Druckschrift 
5,1 (1925) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
320
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

320

Die nächste Reihe, die der Rhamndles, umfasst vorherrschend Holzpflanzen mit einfachen oderzusammengesetzten Laubblättern und mit radiären, meist kleinen und ziemlich unauffälligen, euzyklisehen, diplo»chlamydäischen (bisweilen auch apetalen), mit einem Drüsendiskus versehenen Blüten, deren epipetale, nur ineinem Kreise angeordnete Staubblätter vor den Kronblättern stehen. Der Fruchtknoten ist 2» bis 3» (5.)fächerigund enthält in jedem Fache je 1 oder 9. aufsteigende oder aufrechte Samenanlagen mit dorsaler, seitlicher oderventraler Raphe und mit 2 Integumenten. Die Samen enthalten Endosperm. Die Reihe besteht nur aus denbeiden Familien der Rhamndceae und Vitdceae oder Ampelidäceae (pag. 350), von denen die erstere durchKapsel», Stein» oder Schliessfrüchte, die letztere durch Beerenfrüchte gekennzeichnet ist.

79. Farn. Rhamnäceae. Kreuzdorngewächse.

(Bearbeitet von Dr. Ernst Furrer«Zürich und Dr. H. Beger, München).

Sommer» oder immergrüne, kleinstrauchige bis baumförmige, selten windende Holz=gewächse oder sehr selten Kräuter, mit bisweilen verdornenden Aesten. Laubblätter gegen*oder wechselständig, einfach, meist 3= bis 5=nervig, mit kleinen, hinfälligen oder in Dornenumgewandelten Nebenblättern. Blüten zwitterig, seltener vielehig oder 2=häusig (in letzteremFalle mit Ansätzen des unterdrückten Geschlechtes), strahlig, 4= bis 5=zählig (Fig. 1900g), klein,unscheinbar, grünlich, gelblich oder weisslich, in kurztraubigen, trugdoldigen oder knäueligen,seitlichen Blütenständen. Kelchblätter am Saume des Achsenbechers (auch Kelchröhre oderHypänthium genannt) stehend. Kronblätter bisweilen fehlend oder (falls vorhanden) klein, oftstark gekrümmt bis kapuzenförmig eingerollt, am Grunde häufig genagelt, zwischen denKelchblättern dem Rande des Achsenbechers eingefügt und oft (besonders anfangs) von diesenüberwölbt oder eingehüllt. Diskus innerhalb des Staubblattkreises stehend, frei oder mit diesemverwachsen. Griffel einfadi oder geteilt; Fruchtknoten aus 2 bis 5 (meist 3) verwachsenenFruchtblättern gebildet, frei oder eingesenkt mit dem Achsenbecher verwachsen, in jedemFach mit 1, sehr selten 2 grundständigen, ana= und apotropen Samenanlagen. Frucht einemeist mehrfächerige Kapsel oder Steinfrucht (Fig. 18S8e). Samen sehr selten mit Arillus, ohneoder mit spärlidiem, stärkefreiem Nährgewebe, mit geradem Keimling und grossen, flachenoder nur an den Rändern gebogenen Keimblättern.

Die Familie umfasst etwa 50 Gattungen mit annähernd 500 Arten, die in allen Gebieten der Erdeauftreten, soweit die klimatischen Verhältnisse Holzgewächse zulassen; in Europa ist sie verhältnismässigschwach vertreten. Zu den wenigen weit verbreiteten und grossen Gattungen gehören Rhämnus (vgl. pag. 329),die in allen Tropenländern heimische Gattung Goudnia L. und die Gattung Zizyphus L. (pag. 322 u. f.), derenVerbreitungsmittelpunkt im Malayischen Archipel liegt und die von dort nach Australien, nach dem aussertropischenAfrika, dem Mittelmeergebiet und nach dem tropischen Amerika ausstrahlt. Die übrigen formenreicherenGattungen bezeichnen meist bestimmte pflanzengeographische Gebiete. So tritt die eigenartige, erieoideGattung Phyiica L. im aussertropischen Afrika auf und weist durch einige Arten auf einstige Landzusammen»hänge mit Tristan de Cunha, Neu»Amsterdam, Madagaskar, Mauritius und Bourbon hin. Ceanöthus L.ist ausserhalb des pazifischen Nordamerika nur spärlich vertreten. Auch Colubrina Brongn. findet sich mitAusnahme der weitverbreiteten, küstenbewohnenden C. Asidtica (L.) Brongn. nur im wärmeren Nord» undMittelamerika. Condälia Cav. ist nord» und südamerikanisch. Australien und Neuseeland sind durch dieeinander sehr verwandten und durch den Besitz von Sternhaaren von allen anderen Rhamnaceen geschiedenenGattungen Pomad6rris Labill., Trymälium Fenzl., Spyridium Fenzl und Cryptdndra Sm. verbunden,die Galapagos»Inseln mit Südamerika durch Scyphdria Miers. Die Tribus der Colleti^ae ist zumgrössten Teile andin. Nur 4 ihrer Arten sind nicht südamerikanisch: Discdria Austrälis Hook, ist aufAustralien, D. Toumdton Raoul auf Neuseeland und die Gattung Adölphia Meisn. mit A. inf^sta (H.B. et Kunth) Meisn. auf Mexiko und mit A. Califörnica Wats. auf Kalifornien beschränkt. Als rein en=demische Bildungen besitzt Australien die Gattungen Emmenospermum F. v. Muell. und SchistocarpeeaF. v. Muell., das Kapland Nöltea Rchb., das Betschuanaland Marlöthia Engl., Abyssinien Lamelli.s^palum Engl., St. Helena Nes ö tha Hook. f. mit der einzigen Art N. e 1Hp tica (Roxb.) Hook, f., MadagaskarMacrorhdmnus Baill., die Hawaiischen Inseln Pleuranthödes Weberb., Malakka Apteron Kurz, BrasilienReiss£kia Endl. und Crumenäria Mart. Aus diesen Verbreitungsverhältnissen bereits ergibt sich dashohe Alter der Familien. Auch der morphologische Bau lässt viele Gattungen als Glieder früher weiter ver»