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2 (1913)
Entstehung
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ZUR GESCHICHTE DER TA UTOMER1E

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den Arten ihrer Bildung und ihres Abbaues, verschiedene, ; Reste" angenommen hatte, und sich dabei auf noch ältereVermutungen Berzelius' und Liebigs hinsichtlich der ingegebenen Verbindungen vorauszusetzenden verschiedenenRa-dikale" berufen konnte, äußert sich an der bezeichneten Stelleim wesentlichen wie folgt:

Substanzen von nicht ganz einfacher Zusammensetzung,besonders organische, werden den Einflüssen verschiedenerAgentien nicht stets die nämliche Angriffsseite darbieten, viel-mehr können die doppelten Umsetzungen in verschiedenemSinne verlaufen, so daß sich die Stoffe dann mit Recht durchmehrere rationelle Formeln ausdrücken lassen, und es zulässigund selbst notwendig wird, die nämlichen Körper auch mitmehreren verschiedenen Namen zu benennen. Belege hierfürbieten u. a. Benzaldehyd, Cacodyl, und Cyansäure: das Bitter-mandelöl funktioniert z. B. bald als Hydrür des Benzoyls,bald als Oxyd des Radikales C 7 H (! , Cacodyl bald als einheit-liches Metall, bald als Methylderivat des Arsens, und Cyan-säure bald als Hydroxyd des Cyans, bald als Irnid des Karbonyls.Unsere Formeln sind eben nur ein Mittel, gewisse Beziehungender Synthese und Zersetzung anzudeuten; zwängt man abereine Substanz nur in eine einzige Formel, so verbirgt diese oftchemische Beziehungen, die eine andere Formel unmittelbarhervortreten läßt, sie bringt dem Geiste nur ganz bestimmteZusammenhänge in Erinnerung, hält ihn aber entfernt vonanderen, ebenso berechtigten, weil ebenso innigen."

Gerhardt sieht voraus, daß solche Betrachtungen seitensder meisten Chemiker nicht verstanden, und daher heftig an-gefochten werden dürften; der frühe, sehr bald nach Vollendungseines umfangreichen Handbuches erfolgte Tod des Autorsscheint jedoch bewirkt zu haben, daß seine letzten Lehren,ohne zur gewohnten lebhaften Polemik Anlaß zu geben, als-bald gänzlicher Vergessenheit anheimfielen.