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Die der altweltlichen Nordhemisphäre angehörende Gattung umfasst über 50 Arten, von denen die artenarmeUntergattung Eurüta Engl. 4=zählige Seitenblüten mit meist gezähnelten oder gefransten Kronblättern und stetskahlen Staubblättern, sowie fiederspaltige bis mehrfach fiederteilige oder gefiederte Laubblätter besitzt, währenddie Untergattung Haplophyllum (Juss.) Engler mit etwa 50 Arten fast immer 5»teilige Blüten mit ganzrandigenKronblättern und mitunter behaarten Staubblättern, sowie ungeteilte bis 3»teilige oder fiederteilige Laubblatteraufzuweisen hat. Die erstgenannte Untergattung ist vorzugsweise mediterran, greift aber z. B. mit der strauchigen,auf Palma endemischen R. p i n n ä t a L. f. auf die Kanarischen Inseln über. Häufigere, zu dieser Gruppe gehörendeArten sind ausser der auch im Gebiet auftretenden R. gravdolens L. (pag. 69) R. montäna L. (= R. legitimaJacq.), von ersterer durch schmallineale Blattabschnitte und noch stärkeren Geruch verschieden (von Portugal undMarokko bis zum Kaukasus verbreitet), und R. Chalepönsis L., mit gefransten Kronblättern (von denKanarischen Inseln, Portugal und Marokko bis zur Türkei ziehend). Die sehr formenreiche UntergattungHaplophyllum findet sich vorwiegend im östlichen Mittelmeergebiet und Zentralasien, weniger in Ober«italien, Südspanien und Nordafrika. Sie ist dadurch systematisch von Bedeutung, dass sich bei ihr Verminderungder Zahl der Samenanlagen von 6 auf 2, sowie auch geschlossene Teilfrüchte an Stelle der aufspringendenfinden. Von dieser den Steppen eigenen Gruppe tritt im Gebiete nur R. Patavxna L. (pag. 73) auf, diezu der 32 Arten umfassenden Sektion der Biovuldta Boiss. (mit je 2 Samenanlagen in jedem Frucht»knotenfach) zählt. Entsprechend den klimatischen Verhältnissen finden sich in der Gattung alle Uebergängevon der Staude zum Halbstrauch und auf den Kanarischen Inseln sogar zu der oben erwähnten Strauchform.Den Ursprung der Gattung sucht Engler in einer ostasiatischen hypothetischen Stammform, aus der sichandererseits die gegenwärtig monotypische, in den Gebirgsländern von Khasia, dem Himalaya und den Ge«birgen Chinas und Japans heimische Gattung Boenning«haus6nia Rchb. entwickelt haben soll.
1. Laubblätter unpaarig gefiedert, mit 1 bis 3fiederspaltigen Fiedern. Seitenblüten stets 4«teilig. Staub»blätter kahl R. graveolens nr. 1807.
I 4 . Untere Laubblätter ungeteilt, die übrigen3»zählig eingeschnitten. Blüten meist alle 5»teilig. Staub»blätter am Grunde spärlich bärtig. R. Patavina nr. 1 SOS.
1807. Ruta graveolens L. Weinraute,
Gartenraute, Kreuzraute. Franz.: Rue, rue desjardins, rue puante (in der Westschweiz: Rue,roue, rotta); engl.: Rue ; ital.: Ruta (im Tessin:
Erba rüga). Taf. 176, Fig. 2; Fig. 1710 bis 1713.
Raute (mittelhochd. rüte) ist ein Lehnwortaus dem gleichbedeutenden latein. ruta. Die nieder,deutsche Form lautet Rue, die alemannische Rüte(n).
Nach dem weinähnlichen Geruch heisst die Pflanze imBayeris ch.österreichischen auch Wein(n)raut(e)n, Weinkraut. Andere Benennungen sind ferner D r ö e g»blad, Pingstwuttel (Untere Weser), Totenkräutel (Oesterreich).
Kräftige Staude mit holziger Wurzel und schiefem, ästigem Erdstock, zuweilen fasthalbstrauchig. Sprosse kahl, bleichgrün, i dicht mit punktförmig durchscheinenden bis warzigvortretenden Oeldrüsen von herbaromatischem Geruch besetzt. Stengel starr aufrecht, 2 bis5 (9) dm hoch, meist nur am Grund und im Blütenstand verzweigt, stielrund, unterwärts i ver»holzend, i 9 bis 12 Laubblätter in- s /s Stellung tragend. Laubblätter i 4 bis 11 cm langund 3 bis 7 cm breit, unpaarig gefiedert, mit 1 bis 3 fiederspaltigen Fiedern, mit spateligenbis lanzettlichen, vorn sehr fein gekerbten oder gesägten Endabschnitten, etwas fleischig, bleichgelblich» oder bläulichgrün, mit nur unterseits deutlichen Mittelnerven. Blütenstand trugdoldig,aus in wicklige Aeste ausgehenden Dichasien mit ungeteilten und 3=spaltigen Hochblättern
[rhyein] = fliessen machen. Das davon abgeleitete Raute bezeichnet auch eine ganze Reihe anderer Pflanzen mit irauten« oder rhombenförmigen Blattabschnitten, so Botrychium (Bd. I, pag. 44), Thalictrum (Bd. III, pag. 587)und Artemisia.Arten. Dioskurides unterschied ähnlich wie auch Theophrast und Galen 3 Arten Vonrtryapov [peganon], von denen er für nryavov xrjnaioy [peganon käpaion] als römischen Namen ruta hortensisund für nrjyavov iqeivov [peganon oreinön] ruta montana angibt, wogegen die dritte Art wohl Peganum Harmala ist.
Fig. 1711. Ruta graveolens L. a und b Diagramm und Ent-faltungsfolge der Staubblätter (nach Goebel). c Blütendiagramm(nach Marktanner). d Keimpflanze.