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JUSTUS LIEBIG ÜBER ROBERT MAYER
Richtigere Vorstellungen über das Wesen der Naturkräfteverdanken wir erst dem Arzte Dr. Robert Mayer in Heil-bronn: „sie brachten Licht in eine Menge bis dahin unverständ-licher und unerklärbarer Vorgänge", „sie erlangten durch diesich daran knüpfenden Forschungen der ausgezeichnetestenPhysiker und Mathematiker eine kaum geahnte Bedeutungund Wichtigkeit". Nach R. Mayer sind Kräfte Ursachen,und unterliegen gemäß der Grundregel „Causa aequat effectum"dem allgemeinen Gesetze, daß die Wirkungen ihren Ursachengenau entsprechen und ihnen gleich sind; daher kann in einerKette von Ursachen und Wirkungen niemals ein Glied zu Nullwerden oder verschwinden, die Glieder sind unzerstörlich, undnicht um quantitative Veränderungen kann es sich handeln,sondern nur um qualitative Umwandlungen. Wo also, wie inden Maschinen, ein Teil der bewegenden Kraft anscheinendvernichtet wird, kann in Wahrheit die Bewegung nur eineandere Form angenommen haben, und zwar wird dies, wie zahl-reiche wohlbekannte Beispiele dartun, in der Regel die derWärme gewesen sein. Zwischen der aufgewandten Bewegung,bzw. mechanischen Arbeit, und der entwickelten Wärme mußeine bestimmte quantitative Beziehung bestehen, und die an-gestellten Berechnungen und Messungen haben ergeben, daßeine Arbeitsleistung von 450 m/kg fähig ist, 1 kg Wasser von
0 auf 1 0 C zu erwärmen, und daß umgekehrt ebendiese Wärme-menge vermag, eine Arbeitsleistung von 450 m/kg zu voll-bringen, so daß die Zahl 450 als Äquivalent der Wärme undArbeitskraft anzusehen ist. 1 Es werden also z. B. 27000 Schläge 2mit einem 5 kg schweren Hammer aus 1 / 3 m Höhe, oder9000 Schläge aus 1 m Höhe, oder 45000 Schläge mit einem
1 kg schweren Hammer aus 1 m Höhe, hinreichen, um 1 kg
1 Die Zahl 450 ist zu hoch, als richtigster Wert gilt zurzeit 427 (s. Erd-mann-Köthner, „Natur-Constajiten" Berlin, 1905, S. 28). 2 Liebig
gibt diese Zahlen in etwas anderer Anordnung und mit anderen Werten an,da er noch mit Pfunden und Fußen rechnet.