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5,1 (1925) Dicotyledones : (III. Teil)
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Durch kaltes oder warmes Pressen wird aus den zerkleinerten Samen ein fettes Oel (Oleum Lini)gewonnen und zwar erzielt man bei kaltem Pressen etwa 20% eines hellgelben Oeles von schwachem Geruchund Geschmack, das leicht ranzig wird, während die erwärmten Samen bis 28°/o dunkleres Oel vonbernstein» bis bräunlich-gelber Farbe und etwas stärkerem Geruch und Geschmack liefern. Leinöl löst sichin 36 bis 40 Teilen kaltem und in 5 bis 6 Teilen kochendem Alkohol sowie in 16 Teilen Aether. Es er«starrt bei15 bis20° C, siedet bei einer Temperatur von 230° C; bei 300 bis 400° C fangen die schon bei300°C sich entwickelnden, übelriechenden, weisslichgrauen Dämpfe von selbst zubrennen an. Das Oel brenntdann mit roter Flamme unter starker Rauchentwicklung. Das frische Leinöl ist leicht verseifbar; mit Natron bildetes eine gelbe, weiche Seife. An der Luft wird es unter Sauerstoffaufnahme bald ranzig und dickflüssig; in dünnerSchicht trocknet es zu einer durchsichtigen, in Aether unlöslichen, harzartigen Masse (Linoxyn) ein; durch dieEinwirkung des Lichtes wird es gebleicht. Leinöl enthält (die Resultate widersprechen sich öfter) 10 bis 15°/ofeste Glyzeride (Stearin, Palmitin, Myristicin), 85 bis 90°/o flüssige Glyzeride, davon 5°/o Oelsäure, 20 bis25% a« und jS-Linolsäure (Cis Hss Oa), 15°/o Linolensäure (Cis Hso Os) und 65°/o Isolinolensäure. Die Er-kennung des reinen Leinöles gelingt am raschesten durch die Bestimmung der Jodzahl, da Leinöl als dasam stärksten trocknende Oel die höchste Jodzahl (156 bis 160) besitzt. Es dient vor allem zur Darstellungvon Firnissen, Lacken oder Oelfarben, Buchdruckerschwärze, Seifen, Linoleum, Wachsleinwand, Kitt, mit Kalk»wasser gemischt als Brandliniment gegen Brandwunden; Schwefel mit Leinöl im Verhältnis 1 :6 gibt den zähen,

braunen Schwefel« oder Harlemer Balsam (Oleum Lfni sulfurätum),der zu Einreibungen bei Drüsengeschwülsten, in der Veterinärheilkundegegen die Trommelsucht des Rindviehes usw. Verwendung findet. AlsSpeiseöl wird frisches, kaltgepresstes Leinöl besonders in Russland, Polen undUngarn benützt. Die Pressrückstände liefern die Leinölkuchen (die bestenKuchen geben die südrussischen Leinsamen), die als Mastfutter für Haus«tiere, als Vogelfutter, Dünger, sowie zur Bereitung der Oelgase dienen.Diese enthalten im Durchschnitt 12,19% Wasser, 29,48 °/o sticktoffhaltigeSubstanzen, 9,88% Fett, 29,91% sticktofffreie Substanz, 9,69°/» Celluloseund 5,13% Asche. AlsStreckungsmitteF für Leinmehle werden ver-wendet! Leinspreu, Reisspelzen, Baumwollschalen, Erdnusshülsen, Oliven»kernmehl, Sapotaceenmehl, Getreideabfälle, Samen von Raps, Ackersenf,Eruca, Erysimum Orientale, Indischer Senf, Mohn, Sesam, PolygonumConvolvulus, Setaria glauca, Lolium remotum, Spergula arvensis, Cerastiumtriviale, Chenopodium polyspermum, Arachis hypogaea, Palmkerne usw.

Die Zahl der Unkräuter in den Leinfeldern, ebenso die Mengeder Unkrautsamen in den Leinsaaten ist eine sehr grosse. Einzelne vonden Unkräutern haben sidi in ihrer Tracht (f. linxcola) ganz den Ver»Der schlanke Stengel verzweigt sich erst oberwärts und entsendet dieDas weitaus schädlichste und gefährlichste Unkraut ist

In ihrer

Fig. 1682. Querschnitt durch die Samen-wand vom Lein, q Epidermis in gequol-lenem Zustande mit Cuticula (c). s Stein-zellenschicht. pi Pigmentschicht. p Endo-spermzellen mit Oelplasma und Aleuron-körnern (a) (nach Tschirch).

hältnissen der Flachsfelder angepasst.langgestielten Blüten in den Horizont des Leinfeldes.

die Lein» oder Flachs-Seide (Cuscüta Epilinum), das als solches in Europa seit dem Mittelalter bekannt ist.Lebensweise ist die Lein=Seide (Fig. 1683) ganz auf die Flachspflanze angewiesen, obwohl sie audi einige Zeitkaufanderen Pflanzen, namentlich auf den Unkräutern des Flachses, aber auch auf dem Klee, zu leben vermag.Der Same der Seide keimt ebenso wie der Lein selbst schon in wenigen Tagen aus. Infolge des hohen Licht»bedürfnisses bleibt die junge Pflanze nicht lange an den unteren Teilen der Wirtspflanze haften, sondernwindet sich sofort an der zunächst liegenden Leinpflanze empor, wobei sie ihre Saugapparate in das Inneredes Flachsstengels hineinsendet, um dann mit ihren Endtrieben noch benachbarte Pflanzen zu befallen. Alsechter Schmarotzer vermag die Seide aus dem Boden nur während der Keimung und in der allerersten Ent-wicklung Wasser aufzunehmen ; später bezieht sie den ganzen Bedarf an Wasser und an gelösten Nährstoffen vonder befallenen Leinpflanze. Da gewöhnlich 2 Samen semmelartig zusammenhängen und gleichzeitig auskeimen,so wird auch die Flachspflanze gleichzeitig von 2 (nicht zu selten auch von 3 oder 4) Trieben umschlungen jandererseits können die Seidenpflanzen sich auch gegenseitig befallen. Durch die Seide stirbt die Leinpflanze3 bis 4 Wochen zu früh ab, was sich in dem Samenertrag stark bemerkbar macht. Auch lässt sich der vonder Seide befallene Flachsstengel schlecht rösten und erweist sich in Jeder Beziehung als minderwertig. Dadie Seidesamen kleiner sind als das Leinsaatgut, so lassen sich diese durch ein Rundsieb von 2 mm Lochweitedurch kräftiges Schütteln entfernen. Als zweites, sehr bezeichnendes, in der Saat zuweilen in Menge (bis 59%)auftretendes Unkraut ist der Lein-Lolch (Lölium remötum Schrank, = L. linfcolum A. Br.) hervorzuheben,dessen Samen zum mindesten als giftverdächtig anzusehen ist. Wahrscheinlich gibt es wie beim Taumel-Lolch(Bd. I, pag. 377) Je nach der Herkunft giftige und ungiftige Sorten. Neben diesen beiden Arten erscheinenin den mitteleuropäischen Leinsaaten nach Gentner (Bayerische Leinsaaten. Faserforschung. Bd. III, 1923) als