feier von Liebigs Geburtstag gehaltenen Festreden erwähnt,und fehlt merkwürdigerweise auch in der Sammlung vonLiebigs „Reden und Abhandlungen", die Carriere 1874herausgab. 1 Ihr Inhalt, dem Liebig mit Rücksicht auf dieZusammensetzung des Zuhörerkreises eine durchaus allgemein-verständliche und elementare Fassung gab, ist im wesentlichender nachstehende:
Schon seit langem wurde vermutet, daß zwischen densog. Naturkräften, deren man von alters her eine ganze Anzahlkennt, nähere Beziehungen walten, aber erst die neueste Zeiterbrachte hierfür tatsächliche Beweise, und wir besitzen jetztdie Gewißheit, daß jene Kräfte keineswegs völlig verschieden,vielmehr gemeinschaftlichen Ursprunges sind, und als Äuße-rungen einer und derselben Grundursache angesehen werdenmüssen.
Maschinen erzeugen bekanntlich keine Kraft, sondern ver-richten nur mittels der ihnen zugeführten eine gewisse Arbeit,deren Größe als Summe aller überwundenen Widerstände dar-stellbar und meßbar ist; aber keineswegs leistet auch alle denMaschinenteilen mitgeteilte Kraft wirklich Arbeit, vielmehrgeht ein bedeutender Teil stets verloren, er wird, hauptsäch-lich durch die Reibung, „aufgezehrt", und galt tatsächlichfür „vernichtet"; solange man aber annahm, eine Kraft könnegänzlich verschwinden, also „ein Nichts zur Wirkung haben",war es auch kein Widerspruch das Umgekehrte vorauszusetzen,nämlich die Erzeugung einer Kraft aus dem Nichts, d. h.die Möglichkeit eines Perpetuum mobile, und der bis in diejüngste Zeit fortdauernde Glauben an diese Möglichkeit ent-sprang nicht zum wenigsten der Unklarheit jener Anschauungen. 2
1 „Reden und Abhandlungen" von Justus v. Liebig (Leipzig u. Heidel-
berg, 1874). 2 Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß noch imJahre 1878 das Deutsche Patentamt unter Nr. 4453 ein Patent auf ein Per-petuum mobile erteilte.