JUSTUS LIEBIG ÜBER ROBERT MAYER
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die Schärfe seines Geistes. Heutzutage ist freilich der Satzvon der „Erhaltung der Energie" längst Gemeingut allerNaturforscher und daher auch aller Chemiker geworden, vorfünfzig Jahren aber wurde er selbst von den nächstbeteiligtenFachleuten teils gar nicht verstanden, teils sogar bestritten:so z. B. glaubte zu jener Zeit noch der, als Wärmetheoretikerund Ingenieur so hervorragende Hirn, Dampfmaschinen ver-möchten sehr wohl auch ohne Wärmeverbrauch Arbeit zuleisten, und ein Wärmeäquivalent brauche, falls es bestehe,keineswegs konstant zu sein, — Ansichten, die er erst 1862endgültig fallen ließ. 1 Bewunderungswürdig bleibt daher dieSicherheit, mit der Liebig die volle Tiefe des MayerschenGrundgedankens begriff und würdigte, erstaunlich auch dieKlarheit, mit der er den wesentlichen Inhalt der MayerschenLehren darzulegen, und einem wenig vorgeschulten Zuhörer-kreise verständlich zu machen wußte. Daß sein Vortrag von1858 ihn auch selbst durchaus befriedigte, geht aus der Tat-sache hervor, daß er ihn für die im nämlichen Jahre ab-geschlossene neue (vierte) Auflage der „Chemischen Briefe"verwertete, in deren Vorrede auf die „Bearbeitung einer Anzahlvon Vorträgen" (jedoch ohne nähere Bezeichnung) hingewiesenist. Mit verschiedenen Abänderungen und Zusätzen versehen,bildet er dort den neu eingefügten 13. Brief, 2 und müßte dahereigentlich jedem Chemiker wohlbekannt sein, — ermangeltejenes Werk heute nicht so gänzlich der Leser, die ihm, alseinem wahrhaft klassischen der wissenschaftlichen Literatur,gebühren; denn über die veralteten und überholten Einzeln-heiten läßt sich unschwer hinwegsehen, unsterblich bleibt aberdas Bemühen des Aufschwingens zum höchsten Gesichtskreise,das selbstlose Streben nach Wahrheit, und die unerschrockeneKritik und Bekämpfung jener Fehlschlüsse und Irrtümer, die
1 s. meine „Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte der Natur-wissenschaften" (Leipzig 1906, S. 554, im Aufsatze über Robert Mayer.)
2 S. 103 der vierten Auflage.
v. Lippmann, Abhandl. u. Vortr. II. 30