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folium die Blätter der oberen Zweige keine Stacheln mehr ausbilden, hat man früher (so Kern er) allgemeindahin erklärt, dass die in solcher Höhe befindlichen, also unerreichbaren Blätter keinen Schutz gegen Tierfrass(z. B. gegen weidende Wiederkäuer) mehr „nötig" hätten. Mit Recht macht Lo es en er darauf aufmerksam, dassdamit die Tatsache nicht erklärt ist. Sie macht nach ihm vielmehr „ganz den Eindruck einer Gesetzmässigkeit,die mit der inneren Organisation der Pflanze zusammenhängen dürfte". Der Vermutung Foersters, dass IlexAquifolium vielleicht aus der Kreuzung einer bestachelten Art mit einerwehrlosen hervorgegangen sei, stimmt L o e s en er bedingt zu, indemer es für wahrscheinlich hält, dass die Stammform der Gruppe der Oxyo»
dontae (zu der die Stechpalme gehört) sich aus einer ursprünglich un» Y ' s \f'\f~~
bewehrten Urform entwickelt hat. Andererseits müssen der Verlust der
Stacheln, das Unterbleiben der Wellung und die Verschmälerung der # W M
Spreite nach Loesener sowohl untereinander als auch—da die Bäume $ ® ,f ff j| * il || S| 'Spofgleich allen anderen Körpern in den 5 Richtungen des Raumes wachsen I| $J I
— mit der alljährlich progressiv steigenden Zahl der neuzubildendenLaubblätter in irgend einem mathematischen Zusammenhange stehen. Wyi
Da sich dabei die Leitungsbahnen im Stamme und in den Hauptästen 'II If f | ®)f || Ii! f '■* ™ *im wesentlichen nur verlängern, nicht aber zugleich erheblich erweitern,so hält die Zuführung der zum Aufbau der Stereomteile nötigen Stoffenicht gleichen Schritt mit der zahlenmässigen Vermehrung der Laub,blätter am Gesamtorganismus und ruft die stachellose Spreitenform hervor.
Damit steht die Beobachtung im Einklänge, dass die während des stärksten
Treibens gebildeten Blätter Wellung und Bestachelung am ausgeprägtesten zeigen, während die am Anfange und gegen Ende der Vegetationsperiode sich entwickelnden
Fig. 1827. Querschnitt durch das Laubblattvon Ilex Aquifolium L. e Epidermismit sehr starker Cuticula, darunter eineinschichtiges Hypoderm ( h ). p Chloro-phylliiihrende Palissadenzellen.
die eben genannten Merkmale oft in sehr abge»schwächtem Masse aufweisen. Dass an älteren Ilex»Exemplaren die Blätter der oberen Zweige eine kleinereBlattfläche (infolge grösserer Schmalheit, Wegfall derWellung und der Stacheln) besitzen als die der unteren,mag auch als Schutz gegen zu starke Verdunstunggelten. Umgekehrt erklärt R. Fischer die durchWellung und Bestachelung herbeigeführte Vergrösse«rung der Blattoberfläche als eine Einrichtung das dif«fuse Licht des Buchenwaldes besser auszunützen.Ferner will Loesener in der Wellung und Bestäche»lung des Blattrandes eine Schutzvorrichtung gegen heftigeund besonders auch trockene und kalte Luftströmungen(z. B. Winterstürme) sehen. Wären die Blätter ganzflach und unbewehrt, so wäre die Blattunterseite infolgeihrer Biegsamkeit bei starken Windstössen diesenschutzlos preisgegeben. Durch die Wellung der Blatt«spreite und die nach allen Seiten gerichteten Stachelnwird aber der Anprall des Windes für das einzelneBlatt doch etwas abgeschwächt. Jedenfalls bedarf esnach dem Gesagten noch eingehender Beobachtungwildwachsender Stechpalmen sowie auch experimentellerUntersuchung, um die Frage nach der Bedeutung der Wel»lung und Bestachelung der Blatter ganz zu klären. Alspathologische Erscheinung sei erwähnt, dass die Madengewisser Fliegen (Agromyza, Phytomyza, Tryp6ta) imBlattparenchym Miniergänge anlegen, die weiss durchdas Blatt durchschimmern. Die Verpuppung erfolgtdann dicht unter der Epidermis der Blattunterseite.Häufig werden die Minen in den Blättern von denMaden der Phytomyza aquifölii Gour. hervor«gebracht. Die Made verpuppt sich im Blatt und überwintert dort als Puppe. Im Juni entschlüpft die fertigeFliege (Mitteilungen der Deutsdien Dendrologischen Gesellschaft. 123, S. 257).
Fig. 1828. Ilex Aquiiolium L. Weiblicher Strauch als Unterholz
im Buchenwald im Tessin.
Phot. Dr. H. Meierhofer in Zürich und Dr. G. Hegi, München.