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5,1 (1925) Dicotyledones : (III. Teil)
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sie die Stammform der wilden Zitrone sein. Die Früchte dienen in Mitteleuropa in erster Linie als Zutaten zu Küchen»speisen und nach orientalischer Sitte zur Herstellung der erfrischenden Zitronenlimonade. Diese Zubereitung erfreutesich unter dem Kardinal Mazarin in Frankreich grosser Beliebtheit und veranlasste das Auftreten der erstenLimonadiers", die bald eine ähnliche Rolle wie gegenwärtig dieCafetiers" spielten. Der Wert des Getränkesberuht nicht nur auf seiner erfrischenden, sondern auch auf der fäulniswidrigen Wirkung. In den Kräuterbücherndes Tabernaemontanus heisst es, dass der Zitronensaftnicht allein wider die innerliche Fäulung und das Giftsehr gut und kräftig" sei, sondern auchgegen alle Traurigkeit und Schwermütigkeit des Herzens und dieMelancholey". Die Rinde widerstehe dem Gift,dann zur Zeit der Pest soll man sie in den Mund halten,auch einen Rauch damit machen". Der Saft gilt heute als ausgezeichnetes Mittel gegen Scorbut (Mund» undZahnfleischfäule) und muss deshalb nach den bestehenden Verordnungen von Schiffen auf weiten Seereisenmitgeführt werden. Auch bei Gicht, Fieber und Wassersucht wirkt Zitronensaft mildernd. Auf die rituelleVerwendung wurde bereits bei der Ethrog«Zitroneaufmerksam gemacht. Hinzuzufügen ist, dass auchin gewissen Gegenden Konfirmanden, Firmlingeoder Leichenträger (Pfalz) Zitronen tragen. Unge»klärt ist der Brauch, Schweinsköpfen eine Zitrone indas Maul zu stecken. Für Mitteleuropa kommen alsHaupteinfuhrländer namentlich Süditalien, Sizilienund Spanien in Frage. Eigenartige Kulturen findensich am Gardasee, wo die Bäume im Winter ein.gedeckt werden müssen (Fig. 1708). In Süddeutsch»land wird dem Weizenbier beim Ausschenken häufigein Stüde Zitrone beigegeben. Italien erzeugt im Jahrdurchschnittlich 7 Milliarden Zitronen, von denenein Drittel im eigenen Lande verbraucht, ein Drittelausgeführt und ein Drittel zu zitronensaurem Kalkund Zitronenessenz verarbeitet wird. Die Haupt»

Zitronengebiete Siziliens liegen bei Catania undMessina. Gut gepflegte Bäume können bis 1200,in Ausnahmefällen sogar 2000 Früchte tragen. NachDeutschland wurden 1912 413000 Zentner, nachOesterreich 420 000 Zentner, nach Grossbritannien464000 Zentner und nach Amerika 760 000 Zentnergeliefert, wobei bei Nordamerika zu bedenken ist,dass dieses Land seinen Bedarf in zunehmendemMasse aus seinen eigenen Südstaaten (Florida undKalifornien) deckt. Das durchschnittliche Frisch«gewicht der Frucht beträgt nach König 153,1 g,das sich folgendermassen verteilt j Schale 38,49 %,

Fruchtfleisch 59,22 °/o, Kerne 2,29 °/o, Wasser 82,64%, Invertzucker 0,37 °/o, Zitronensäure 5,39 °/o, Stickstoff»Substanz 0,74 °/o und Aschenrückstände 0,56 °/o. Der Saft enthält 10,44 °/o Extrakt, 1,42 °/° Invertzucker, 0,52 °/oRohrzucker, 5,83 % Zitronensäure, 0,32 °/o Stickstoffsubstanz, 0,20 °/o Asche. Für den Grosshandel wird der Saftaus Zitronen, Cedrolimonen, seltener aus Bergamotten oder (in Westindien) aus Limetten gewonnen. Der Ver»sand erfolgt entweder in einer nach einem älteren Verfahren durchgeführten Eindickung auf 55 bis 60°/o Zitronen»säure (Agro catto), oder aber neuerdings in Form von Zitronenkalk (Citrato di calce, Tricalciumcitrat), derin Nordamerika, Frankreich, Deutschland und England auf Zitronensäure verarbeitet wird. Der Saft kann durchAufkochen mit 10°/o Zuckerlösung haltbar gemacht werden. Synthetisch hergestellte Zitronensäure ist gegen«"wärtig noch zu teuer. Das abgeschälte Flavedo der Frucht liefert die Cörtex Früctus Citri oder dasPericärpium Citri (Cörtex limönis) (Pharm. Germ., Austr. et Helv.), die missfarbig gelblich, schwach bitterschmeckend und fast geruchlos ist. Ihr Gehalt an ätherischen Oelen ist gering, dagegen findet sich darinHesperidin. Die Droge hat nur geringe Bedeutung als würzender Zusatz, z. B. zum Sirupus Melissae com»positum. Durch Pressen der von nicht ganz reifen Früchten stammenden Schalen wird das Oleum Citri (Oleumlimonis, Zitronenöl) von hellgelber Farbe und aromatischem, etwas bitterem Geschmacke gewonnen. Es enthält be»sonders d«Limonen, ferner/S=Phellandren, verschiedene Pinene, Terpinen, Camphen, Octylen, Geranylacetat usw. ImHandel befindet sich auch ein terpenfreies Zitronenöl (Konzentriertes Zitronenöl), das 30 mal stärker als dasnatürliche Oel ist. Wie das Pomeranzenöl ist auch das Zitronenöl wenig haltbar (selten mehr als 1 Jahr)und verharzt leicht. Es wird häufig und mitunter sehr geschickt mit Alkohol, Pomeranzenöl, Paraffinöl,

Fig. 1709. Zitronen als Spalier gezogen in Brissago (Südschweiz).Phot. Dr. G. Hegi, München.