Was die Gliederung der Gattung betrifft, so zerfällt sie nach Loesener in vier Untergattungen:
1. Byrönia (Endl.) Loes. Blütenstände einzeln in den Blattachseln oder einzeln am Grunde der jungenTriebe, meist ziemlich lang gestielt. Blüten heteromer (seltener isomer). Fruchtknoten 5» bis 22=fä<herig. —Fast ausschliesslich tropische Arten der Alten Welt und Polynesiens-, eine Art (I. microcöcca) in Ostasien.
2. Yrbönia Loes. Blütenstände dreigabelig, rispig verzweigt, zwei Samenanlagen in jedem Frucht»knotenfach. — Nur eine Art (I. t e r a t ö p i s Loes.) im andinen Gebiet.
3. Euilex Loes. Laubblätter Wintergrün. Blütenstände einzeln achselständig oder einzeln seitlicham Grund der jungen Aeste oder in den Blattachseln büschelig vereinigt, einblütig oder gabelig verzweigt(Trugdolde, Traube, Rispe). Blüten isomer (selten Fruchtknoten oligomer oder pleistomer), 4» bis 8»zählig. —Die weitaus grösste Untergattung (auch I. Aquifolium L. gehört hieher), die sich in zahlreiche Sektionen gliedert.
4. Prinus (L.) Maxim. Laubblätter sommergrün. Blüten (bezw. Blütenstände) einzeln in den Achselnde r Laubblätter oder zusammen mit diesen gebüschelt. — Etwa 15 Arten (z. B. J. serräta Thunbg., I. deciduaWalt., I. verticilläta (L.) Gray, die zumeist Ostasien und das atlantische Nordamerika bewohnen.
Was die wirtschaftliche Bedeutung der Ilex.Arten für den Menschen betrifft, so stehen hier obenandie Arten, deren Blätter den bekannten Paraguay-Tee, Parand»Tee (Mate) liefern. 1 ) Es bandelt sich hier etwaum 15 bis 20 südamerikanische Arten, von denen die wichtigsten sind: I. Paraguariensis St. Hil. (die ammeisten benützte Pflanze; einheimische Namen: Congonha; span.: Yerba Matte; portug.: Herva Matte; etwazwischen dem 13° und 31° südl. Breite), 1. th6ezans Mart., 1. amära (Veil.) Loes., I. Glazioviäna Loes.,I. affinis Gardn. Uebrigens liefern auch einige nicht zu den Aquifoliaceen gehörige Pflanzen den Mate,so Symplocos «Arten (Symplococaceae), V illar 6zia Congönha Miers und V. mucronäta Ruiz et Pavon(Icacinaceae) sowie Lomätia obliqua R. Br. (Proteaceae); diese sind jedoch von geringer Bedeutung.Wie altperuanische Gräberfunde beweisen, ist der Mate.Genuss sehr alt. Durch die in Südamerika alsMissionäre tätigen Jesuiten (daher auch früher „Jesuiten=Tee" genannt) kamen die ersten Nachrichten von derYerva Mat6 nach Europa. Sie waren es auch, die Kulturen der Pflanze anlegten. Nach Vertreibung derJesuiten verfiel auch die Mate-Kultur in Südamerika und wurde erst viel später (gegen Ende des 19. Jahr»hunderts) wieder aufgenommen. Uebrigens stammt auch heute noch der weitaus grösste Teil des in denHandel kommenden Mate von wildwachsenden Pflanzen. In neuester Zeit versucht man den Mategenuss (alsErsatz für chinesischen Tee) auch in Europa einzubürgern. Die Bedeutung des Mate für die Bevölkerung Süd»amerikas geht daraus am besten hervor, dass dort der Mate annähernd 20 Millionen Menschen als täglichesGetränk dient sowie daraus, dass z. B. im Jahre 1906 aus Brasilien allein 57796403 kg Mate im Werte vonetwa 4 405 780 Mk. (Friedenswährung) ausgeführt wurden. Das meiste davon ging nach Argentinien, Uruguayund Chile, auf Deutschland trafen nur 53 kg. Die Weltproduktion an Mate schätzte man 1S99 auf etwa100 Millionen kg. In Brasilien werden die Mate»Blätter in der kalten Jahreszeit (Mai bis September) geerntet.Die abgebrochenen, dünnen Zweige mit den Blättern werden schnell durch ein Feuer gezogen, was den Zweckhat, die harten, steifen Blätter etwas weicher zu machen. Geschieht das nicht, so werden die Blätter beimDörren schwarz. Hierauf werden sie noch einmal durch ein Feuer oder heisse Luft erhitzt; dann lässt man sienoch einige Tage „schwitzen" (fermentieren). Schliesslich werden sie über einem freien Feuer vollständiggetrocknet. Dann werden die Zweige und Blätter zerbrochen, die grösseren Aststücke werden ausgelesen und dasganze wird in Körbe verpackt (Roh=Mate). Eine feinere Sorte wird dadurch hergestellt, dass man den Roh»Mate in Mate.Mühlen noch weiter zerkleinert und von Verunreinigungen befreit. Bei der Bereitung desAufgusses gibt man etwa 10 g Blätter auf einen Liter Wasser. Der Aufguss muss warm genossen werden,da er beim Erkalten seinen Wohlgeschmack verliert. Die Verwendung des Mate als Getränk beruht aufseinem Gehalt an Koffein (je nach Sorte '/a bis 3°/o), also dem Stoff, der auch im chinesischen Tee und Kaffeeenthalten ist, dementsprechend regt auch der Mate das Nervensystem an. Ein allzureichlicher Mate»Genussjedoch ist schädlich. Jedenfalls aber scheint der Mate unschädlicher als der chinesische Tee zu sein und würdesich daher als dessen Ersatz wohl eignen. Als Arzneimittel wird Mate (Fölia Mate) bei uns nur wenigangewendet. Er soll bei Migräne, Durchfall und als Diureticum gute Dienste leisten. Die Blätter einer anderenIlex.Art, nämlich die von I. Carolinidna (Lam.) Loes. (= I. Cassine Walt., = I. vomitöria Ait.) liefernebenfalls einen Tee, der von den Amerikanern als „black drink" bezeichnet wird. Der Tee wird bei Er»krankung der Harnwerkzeuge und Gelenke verwendet, soll aber auch wie der Mate einen wohltuendenEinfluss auf das Nervensystem ausüben. Ihr Verbreitungsgebiet ist das südliche Nordamerika von Texas undArkansas bis Virginien und Florida.
') Vgl. Neger, F. W. und Vanino, L. Der Paraguay»Tee (Yerba Mate). Sein Vorkommen, seineGewinnung, seine Eigenschaften und seine Bedeutung als Genussmittel und Handelsartikel. Stuttgart, 1903 (ent«hält auch die wichtigste Literatur); Heinze, E. Der Matte oder Paranä.Tee. Seine Gewinnung und Verwer»hing, sein gegenwärtiger und künftiger Verbrauch. Beihefte zum Tropenpflanzer. Berlin. Bd. XI nr. 1, 1910.