalt Augustenburg, 1914) und C.Epithymum (L.) Murray (bisweilen in Südtirol: „bärtige Trauben"). NachLavergne geht auch Orobdnche ramösa L. auf die Rebe über. In den Wembergsbezirken der unteren Loirefindet sich Lathrasa clandestina L., in den Schweizer und wohl auch anderen mitteleuropäischen Wein=bergen Lathraea Squamäria als „Böse Blume" (franz.: pulmonie) (vgl. Bd. VI/1, pag. 131). Dagegen