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5,1 (1925) Dicotyledones : (III. Teil)
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machen sind, ist kaum anzunehmen. Zur Bekämpfung der vom Saatgut ausgehenden Krankheiten wird seitalter Zeit das Dörren und das Räuchern der Samen vor der Aussaat empfohlen, daneben die Lagerung bezw.dieSamenrastung". Selbst eine 5=jährige, gut geerntete, in den Kapseln trocken aufbewahrte Saat kann er»fahrungsgemäss gute Erfolge haben. Dagegen haben sich die verschiedenen Beizmittel nicht bewährt; dennderartig behandelte Samen wurden von Pilzen gleichwohl befallen. Fleischmann hat für das nördlicheUngarn zwei Samenernten in einem Jahre erzielt und zwar ohne dass die zweite Ernte schlechter ausgefallenwäre. Die Keimung, bei der zuerst das Endosperm entleert wird, erfolgt epigäisch (Fig. 1676 b). Dieschleimige Epidermis klebt hiebe! den Samen an den Boden fest und sichert so das Eindringen der Wurzel inden Boden. Der Lein besitzt einen hohen Grad von Empfindlichkeit für strahlende Wärme, d. h. er wird durcheinen Wärmereiz zu Krümmungen veranlasst, reagiert alsothermo«tropisch". Nach den Versuchen von F.Pohl (Beihefte zum Botan. Centraiblatt. Bd. XXIV, 1909) hat die Empfindlichkeit in der Gipfelknospe ihrenSitz. Unter dem Einflüsse der Sonnenbestrahlung führten die Pflanzen in einer Stunde Bogen bis zu 240° aus.Die auffälligen, grossen, honigbergenden Blumen werden von Bienen (Apis, Halictus cylindricus), von Hummeln,Schmetterlingen (Plüsia gamma, Pieris räpaej und von einer Fliege besucht; doch ist der Insektenbesuch imallgemeinen ein sehr spärlicher. Das Oeffnen der Blüten erfolgt am Morgen von 6 bis 7 Uhr, bei kühlerWitterung erst von 8 Uhr an; einzelne Blüten folgen dann bis 9 bezw. 10 Uhr nach. Nach Fleischmannvollzieht sich das Aufblühen in der Weise, dass diejenige Blüte, die die Hauptachse abschliesst, zuerstaufblüht. Das Aufblühen der Blütenzweige schreitet an der Pflanze von oben nach unten fort, währendes an den Blütenstandachsen von unten nach oben erfolgt. Zum vollständigen Abblühen bedarf eine Pflanze8 bis 10 Tage. Nach Hildebrand, Hoffmann, Tammes und Fruwirth tritt auch eine spontane Selbst»bestäubung ein; letztere wurde auch künstlich erzielt. Tammes konnte vereinzelt Parthenokarpie feststellen.

Der Lein gehört zu unseren ältesten und geschichtlich interessantesten Kulturpflanzen. Oswald Heerhat in den Schweizer Pfahlbauten der jüngeren Steinzeit, also 3000 bis 4000 Jahre alte Samen, Stengelteile,Früchte, Gewebe eines Leines festgestellt, der von dem heute in diesem Gebiet gebauten Linum usitatissimumwesentlich abweicht. Die aufgefundenen Gerätschaften und Erzeugnisse wie Fäden, Schnüre, Netze, Gespinste,Fransen usw. (Fig. 1684) sprechen für einen regelrechten Flachskultus; Spinnerei, Flechterei und Webereistanden bereits damals auf einer hohen Stufe. Ein primitiver Webstuhl ist rekonstruiert worden (vgl. hierüberMessikommer, Hrch., Die Pfahlbauten von Robenhausen. Zürich, 1913). Zum Gelbfärben der Gewebediente der Wau (Reseda luteola), zum Blaufärben die Beeren vom Attich (Sambucus Ebulus), wohl auch die

Samen von Chenopodium album und Galium palustre.Daneben waren wahrscheinlich auch Rotstein (Rötel) undOker im Gebrauch. Oswald Heer und neuerdings ErnstNeu weiler haben eingehende Studien über den Pfahl»bautenlein gemacht und festgestellt, dass bei diesem sicham Wurzelhals Ansatzstellen für mehrere Stengel zeigen.Die Stengel sind bogenförmig gekrümmt und nachhergerade aufsteigend, dünn, schlank, mit zarten, aufge»richteten Aesten. Beide Forscher schliessen daraus, dassdieser Lein nicht eine einjährige, sondern eine ausdauerndeArt gewesen sein müsse. Auch die Samen sind kleiner alsbeim gewöhnlichen Lein, die Kapselscheidewände mit Haarenversehen. Heer ist der Ansicht, dass der Pfahlbauten»lein zu dem zweijährigen bis ausdauernden mediterranenL. angustifolium (Fig. 1677) zu ziehen ist, während Neu»weiler glaubt, dass er sich am stärksten an L. Austriacumanlehne. Gegen die Ansicht von Neuweiler wendensich Theilung und später Gentner, die darauf hin»weisen, dass bei L. Austriacum die Fruchtstiele stark seitlich bis abwärts gekrümmt sind, während diese beimPfahlbautenlein unter 45° abstehen. Durch die Verzweigungsart unterscheidet sich der letztere auch von derzweijährigen Form von L. angustifolium. Gentner weist in seiner ArbeitPfahlbauten und Winterlein"(Faserforschung. Bd. I, 1922) nach, dass der Pfahlbautenlein in allen seinen Teilen eine sehr grosse Ueberein»Stimmung mit dem zweijährigen, in einigen Alpengegenden von Bayern, in Tirol, Kärnten und im Bündner OberlandgebautenWinterlein" besitzt. Sowohl die vegetativen Teile, wie die Früchte, Samen und die behaarten Kapsel»wände stimmen mit dem Pfahlbautenlein überein. Nur sind die Kapseln und Samen desselben etwas kleiner(3,7 mm) als die des zur Zeit gebauten Winterleins (4,1 bis 4,2 mm). Da jedoch diese Teile beim gewöhnlichenLein je nach Sorte, Düngung und Herkunft ebenfalls sehr variieren, so sieht Gentner in der etwas geringerenSamen» und Fruchtausbildung des Pfahlbautenleins kein wesentliches Unterscheidungsmerkmal. Es liegt hier

Fig. 1684. Gewebe und Webstuhl aus den Pfahlbauten.