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ZUR GESCHICHTE DER TAUTOMERIE 1
ei einer ganzen Anzahl von Kohlenstoffverbindungenhat sich allmählich herausgestellt, daß sie scheinbarim Sinne zweier verschiedener Reaktionsformeln re-agieren; oder, anders ausgedrückt, .... es gibt Verbindungen,denen man zwei, oder unter Umständen noch mehr Konstitu-tionsformeln beilegen müßte." Mit den angeführten Wortenleitet z. B. die „Organische Chemie" v. Richters den Ab-schnitt über Tautomerie ein, 2 und in gleichem oder ähnlichemSinne äußern sich auch die meisten andern Lehr- und Hand-bücher (Beilstein; V. Meyer-Jacobson; usw.).
Da diese Einsicht der großen Mehrzahl der Chemiker alseine Errungenschaft der neuesten Zeit gilt, ist es nicht ohneInteresse, darauf hinzuweisen, daß sie, in klarster Weise aus-gesprochen, schon bei Ch. Gerhardt zu finden ist. In demhöchst geistvollen Schlußabschnitte seines großen „Lehrbuchesder Organischen Chemie" von 1854, der u. a. GerhardtsTypentheorie, sein System der Klassifizierung, sowie das Prinzipder Anordnung nach homologen Reihen darlegt und recht-fertigt, ist der § 2453 überschrieben: „Ein- und derselbe Körperkann mehrere rationelle Formeln haben." 3 Gerhardt, derschon früher in den nämlichen chemischen Individuen, je nach
1 „Chemiker-Zeitung" 1910, S. 49. 2 ed. Anschütz-Schroeder,Bonn 1903, Bd. 1, S. 47. 3 Obersetzung von R.Wagner, Leipzig 1857;Ed. 4, S. 614.