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JUSTUS LIEBIG ÜBER ROBERT MAYER
Körper ganz ebenso wie einen Ofen mit Heizmaterial, dochkönnen natürlich die Stoffe, deren unmittelbare VerbrennungWärme liefert, nicht gleichzeitig auch noch mechanische Krafterzeugen, diese nimmt vielmehr ihren Ursprung aus der che-mischen Veränderung der zusammengesetztesten, Stickstoff- undschwefelhaltigen Bestandteile der Muskeln, also aus dem Stoff-wechsel. Die Vorräte aufgespeicherter Wärme und Kraftwerden wieder frei und wirksam, sobald durch die Verbrennungund den Stoffwechsel, d. i. durch den Verlauf des Lebens-prozesses, die Nahrungsstoffe stufenweise und allmählich in dienämlichen ursprünglichen Substanzen zurückgeführt werden,aus denen sie entstanden, also in Kohlensäure, Wasser, undAmmoniak. —
Wie bekannt, beschäftigten Lieb ig schon seit den dreißigerJahren des vergangenen Jahrhundertes Ideenverbindungen, dieden soeben dargelegten nahe verwandt waren, die er abernicht zu völliger Klärung zu bringen vermochte; schon inseinem agrikulturchemischen Werke, noch mehr aber in der„Tierchemie" (1842 zuerst erschienen), finden sich zahlreicheGedanken, die bis an die Schwelle der Wahrheit heranführen,Gedanken, die ihn in rastlosem Streben bemüht zeigen, dieerahnte reife Frucht endlich an rechter Stelle zu fassen, — wäh-rend sie sich dem Zugreifenden immer wieder aufs neue ent-zieht. Als ihm 1842 Robert Mayer seine erste, von Poggen-dorff in ihrer ursprünglichen Gestalt zurückgewiesene Ab-handlung einsandte, war er daher durchaus vorbereitet und be-fähigt, ihre Bedeutung zu erfassen; sie bot die lange gesuchteLösung des großen Rätsels, und indem Liebig dies sogleicherkannte, und sie in seinen Annalen zum Abdrucke brachte,leistete er der Wissenschaft einen unermeßlichen Dienst.
In der Neidlosigkeit, mit der Liebig Mayers Leistungenankündigte und zeitlebens hochhielt, tritt die Lauterkeit seinesCharakters ebenso glänzend hervor, wie in der Art, nach derer sich die Tragweite der Mayerschen Lehren zu eigen machte,