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5,1 (1925) Dicotyledones : (III. Teil)
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und in Westfalen, sowie in Schleswig-Holstein (nach Dänemark und nach dem Rheinland) wurden ehedem ganzeWagenladungen in die grossen Städte und ins Ausland geschickt. In der Konstanzer Gegend pflegten die von(Maria) Einsiedeln (Schweiz) nach Schwaben zurückkehrenden Caravanten der Wallfahrer Stechpalmenzweigeals Feldzeichen auf den Hut zu stecken. Im Sinne des Naturschutzes ist es gewiss zu begrüssen, dass z. B.die städtische Friedhofverwaltung in München seit Jahren (1903) keine Ilex.Kränze mehr annimmt. Vielfachwird die Stechpalme auch von Gärtnern kultiviert (vgl. obenKulturformen"). Infolge des reichlichen Stockaus«Schlages eignet sich der allerdings sehr trägwüchsige Strauch für lebende Hecken (Fig. 1829). Eine alte Ilex.Alleevon mehreren hundert Meter Länge steht beim Gute Westerholt im Bergischen. Das ungemein harte undsehr gleichmässige, schwerspaltige,gelblich» bis grünlxchweisse, zer=streutporige Holz, das sehr leichtPolitur annimmt, eignet sich beson«ders zu Drechslerarbeiten, zuWerkzeugstielen, Spazierstöcken,

Peitschenstielen, Dachsparren usw.

Im Berner Oberland wurden frühersolche Spazierstöcke, denen einGemshorn als Griff diente, denFremden zum Verkaufe angeboten.

In der Medizin wurde ehedem abund zu ein Absud aus den Blätterngebraucht bei Wechselfieber, alsDiureticum bei Gicht« und Stein,leiden, auch wohl gegen Kolik undDurchfall. Die Blätter enthaltenGerbstoff und das glykosidischeIlicin. Häufiger finden sie noch inder Volksmedizin Anwendung. Im Bergischen ist die Verwendung gegen Gelbsucht recht häufig; es heisst dortauch, dass nur die unbestachelten Blätter eine Wirkung hätten. Am Niederrhein werden die Blätter zu diesemZweck braun gebrannt. In der Gegend von Calw (Württemberg) gelten die mit Zucker eingekochten Früchteals gutes Mittel gegen Seitenstechen.

Die Stechpalme ist vielleicht die tiqZvos dyoia [prinos agria] des Theophrast (Hist. plant. III, 4).Unter ngLvog ist die Stein.Eiche (vgl. pag. 234, Anm. 2) zu verstehen. Plinius (Nat. hist. XVI, 19) nenntalsAbart" derilex" (= Quercus ilex) eineilex aquifolia" (scharfblätterige Ilex). Vielleicht ist damit unserePflanze gemeint. An anderer Stelle (XXIV, 116) schreibt er, dass die Blätter deraquifolia" zerquetscht gutbei Gelenkkrankheiten, die Beeren bei Ruhr, Gallensucht, Verdauungsbeschwerden und Frauenleiden anzu«wenden seien. Der Baumaquifolia" halte, bei einem Haus oder Landgut gepflanzt, alle Zaubereien fern. Obdarunter wirklich Ilex Aquifolium zu verstehen ist (und nicht ein anderer Baum mit immergrünen, stacheligenBlättern), bleibt zweifelhaft. Albertus Magnus (13. Jahrhundert) beschreibt die Stechpalme merkwürdigerweisealsdaxus" (De Veget. IV, 115). Einen verhältnismässig guten Holzschnitt der Stechpalme bringt das Kräuter«buch (Ausgabe von 1551, S. 402) von H. Bock (Tragus). Er benennt sie bereits mit diesem Namen, sowiemitWalddistel" und bemerkt, dass der Baumim Ydar naher dem berghauss Veldentz [Veldenz im Reg.«Bez. Trier] gegen der Moselen [Mosel| seer hoch und gross aufwechst", dagegen z. B.nidertrechtig" (klein,strauchartig) bleibe im Hagenauer Forst (Elsass). Auch die noch heute übliche Verwendung der Zweige amPalmsonntag erwähnt Bock (er war protestantischer Predigerl) mit den Worten: Der gemein verfüret hauffstecket disen palmen / wann er geweihet würt / über die thürschwellen des hauhs / und der vihe Ställe / derZuversicht / es sol das wetter nit dahin schlagen / wo diser Stechpalmen gefunden werde*. Der NameIlexaquifolia" für unsere Pflanze findet sich (mit Hinweis auf Plinius, vgl. oben) zuerst im Kräuterbuch vonA. Lonicer (16. Jahrhundert).

74. Farn. Celasträceae. 1 ) Baumwürgergewächse.

Bäume oder Sträucher mit einfachen, gegen» oder wechselständigen, selten quirligenLaubblättern und mit kleinen, faden» oder sdiwielenförmigen, hinfälligen oder bleibenden

') Abgeleitet von xrjXaargof [kdastros], unter welchem Namen Theophrast die immergrüne P h i 11 y r e a1 a t i f o 1 i a (Oleaceae) verstand.

Fig. 1829. Stechpalmen-Hecke. Phot. Frau Isabella Hegi-Naef, Riischlikon (Schweiz).