(vgl. Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft, IL, 1922) gelungen, den Buchs fossil für Thüringen nadizu»weisen, wo er mit Corylus Avellana, Acer campestre und anderen Gliedern der beutigen Waldflora in den Kalktuffenvon Bilzingsleben eingebettet liegt. Da der Strauch gegenwärtig nur in Gebieten mit einer mittleren Jahres«temperatur von nicht unter + 10" wildwachsend auftritt, so schliesst Werth aus seinem bedeutsamen Funde aufein etwa um 2° höheres Jahresmittel in der letzten Eiszeit in Thüringen. Nach Spinner kann der Temperatur«durchschnitt allerdings etwas tiefer liegen. Audi trifft die Annahme von Werth nicht zu, dass der Buchsseine Verbreitung nur in den im Mittel frostfreien Gebieten habe (nach Spinner z.B. für das Gebiet vonNeuenburg). Auch in den Alpen, an deren Nordfuss die Vorkommen hinsichtlich ihrer heutigen Natürlichkeitsehr fraglich sind und in deren Inneren der Buchs gegenwärtig gänzlich fehlt, wurde er mehrfach festgestellt.Bei Höttingen nächst Innsbruck bildete er zusammen mit Rhododendron Ponticum den Unterwuchs eines ge«mischten Laubwaldes, in welchem Acer, Picea, Tilia platyphyllos, Ulmus campestris, Prunus avium usw. vor«kamen. Ebenso trat er bei Noranco unweit Lugano und bei Pianico«Sellere am Iseo=See im Gebüschgürteleines mesophilen Waldes auf, der vorwiegend aus Laubhölzern, am letztgenannten Orte z. B. Acer (wahrschein«lieh Acer Opalus una A. Lobelii Ten.), ferner Castanea vesca, Quercus sessiliflora, Carpinus Betulus, Ulmuscampestris, Tilia sp., Ilex Aquifolium, Crataegus Pyracantha, Vitis vinifera u. a. bestand. In ähnlicher Gesell«schaft wuchs er auch bei Flurlingen unweit Schaffhausen. Die Ablagerungen von Cannstatt zeigen ihn ge«meinschaftlich mit Abies, Picea, Salix fragilis, Populus tremula, P. alba und P. Fraasii (?), Juglans regia, CorylusAvellana, Carpinus Betulus, Betula pendula, Quercus peduneulata, Ulmus sp., Evonymus Europaea FrangulaAlnus, Tilia sp., Cornus sanguinea usw. In Frankreich wurde er, ebenfalls auf ein gemässigt warmes Klimahinweisend, in quaternären Schichten des Seinebeckens bei Resson, sowie bei Celle sous Moret (hier zusammenmit Laurus Canariensis, Acer Pseudoplatanus und Fraxinus) nachgewiesen. Ein sehr nahe verwandter Vor«läufer des Buchses ist der in pliozänen Ablagerungen des Maintales, sowie solcher von Frankreich aufgefundeneBuxus p 1 iocenica Sap. et Mar. Durch den allmählichen Temperaturrüdegang und — im Mittelmeer«Becken— durch geologische Umgestaltungen verursacht, starb der Buchs an vielen Orten aus; seine Grenze wurdesüdwärts verlegt und die Spaltung des Gesamtgebietes in die beiden Verbreitungshälften trat ein. Viktor Hehnhat sogar die Anschauung verfochten, dass der Strauch während der grossen Vergletscherungen in ganz Mittel«europa ausgestorben und selbst im Mittelmeergebiet erst durch den Menschen wieder eingeführt worden sei.Er stützt dabei seine Auffassung auf die grosse Wertschätzung, welche der Strauch schon im frühen Altertumgenoss (s. unten), sowie auf die nicht zu leugnende Tatsache, dass sich scheinbar natürliche Buchs.Beständehäufig in der Nähe von Klöstern, Schlössern und deren Ruinen, in der Umgebung von Kirchhöfen usw. vor»finden. Dennoch dürfte die von Hermann Christ (Ueber das Vorkommen des Buchsbaums [Buxus Semper«virens] in der Schweiz und weiterhin durch Europa und Vorderasien in Verhandlungen der NaturforschendenGesellschaft in Basel, 1910), ebenso von Henri Spinner (Contribution a la geographie et ä la biologie du Buis.Verhandl. der Schweizer. Naturforschenden Gesellschaft. Bd. XXXV, 1923/24) aufgestellte Theorie viel grössereWahrscheinlichkeit besitzen, dass für Mitteleuropa ein Rüdegang des Strauches nur in den nördlichenGebietsteilen bis einschliesslich des Alpenzuges anzunehmen sei und vielleicht schon am Ostrande der Jura«ketten seinen Abschluss fand. Der italienische Hiatus dürfte sehr wahrscheinlich mit den- während der Pluvial»zeit einsetzenden, grossen geologischen Umgestaltungen, insbesondere den Meeresbildungen in Verbindungstehen. Postglazial ist dann für Mitteleuropa vom südwestlichen Hauptareal aus eine Neueinwanderung imVerein mit vielen anderen Gliedern der xerothermen Flora erfolgt, die bis zur Mosel und bis nach Belgienvorgestossen ist. Wie weit diese Bewegung selbsttätig nach Nordosten und Osten fortgesetzt wurde, wie weitsie dabei von der unmittelbaren oder mittelbaren Mithilfe des Menschen abhängig war, entzieht sich unserenKenntnissen. M e i g e n erklärt z. B. die Anwesenheit des Buchses (mit Ausnahme der grossen Bestände amGrenzacher Berge) in Baden für anthropogen. En gier hingegen hält (wohl mit Unrecht) die Siedelungen beiSteyer in Oberösterreich sogar für interglaziale Relikte. Durch den Menschen bedingte Gebietsverluste wurden'■ ß- für den Engewald bei Schaffhausen festgestellt, wo Hall er und nach ihm noch Thurmann den Strauchbeobachten konnten. Für den schweizerischen Gebietsanteil glaubt Christ, dass die sich nach dem Rüdezugder grossen Vergletscherungen am Ostfuss der Juraketten bildende grosse Seefläche, als deren Reste derGenfer«, Neuenburger» und Murtensee, sowie die grossen Jura«Möser anzusehen sind, der Rückwanderung desBuchses nach dem Osten unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellte und eine Besiedlung des SchweizerischenMittellandes verhindern musste. Die Heranziehung der mit dem Buchs i sicher in Zusammenhang stehendenOrts, und Flurnamen bietet für eine gegenteilige Anschauung keine sichere Gewähr. Von den etwa 30 vonJosef Leopold Brandstätter für die deutsche Schweiz aufgeführten Namen liegt ein grosser Teil im nord«östlichen Jura (Buchsgau, Oberbuchsiten usw.), der allerdings reich an Buchsbeständen ist. Andere Ortsnamen(so Buchs in den Kantonen Luzern, Aargau und Zürich) leiten sich wohl von dem mittellateinischen buxinum, boscumBusch, Gebüsch, Gestrüpp ab. Ferner lässt sich nach Waldburger der Ort Buchs im st. gallischen Rheintalmit bugo, puges = Hügel (vom lat. pödium; franz.: pusg; ital.: poggio) in Beziehung bringen. Der Führung
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