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77. Fam. Hippocastanäceae 1 ). Rosskastaniengewächse.
(Bearbeitet von H. Beger.)
Sommergrüne Bäume oder Sträucher mit gegenständigen, aus 3 bis 9 Blättchen finger»förmig zusammengesetzten Laubblättern. Nebenblätter fehlend. Blüten vielehig, schief zygo=morph, mit Kelch und Krone (Fig. 1864 h), ansehnlich, in endständigen Wickeltrauben. Kelch»blätter 5, frei oder verwachsen, in der Knospenlage dachig. Kronblätter 4 oder 5, ungleich,kurz benagelt. Staubblätter 5 bis 8, frei, mit aufrechten oder abwärts gebogenen Staubfädenund introrsen Staubbeuteln. Diskus ausserhalb des Staubblattkreises, ungeteilt oder gelappt, ofteinseitig entwickelt. Fruchtblätter 3, einen 3»fächerigen (Fig. 1866 h), oberständigen Fruchtknotenbildend, mit verlängertem Griffel und einfacher Narbe. Samen je zu 2 in jedem Fach, mit 2 Inte»
gumenten, in der Regel ver=schieden angeheftet: der untereabsteigend mit rückenständigerRaphe, der obere aufsteigend mitbauchständiger Raphe oder wag»recht abstehend. Kapsel lederartig,meist 1», seltener 2= oder 3=fach eng(Fig. 1866 k, o), 1 »sämig, fach»spaltig, 3=klappig aufspringend.Samen gross, rundlich, mit glän»zender, lederartiger Schale undflachem, grossem, mattem Nabel»fleck, ohne Nährgewebe. Keim»ling gross, mit dicken, halb»kugeligen Keimblättern und einemin einer durch Verdoppelung derSamenschale gebildeten Tascheliegenden Würzelchen (Fig. 1865 f).
Die insgesamt nur etwa IS Artenumfassende Familie steht, wie auch diesero.diagnostisdien Untersuchungen vonHoeffgen gezeigt haben, den Sapin«Fig. 1864. Aesculus HippocastanumL. a Auskeimender Samen, b Keimpflanze, daceen Und Aceraceen sehr nahe undK^» treib ^ d a e S pr 0»sp'teen mit Knospenschuppen, berv. Knospenwhuppen Mt jn die beiden eng verwa ndtenund Laubblattern. / Längsschnitt durch einen Sprosstrieb. g Uebergangsgebilde zwi- / °
sehen Knospenschuppe und Laubblatt, h Blütendiagramm (nach Marktanner). Gattungen Aesculus L. und Blllia
Peyritsch. Letztere ist tropisch undunterscheidet sich von Aesculus im wesentlichen nur durch3>fingerige Laubblälter, fast freie Kelchblätter und denexzentrischen Diskus. Sie besitzt einen Vertreter, B. Hippocästanum Peyr., im mexikanischen Hügelland undeinen zweiten, B. C o 1 u m b i ä n a PI. et Lind., in Neu-Granada, Venezuela und Guatemala. Aesculus berührt dieTropen nur in Ostindien und ist sonst auf die Subtropen und die gemässigte Zone der nördlichen Hemisphäre be>schränkt. Die Polargrenze der Familie fällt also mit der von Aesculus zusammen und wird in Europa von A. H i p p o«cästanum L. (Bulgarien, Nord-Griechenland), in Asien von A. Indica Colebr. und A. punduäna Wall. (Hima.laya), A. Chin^nsis Bunge (Nord.China), A. turbinäta Bl. und A. dissfmilis Bl. (Japan), in Amerikavon A. oetändra Marsh. (südliches Canada) gebildet. Im Tertiär lag — wenigstens in Europa — die Grenzebedeutend nördlicher, wie Funde aus dem Miozän von Bilm in Böhmen (Palaeohippocästanum Ettingsh.),aus dem Pliozän von Wielizka und Frankfurt a. M. (an letzterem Ort vielleicht A. Hippocastanum) undaus interglazialen Ablagerungen bei Leffe in den Bergamasker Alpen (A. Hippocastanum sehr nahestehende
') Abgeleitet von tnnos [hippos] = Pferd und xdoiuvos [kdstanos] = Edelkastanie; infolge der äusserenAehnlichkeit der Früchte der Familie mit den Scheinfrüchten von Castanea sativa. Die Verbindung beider Namenwurde deshalb geschaffen, weil die Türken ihre Pferde mit den Samen als Mittel gegen Husten fütterten.