1675 nach Leipzig, 1687 nadi Bernstadt in Schlesien, 1691 nach Strassburg, gegen 1740 nach Basel. Die Aus«breitung muss dann ziemlidi schnell vor sidi gegangen sein, da Murray bereits 1796 ein Patent für dietechnische Darstellung von Stärke aus Rosskastanien aufnahm. IS25 wurden in Fontenay bei Genf die ersten-Bäume mit gefüllten Blüten festgestellt. Als Heimat galt zunächst Konstantinopel und Kreta. Später wurdelange Zeit Indien oder Zentral® und Nordasien oder Kleinasien dafür angesehen und die Ansicht ausgesprochen, dassder Baum von da aus nadi der Türkei (Pferdefutter) gelangt sei. Einzig im Prodromus der Flora Graeca von Smithaus dem Jahre 1806 werden von Hawkins der Pindus und Pelion als Fundstellen genannt. Diese Angabenfanden jedoch wenig Glauben, bisTzchihatscheff einwandfreie Nach»richten über das spontane Vorkommenin Griechenland erhielt und wenigeJahre später (1879) Heldreich aufeiner Reise in Nord.Griechenland denBaum an seinen natürlichen Standortenim Chelidodoni-Gebirge auffand (vgl.v. Heldreich, Th. Verhandlungendes Botanischen Vereins der ProvinzBrandenburg, 1879). Im Jahre 1907 wurdedie Rosskastanie auch für den Deroiski«
Balkan in Bulgarien als einheimischnachgewiesen. Aesculus Hippocasta»num ist — wenn man von den frag»liehen asiatischen Angaben absieht — einendemisches Element des Balkans undwird von Beck zur Illyrischen Floragerechnet. Die Art ist um so bemerkens»werter, als sie gegenwärtig der einzigewildwachsende Vertreter der Gattungin Europa ist und erst in Japan undvielleicht Nord=China in der A. tur»binata ihren nächsten Verwandtenbesitzt. Sie reiht sich dadurch den ter»tiär=borealen Relikten an, die nament«lieh im Balkan mehrfach zu finden sind,wie z. B. Pinus Peüce Grisebach(P. excelsa Wall.) im Himalaya,
Picea Omörica Panc. (P. Ajan6nsis Fisch, und P. Sitch6nsis Trautvsythia Europaea Degen et Baldacci (F. viridissima Lindl, in China).
lieber die chemischen Bestandteile der Rosskastanien besteht eine umfangreiche Literatur (vgl.Wehm er). In allen Teilen treten Pektinkörper, vielfach auch Kastaniengerbsäure auf. Die Laubblätter, diebisweilen als Verfälschungen des Färber»Sumachs oder im Tabak aufgefunden werden, enthalten Quercetin,Quercitrin oder ein damit verwandtes Glykosid (Queraescitrin), Caroten, Gerbstoff, Harz und ein Phosphatidund sollen bei Rheumatismus lindernd wirken. Während des Krieges wurden die jüngsten Laubblätter alsErsatz von Hopfen benutzt. Die Rinde, die früher als CörtexHippocastani offizinell war und von Bon 1720und Zanichelli 1733 als Fiebermittel empfohlen wurde, hat sich nur bei Diarrhoe und Ruhr als heil»kräftig erwiesen. Sie enthält 2°/o Kastanien»Gerbsäure, ein Oxycumaringlykosid Aesculin (auch als Polychrom,Enakkochrom, Bicolorin oder Schillerstoff bezeichnet), das die blaue Fluorescenz der Auszüge bedingt, dasGlykosid Fraxin (= Paviin), Zitronensäure, Allantoin usw. Als Ersatz für China=Rinde ist sie völlig wertlos.Als Volksmittel wurde sie auch gegen Verdauungsschwächen, Wechselfieber, Erkältungen, Lungenleiden undäusserlich gegen Geschwüre benutzt. Technisch dient sie gegenwärtig in Italien zum Gerben, bisweilen auch zumBraungelbfärben von Wolle. Das Aesculin spaltet sich durch Einwirkung von Säuren in Glykose und Aescu»litin. Nach Sigmund soll auch das Enzym Aesculase dieselbe Aufspaltung hervorrufen. Die eisengrünendeKastaniengerbsäure ergibt das Kastanienrot. Im jungen Holze wurde ein starkes diastatisches Enzym festge»s 'eUt, in den Knospen Asparagin und wahrscheinlich Leucin, aber kein Quercetrin, in den KnospenschuppenAesculin, Phyllaescitannin, Gerbsäure, Harze und pektinartige Stoffe. Die geschälten Samen enthalten 6,5 °/oSaccharose, 3% Pentosane, 0,26 0 /o Fettsäure, 0,64° o Stickstoff und 0,9°/» Gerbstoff, die Schale selbst 2°/o Pento»sane, 0,45°/o Gerbstoff und 0,27°/o Stickstoff. Ferner werden in den Keimblättern von Fremy angegeben:
222'
Fig. 1869. Aesculus Hippocas tanu m L. a Blühender Trieb, b Junger Fruchtstand.
et Mey. in Ostasien) und F o r»