Arzneimittel geworden. Es hat die Fähigkeit, die Lähmung der sensiblen Nervenendigungen, zumal bei ört-licher Anwendung (die durch Adreralinzusatz verstärkt wird), hervorzurufen. Neben der Unempfindlichkeit(z. B. der Schleimhaut) bewirkt es Anämie und (bei Einwirkung auf das Auge) Pupillenerweiterung. So ver-wendet man das Kokain bei kleineren Operationen der Mund« und Nasenhöhle, Harnröhre, Rektum, am Auge,dann zu Zahnextraktionen, zur regionären Anästhesie, Entfernung von Panaritien, ursprünglich audi zurLumbalanästhesie, ausserdem infolge der lokal hindernden Wirkung bei bestehenden Schmerzen und Reizungs.ständen, bei Neuralgien, Schnupfen, Heuschnupfen usw. Der Eintritt der örtlichen Anästhesie erfolgt rasch jdie Dauer ist jedoch im allgemeinen eine kurze (5 bis 10 Minuten), bei Lumbalanästhesie gegen */* Stunden.Ein anhaltender Missbrauch des Kokains führt zu psychischem (Verfolgungsideen, Unruhe, Redeseligkeit, Halluzi-nationen meist angenehmer Natur, Parästhesien der Haut, Unreinlichkeit usw.) und körperlichem Verfall (rascheAbmagerung). Neuerdings ist der Kokaingenuss, namentlich bei Angehörigen der Lebewelt in den Gross»Städten z. T. als Ersatz des Morphiums, zu einer besorgniserregenden Krankheit (Kokainismus) geworden, wes-halb ausser in Amerika auch in Europa namentlich der Handel streng überwacht wird. Das Mittel wirdgegessen, geschnupft und gespritzt. Die Folgen des dauernden Missbrauches, die das Opfer von Stufe zuStufe sinken und schliesslich im Selbstmord, Irrenhaus oder Gefängnis endigen lässt, sind grauenhaft. So erscheintdas Cocain als ein Körper mit Januskopf. In Indien scheint das Kokain im Begriff zu sein, sich mit demBetelbissen zu verbinden; auch wird es dort als Ersatz von Opium eingeschmuggelt. Die Rinde von einigenwestindischen Arten (E. suberösum St. Hil. und E. tortuösum Mart.) gibt eine braunrötliche Farbe; ebensoliefern verschiedene Arten eine Art rötlichen Eichenholzes (redwood).
65. Fam. Zygophylläceae. Jochblattgewächse.
Vorwiegend Sträucher und Halbsträucher, seltener 1 »jährige Kräuter, Stauden oderBäume, ohne Oeldrüsen. Laubblätter meist gegenständig und paarig (oft 1 »paarig», selten 2»paarig»)gefiedert oder ungeteilt, mit Nebenblättern. Blüten endständig, einzeln oder in Wickeln,häufig mit laubigen Vorblättern. Blüten strahlig, zwitterig, mit bisweilen diskusartiger Achse.Kelch» und Kronblätter 5 (seltener 4), in der Knospenlage dachig, sehr selten klappig. Staub»blätter doppelt so viel als Kronblätter, in 2 Kreisen obdiplostemonisch (Fig. 1687c), oder selten5= mal so viel in 3 Kreisen, häufig am Grunde mit meist einwärts stehenden, bisweilen auch denStaubfäden anhängselartig verwachsenen Nebenschuppen; Staubbeutel längsspaltig, in der Mittedes Staubfadenrüdeens aufsitzend. Fruchtknoten 5» bis 4», seltener 2= bis 12=fächerig, ober»ständig mit 1 bis mehreren zentralständigen, hängenden, ana» und epitropen, extrorsen, 2»hülligen Samenanlagen mit oft lang zugespitzter Mikrophyle, in einen kantigen oder gefurchtenGriffel verjüngt. Frucht eine Kapsel oder Schliessfrucht oder in mehrere Teilfrüchte zerfallend.Samen mit oder ohne Nährgewebe; Keimling mit nach oben gerichteten Stämmchen undmeist flachen, seltener dicken, fleischigen Keimblättern.
Die Familie besteht aus rund 160 sich auf etwa 25 Gattungen verteilenden Arten, die fast nur alsBewohner trockener Gebiete auftreten, z. T. sogar sehr charakteristische Gestalten der Wüsten und Salzsteppensind. Ihr Verbreitungsgebiet liegt vorwiegend in den wärmer gemässigten Zonen, weniger in den Tropen. Dieweitaus grösste Zahl von Gattungen und Arten besiedelt eng begrenzte Gebiete. Endemitenreich sind besondersSüdbrasilien, gewisse Teile von Afrika und manche asiatische Steppenbezirke. Nur wenige Arten sind gleich-zeitig alt« und neuweltlich, wie z.B. Tribulus terr^stris L., der sich über die wärmeren gemässigten undtropischen Zonen der ganzen Erde erstredet (Fig. 1685), ebenso T. eis toi des L., ein Bewohner der tropischenKüstenländer. — Nach den neueren Untersuchungen von Engler gliedert sich die Familie in 7, ihrem Umfangnach sehr ungleich grosse Unterfamilien. Die erste und grösste, die der Zygophylloideae, besitzt gegen,ständige Laubblätter und fach- oder scheidewandspaltig aufspringende oder in Coccen zerfallende, höchstensaus 5 Fruchtblättern bestehende Kapselfrüchte ; beerenartige Früchte sind selten. Auf Grund der Anwesenheitoder des Fehlens von Nährgewebe in den Samen zerfällt sie in die zwei Tribus der Zygophylleae undTribüleae. Erstere umfasst 2 Subtribus, die der Fagoniinae mit 3-teiligen oder durch Verkümmerung nureinfachen Laubblättern, und die der Zygophyllinae mit ungeteilten oder paarig gefiederten Laubblättern.Zu den Fagoniinae gehört die monotypische, aber wahrscheinlich durch Vögel in Nord» und Südafrika,Arabien und Indien weitverbreitete Gattung Seetz^nia R. Br. und die etwa 18, z.T. sehr nahe verwandteArten umfassende Gattung Fagönia L., die vorwiegend den Steppen und Wüsten Aegyptens bis Persien an-gehört und mit 1 Art, F. Cretica L,, weit in das Mittelmeergebiet (auf europäischem Boden bis Südspanien,