Dictamnus in Würzburg noch massenhaft auf den Markt. Zusammen mit den Wurzeln von Imperatoria Ost»ruthium, Angelica officinalis, Inula Helenium, Carlina acaulis und Pimpinella ergibt die Pflanze ein in Volks«kreisen benütztes, magenstärkendes Mittel. Nach Paula v. Schrank (1789) wurde die Wurzel früher auchmit Zucker eingesotten. Das Pulver wird für sich allein oder mit Ingwer oder der Wurzel von Acorus Calamusmesserspitzenweise gegen Magenkrämpfe, Würmer, Wechselfieber und Unterleibsstockungen der Frauen angewendet.Ein Gemenge von Diptamwurzel, Päonienwurzel und getrockneten Mistelzweigen geht als Geheimmittel gegendie Epilepsie. Stoerk hingegen stellte bei Anwendung einer aus der Wurzel hergestellten Tinktur eine Ver»Stärkung epileptischer Anfälle fest. Die Homöopathie bereitet aus den frischen Pflanzen eine Essenz, diepotenziert bei Frauenkrankheiten verwendet wird (Z i e g e n s p e c k). Aus den Samen und den Blüten wurde früherebenfalls ein medizinisches Mittel gewonnen. Ein Aufguss der Pflanze soll früher als Schönheitsmittel benutztworden sein. In Sibirien dienen die jungen Laubblätter als Tee.Ersatz. Im Hortus Eystettensis wurdedie Pflanze bereits unter dem Namen Fraxinella, gemeiner Diptam oder Aschwurz gezogen. In Niederbayern,Schwaben, in der Pfalz, Mittel» und Unterfranken, sowie bei Bruchsal und Engen in Baden ist die Pflanze ge»setzlich geschützt. — Die nach Zitronen oder Zimmet duftenden Blüten sind proterandrisch und ähneln in ihremblütenbiologischen Verhalten denen der Rosskastanie. Die dem unteren Kronblatt aufliegenden Staubblättersind im männlichen Zustande oberhalb der Mitte aufrecht gekrümmt und verstäuben nacheinander, wobei die
3 hinteren, epipetalen beginnen. Der Griffel ist bis zu dieser Zeit zwischen den Staubblättern verborgen, dieNarbe etwas abwärts gekrümmt. Nach dem Verstäuben strecken sich die Staubfäden gerade, sodass derrechtwinkelig aufwärts gekrümmte Griffel dadurch frei wird und nun seinerseits den Weg zum Nektar ver«sperrt. Anfliegende Insekten, namentlich Apiden, lassen sich auf den Staubblättern und dem Griffel nieder.Die Blütendauer währt 8 Tage. Nach dieser Zeit entblättert sich die Blüte, indem zunächst die Kronblätter, danndie Staubblätter und schliesslich der Griffel abfallen, während der Kelch ziemlich lange erhalten bleibt.Die Bewegung der Staubblätter wird im Gegensatz zu denen von Ruta durch die Schwerkraft bedingt. NachDufour bleiben auf dem Klinostaten die Blüten radiär und die Staubblätter und Griffel führen keine Be»wegungen aus. Verdunklung ist dabei ohne Einfluss. Die durch Drüsen und dickliche Borsten rauhenBalgkapseln zeigen folgenden wirksamen Oeffnungsmechanismus: Bei der Fruchtreife platzen sie im oberenTeile der Bauchnaht auf, wobei die Innenseite des oberen Mesokarpteiles blossgelegt wird. Dann reisst sichder Mesokarpteil vom oberen Endokarp.Hauptstück los, während dessen unterer Teil geschlossen bleibt undmit dem zugehörigen Mesokarpteil eine hülsenartige Röhre bildet, in welcher die Samen eingeschlossen liegen.Der hakenförmig gebogene obere Teil des Mesokarps trocknet nun aus und übt dabei einen immer steigendenZug auf das Epikarp aus, dem nur die feste Verwachsung an der oberen Kante an den beiden Spitzen derTeilfrucht und im unteren Mesokarp noch Widerstand gegen ein Losreissen gewährt. Bei weiterem Austrocknenlöchert sich auch der obere Rand, so dass dann bereits eine leichte Berührung genügt, um beide Teile zu trennen.Die Hälften schlagen zusammen, rollen sich ein und werden aus der Frucht geschleudert. Dabei wird die vomEndokarp zusammengehaltene Hülse zerrissen und die Samen mit grosser Gewalt herausgeworfen. Die grösstegemessene Wurfweite beträgt über 2 m. Die Keimung der Samen wird durch Licht sehr stark verzögert. DieEntwicklung der eigenartigen, mützenförmigen Drüsenhaare nimmt nach J. R a u t e r (Zur Entwicklungsgeschichteeiniger Trichomgebilde in Denkschriften der K.Akademie der Wissenschaften Wien, 1870) folgenden Verlauf (Fig. 1716):Eine Oberhautzelle teilt sich, ohne vorher papillös zu werden, in 4 Tochterzellen, deren jede wieder durcheine parallel zur Epidermis verlaufende Wand in 2 weitere Zellen zerlegt wird, sodass 2 Stockwerke mit je
4 Zellen entstehen. Die untere Lage beginnt sich nun zu strecken und wölbt dadurch die oberen Zellen empor.Gleichzeitig setzt eine lebhafte Zellteilung ein, die zu einer Aufbauchung im Inneren führt. In jungen Stadiensind diese so entstehenden Drüsenhaare farblos und dicht mit protoplasmatischer Masse erfüllt. Später wirdder Inhalt durch Chlorophyll grün gefärbt und wandelt sich zuletzt in ein ätherisches Oel um. Dieses dientnach den Untersuchungen von Stahl als Schutz gegen Schneckenfrass, zurZeit des Eintrocknens nach Ludwigauch als Abwehrmittel gegen Insekten, die am Stengel emporkriechen (vgl. auch Detto, C. Flora 1903). —Bildungsabweichungen sind bei Dictamnus häufig. Es wurden z. B. festgestellt! pelorische Gipfelblüten, Ver»grünung aller Blütenkreise, wozu sich oft Durchwachsungen gesellen können, regelmässigstrahlig gebaute Blüten,Tetra« und Hexamerie, Verwachsung von Kelch« bezw. Kronblättern, monadelphische Verwachsung der Staub»blätter, Verkümmerung von 5 Staubblättern zu Staminodien, Verbänderungen usw. An den Stengeln findetsich bisweilen die Ascomycete Ophiöbolus dictämni (Fuck.).
67. Fam. Simarubäceae. 1 ) Bitterholzgewächse.
Bäume oder Sträucher mit bitterer Rinde. Laubblätter wechselständig oder seltenergegenständig, gefiedert oder einfach, meist ganzrandig, niemals durchscheinend punktiert.
*) Simarüba ist der Name, den die Eingeborenen einem zu dieser Familie zählenden Baume geben.
Hegi, Flora. V, 1. 208