niedrig bleibenden Sträucher verleihen dem Landschaftsbilde einen äusserst trostlosen Anblick (Fig. 1887) unddas Durchdringen der Gebüsche wird infolge der zahlreichen, stark zurückgekrümmten Dornen ausserordentlichmühsam. Wollflocken durchgezogener Schafherden hängen stets in Masse an dem verworrenen Ast« undZweigwerk. In lllyrien ist der Strauch ein Hauptbestandteil des Buschwerkes, das als Folgeglied aus ver»wüstetem Eichenwalde hervorgeht, Der ursprüngliche Wald besteht vorwiegend aus Eichen (Quercus lanu»ginosa, Q. Cerris und Q. pubescens), vermengt mit Fraxinus Ornus, Ostrya carpinifolia, Acer campestreund A. Monspessulanum, Carpinus Duinensis usw. und einem Unterholz von Prunus Mahaleb, CotinusCoggygria, Colutea arborescens, Ligustrum vulgare, Crataegus monogyna, Prunus spinosa und Paliurus SpinaChristi. Nach der Vernichtung des Waldes, der sich im mediterranen Gebiete infolge der starken klimatischenund edaphischen Faktoren nach völligen Kahlschlägen nur schwer und langsam wieder zu erneuern vermag,übernimmt Paliurus zumeist die Führung in dem sich haltenden Gebüsch, in welchem namentlich noch Crataegus,Prunus spinosa, Cotinus Coggygria und Juniperus communis an Menge gewinnen. Diese Gebüsche werden
oftmals durch zu starke Schaf» undZiegenbeweidung weiterhin um»geformt. Neben Paliurus erweisensich Carpinus Duinensis und bis«weilen auch Fraxinus Ornus alsausserordentlich widerstandsfähiggegen diesen Tierverbiss, obgleichnach Beck selbst die kräftigenDornen und das harte, zähe Laubvon Paliurus oft arg mitgenommenwerden. Alljährlich wiederkeh«rende und übernützende Be»weidung kann allerdings schliess.lieh doch, wie nach Adamovicdie Erfahrungen im Balkan lehren,das völlige Eingehen des Christus»dorns zur Folge haben. — Ingeringerer Menge tritt der Strauchhie und da in den echten Macchiendes Mittelmeergebietes auf undsteigt andererseits auch an denBerghängen bis in den mon»
tanen Roibuchen «Hochwald. — Häufig dient er als sehr wirksame Hecke s seltener nur wird er als Zierstrauchgepflanzt. Als solcher soll er bereits zur Renaissance«Zeit in die Gärten von Schlesien eingeführt wordensein. — Die Blüten sind ausgeprägt proterandrisch. Die Staubblätter stehen anfangs aufrecht oder schwacheinwärts gekrümmt, biegen sich aber später zurück, wenn sich d'e Narben entwickeln. Unter den zahlreichenBesuchern — es sind etwa 160 Arten beobachtet worden — überwiegen namentlich die Hautflügler. Der Bauder in der Regel pentameren Blüte kann als wenig feststehend bezeichnet werden. Wie Camus und Penzigfestgestellt haben, findet man oft 4», 5= und 7«gliederige Blüten. Einmal wurde auch eine solche mit der FormelKsCsAiGs gesehen. Der Vermehrung oder Verminderung in der Gliederzahl entsprechend treten 2 oder4 Fruchtblätter auf. Im Kelch», Krön» und Staubblattkreis treten oft Verwachsungen zwischen 2 benachbartenGliedern ein s falls dies im Staubblattkreis stattfindet, so kommt das so gebildete gedoppelte Staubblatt episepalzu stehen. Als eine Andeutung des in der Regel unterdrückten episepalen Staubblattkreises kann das ge«legentliche Auftreten von überzähligen Staubblättern ausserhalb des normal vorhandenen Staubblattkreisesbetrachtet werden. Auch bei einer Gouania«Art sind dieselben Bildungsabweichungen festgestellt worden.Der in der Regel flach ausgebreitete Saum der Früchte ist mitunter nach oben geschlagen und bildet einekleine Glocke. Auch vegetativ sind mancherlei Abänderungen festgestellt worden i Verbänderung der Zweigekehrt mitunter jahrelang am selben Stocke wieder. Kleine Laubblätter verwachsen mit Dornen oder tretenmit geteilten oder mit schmal linealen Spreiten auf. Der deutsche Name „Christusdorn" wird darauf zurück«geführt, dass die Dornenkrone Christi aus den stacheligen Zweigen von Paliurus Spina Christi geflochtenworden sei. Nach War bürg hat diese Deutung eine gewisse Wahrscheinlichkeit, da P. Spina Christi inunmittelbarer Umgebung von Jerusalem im Kidrontale massenhaft wächst. Auch die in Trier und Brüggeaufbewahrten Reliquien stammen von diesem Strauch, hingegen die in Rom und Turin von Lycium Europaeum.Die den Pilgern verkauften geflochtenen Dornkronen bestehen aus den dornigen Zweigen der häufigen Sanguisorbaspinosa Bert. (vgl. Bd. IV/2, pag. 936), die sich besser zum Flechten eignet als der Christusdorn und der vielleicht eben«
Flg. 1887.
Paliurus Spina Christi Miller, bei Dernis in Dalmatien.Phot. F. Kern er, Wien.