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5,1 (1925) Dicotyledones : (III. Teil)
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Besitz von grossen Schränken voll von selbsthergestellter Leinwand bildete und bildet noch heute in einzelnenGegenden den Stolz der Hausfrau und Jahrelang wird gesponnen, um für die Töchter des Hauses das zur Hochzeiterforderliche Weisszeug zusammenzubringen, wie dies inHermann und Dorothea" zum Ausdruck kommt:Nicht umsonst bereitet durch manche Jahre die MutterViel Leinwand der Tochter, von feinem und starkem Gewebe".

Aus dem nordwestlichen Norwegen wird lina neben laukar (Lauch) bereits in einer Runenschrift ausdem 4. Jahrhundert genannt. Mehrere aus lin« undvin zusammengesetzte Ortsnamen müssen spätestens ausder Wikingerzeit stammen, der nördlichste liegt im Toms=Amt (später soll Flachs sogar bis Skjervö gebautworden sein). Neben altnordisch lin kommt auch horr vor. In einem leinenen Frauengewand soll Tor seineFahrt zu den Riesen angetreten haben. Noch im 19. Jahrhundert war der Flachsbau bis Drontheim von Be«deutung; 1907 wurde er am meisten in Opland und Hedmark angebaut.

Die ältesten Nachrichten über die deutsche Leinenerzeugung stammen aus Schlesien, wo bereits im13. Jahrhundert, zuerst in Striegau und Sagan (angeblich durch vertriebene Wallonen), das Leinengewerbeblühte. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war Schlesien durch sein Leinenhandwerk, das überall den eisernenBestandteil des ländlichen Wirtschaftsplanes bildete, zu einem der ersten Industrieländer der Welt geworden.Im 18. Jahrhundert fand die schlesische Manufaktur durch Friedrich den Grossen eine bedeutende Förderung.Seine Auffassung war, dass die Leinwand Schlesiens ebensoviel einbringe als dem König von Spanien seinPeru. Er befreite die Leineweber vom Heeresdienst und verbot in dem Bezirk der Leinenindustrie jeglichenBergbau (selbst denjenigen auf Gold), um dem Bleichen das Holz nicht zu entziehen. Im Zeichen der Hoch«konjunktur konnten die Webermeister teilweise ein herrliches, üppiges Leben führen, wie dies aus der Hirsch«berger, Greifenberger, Schmiedeberger und Waldenburger Gegend geradezu sprichwörtlich wurde. Auch imElsass, wo in Strassburg um 1239 die spätere Seilergasse den NamenFlachsgasse" trug, entwickelte sich dieLeinenindustrie. Das zweite grosse Leinenindustriegebiet war aber neben Schlesien Westfalen, wovon diePrivilegien der Kaufmannsgilde Bielefelds, der sogenanntenJohannis.Sozietät", zu Beginn des 14. JahrhundertsZeugnis ablegen. Der Grosse Kurfürst Friedrich I., dann aber vor allem auch Friedrich II. unterstützte diewestfälische Industrie durch Geldzuwendungen reichlich. Zu besonderer Blüte gelangte diese Jedoch erst in derersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, welchem Aufschwung Jedoch der Siebenjährige Krieg bald hindernd ent»gegentrat. Immerhin konnte die westfälische Feinweberei (Battiste, Linons, Damaste) zufolge ihrer hohen spezifischenQualitätsleistung, die später durch die zuerst in Herford eingeführte Maschinenspinnerei, sowie durch die leichte Ein.fuhr von belgischen und holländischen Flachsen und irischen Garnen zurückgedrängt wurde, sich lange Zeit erhalten.Neben Schlesien und Westfalen hat dann die Oberlausitz, deren Betriebe hauptsächlich in Bautzen, Zittau und Herren«hut ansässig waren, vor allem für feinere Damaste grössere Bedeutung erlangt. Weniger nennenswert ist die Nieder«lausitz, wo Sorau noch heute eine grössere Anzahl von Betrieben aufweist. In einer historxsch.volkswirtschaft«liehen Studie behandelt Joachim Musaeus (Dissertation. Halle, 1922) die Leinenindustrie der Niederlausitz inVergangenheit und Gegenwart. Darnach dürfte unter den Innungen im 15. Jahrhundert die alte HauptstadtLuckau eine Art Vorrang besessen haben. Sorau zählte ums Jahr 1623 etwa 50 Innungsmeister. Ein Aussen,handel erfolgte erst spät, so im 17. Jahrhundert von Lübben mit Böhmen. Für Süddeutschland waren dieStädte Konstanz, Ravensburg, Biberach, Ulm, Kempten und ganz besonders Augsburg lange Zeit Sitz der Leinen«Industrie j in letzterer Stadt machte sich die Familie der Fugger um die Förderung der Industrie besondersverdient. Als redende Zeugen des einstigen blühenden Leinenhandels sprechen die alten Patrizierhäuser(Weberhaus) in Augsburg. Konstanz und Ravensburg hatten wie noch andere oberschwäbische Städte undauch St. Gallen einen ganz bedeutenden Exporthandel, vor allem nach Spanien (Saragossa, Valencia) aufzu-weisen. So wurden in Spanien die deutschen Leinwandgewebe geradezu teles de Costanca oder schlechtwegCostanzes genannt. Um 1500 brachten Venezianertele tinte di ogna sorta di Costanza" auf die unter»italienischen Messen. Grobe Leinwand hiess in Oberschwaben allgemeinGötschen". In St. Gallen machtesich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert besonders Ottmar Schläpfer um den Leinenhandel verdient(vgl. hierüber Schulte, Aloys. Geschichte der Grossen Ravensburger Handelsgesellschaft 1380 bis 1530.Stuttgart und Berlin, 1923). Dieser bedeutenden einheimischen Industrie, die wohl im 15. Jahrhundert ihrenHöhepunkt erreichte, traten eine Reihe von Umständen hemmend entgegen, so der Dreissigjährige Krieg, danndie Religionskriege, die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre, die Einführung und die Konkurrenz andererTextilfabrikate, insbesondere der Baumwolle und Wolle, die maschinelle Verarbeitung, die vor allem den länd«liehen Flachsbau empfindlich treffen mussten. Die einsetzende Unrentabilität des Flachsbaues wurde nochdadurch erhöht, dass das Getreide auf dem Weltmarkte eine Rolle zu spielen begann. So kam es, dass derAnbau des Flachses überall im Lande mit rasender Schnelligkeit abnahm. Nach einer aus dem Jahre 1844stammenden Statistik verteilen sich die Flachskulturen wie folgt: in Schlesien auf die Gebiete um Neisse, Münster«berg, Glatz, Schweinitz, Löwenberg, Trebnitz, Oels und Namslau, in Westfalen auf Paderborn, Bielefeld, Mindenund Umgebung, in Hannover auf Diepholz, Hildesheim, Göttingen, Lüneburg, Osnabrück und Rubenhagen,